Wie sinnvoll ist Geschichte?

Wenn man ein bestimmtes Fach oder eine bestimmte Richtung studiert, dann muss man sich zwangsläufig irgendwann die Frage stellen, wie sinnvoll es eigentlich ist, genau das zu studieren? Dabei muss man sich dann wohl auch fragen, wie sinnvoll es aus wirtschaftlicher Sicht ist? Kann ich damit später einen guten Beruf finden?

Nun ja, gerade die letzteren Fragen habe ich mir kaum gestellt. Ich bin der Überzeugung, dass man genau das studieren und lernen sollte, was einem Spaß macht. Ich weiß, dass es absolut unserem Zeitgeist entspricht, sich immer zu fragen, ob man damit oder hiermit einen Job findet, aber man sollte seine eigenen Interessen und Leidenschaften nicht einem Wirtschaftssystem unterordnen, denn genau das tut man in diesem Moment.

Sicher wäre es leichter, einfach BWL oder Jura zu studieren, weil gewisse Studienfächer einen einfach auf einen bestimmten, sehr konkreten Beruf hin ausbilden. Andere Studienfächer wie eben Geschichte, Philosophie und Soziologie sind dabei sehr viel weiträumiger und offener.

Und genau deswegen, glaube ich auch, gibt es diese Vorurteile, laut denen bestimmte Fachrichtungen wirtschaftlich wenig Sinn machen. Aber gerade im Fall von Geschichte muss man sich auch mal die Frage stellen: Wer hat denn alles Geschichte studiert? Ich meine damit nicht, welche berühmten Personen, das getan haben, sondern welche Berufsgruppen? Kuratoren und andere Museumsmitarbeiter etwa, Menschen in der journalistischen Branche, beim Fernsehen, bei Verlagen, in Archiven, in Bibliotheken, in politischen Ämtern. Die Bandbreite, die sich einem beruflich erschließen kann, wenn man Geschichte studiert hat, ist eigentlich viel größer, als man vielleicht zuerst glauben mag.

Dabei ist gerade die Geschichte eines der Dinge, die den Menschen schon immer beschäftigt und manchmal fasziniert hat. Schon seit Menschen die ersten Hochkulturen entwickelt haben, haben sie zugleich auch Aufzeichnungen über ihr eigenes Leben angelegt. Vielleicht nicht unbedingt mit dem Hintergedanken, dass Menschen in vielen tausenden Jahren später diese Schriften finden und untersuchen. Aber in jedem Falle hat sie etwas dazu getrieben, der Nachwelt etwas zu hinterlassen.

Damit kommen wir fast fließend zum logischen Sinn, sich mit Geschichte zu beschäftigen. Fast jeder Mensch wird die alte Weisheit kennen: Um die Zukunft zu gestalten, muss man erst einmal die Vergangenheit kennen. Diese Weisheit ist so alt und trivial, dass man sie sehr oft vergisst oder belächelt, aber sie hat zu keiner Zeit an Wahrhaftigkeit verloren.

Man kann Geschichte deswegen aus vielen verschiedenen Perspektiven betrachten. Man kann sie romantisieren und sich in die Zeit eines Oscar Wilde zurückwünschen, aber man kann sie auch als eine Warnung verstehen, wenn wir etwa an den 1. und 2. Weltkrieg denken oder an das Deutschland unter Hitler, oder das Italien unter Mussolini. Man kann Geschichte aber auch rein objektiv betrachten, ohne damit irgendwelche Emotionen in Verbindung zu bringen – es ist die gewünschte Betrachtungsweise eines Historikers, die man aber nur sehr selten erreicht.

Viele Menschen wären auch erstaunt, wenn sie wüssten, wie viel Geschichte auch in der Popkultur steckt. Wenn Sie etwa ‚Game of Thrones‘ kennen, dann kennen Sie sicher auch das Volk der Dothraki. Diese Kultur, die dort gezeigt wird, ist sehr stark an die Nomadenstämme der Fernen Ostens, also an die Mongolen, aber auch an die Hunnen angelehnt. Wenn man sich nur ein bisschen mit der Geschichte auskennt, dann wird man viele Anspielungen oder Anlehnungen erkennen können.

Allerdings kann es manchmal auch unbefriedigend sein, sich mit Geschichte auszukennen. Man bemerkt dann sehr viel öfter, wie wenig die Menschen aus der Geschichte gelernt haben. Allein schon der Umstand, dass wir uns heute wieder näher denn je an einem globalen Konflikt zwischen Russland und den Vereinigten Staaten befinden, zeigt einfach die unglaubliche Ignoranz und Arroganz vieler Menschen. Allgemein müsste man annehmen, dass die Menschheit nach tausenden Jahren des Krieges und zweier verheerender Weltkriege allmählich gelernt haben müsste, dass ein Krieg niemals eine Option sein kann. Nichtsdestotrotz ist die Kriegsführung unserer heutigen Zeit an Effizienz kaum noch zu überbieten.

Jüngst hörte ich, dass man darüber nachdenkt, autonome Kampfdrohnen in den Kampf zu schicken. Das heißt, wenn die Drohnen schon die Ziele auskundschaften, wieso sollten sie die so erkundeten Ziele nicht auch gleich selbstständig angreifen können? Der Zynismus, der dahinter steckt, dass man jetzt nicht einmal mehr Menschen braucht, um andere Menschen zu töten, widert mich zutiefst an.

Es ist nicht zuletzt meiner intensiven Beschäftigung mit dem Krieg geschuldet, dass ich davon überzeugt bin, die Menschheit müsse endlich pazifistisch werden. Man muss, um das zu verstehen, nicht einmal die Geschichte bemühen. Kennen Sie denn irgendeine andere Spezies, die sich mit so einer Leichtigkeit dazu aufmachen kann, die eigenen Artgenossen auszulöschen? Sicherlich kämpfen Tiere gegeneinander, aber meistens nicht bis zum Tod, außer sie jagen Beute, und vor allem nicht aus sadistischen Gründen. Tiere kämpfen vielleicht um Reviere, aber sie tun dies nicht aus Spaß. Sie müssen kämpfen, um überleben zu können, und weil sie schlicht keine anderen Mittel haben. Die Menschen hingegen können miteinander kommunizieren, Kompromisse aushandeln, sich zügeln und dennoch tun sie es selten.

Aber ich möchte noch ein Wort zum Geschichtsunterricht verlieren: Ich habe mich als Schüler immer über zwei Dinge beschwert: Einerseits setzen wir unseren Blick immer nur auf Europa und Nordamerika. In der Schule hat man stets die Geschichte des Westens, was meiner Ansicht nach in einer globalen Welt viel zu einseitig ist. Andererseits besteht der Geschichtsunterricht für viele Schüler im bloßen Auswendiglernen irgendwelcher Fakten. Wenn man aber an eine Universität kommt, merkt man recht schnell, dass die Kenntnis der Daten fast eine Nebensache wird. Viel wichtiger ist es, die Zusammenhänge zu erkennen. Kriege fallen ja nicht einfach vom Himmel oder werden vollkommen grundlos geführt. Einem Krieg geht immer eine Vorgeschichte voraus und auch Reiche werden nicht einfach so gegründet. Wenn man Geschichte genau so betreiben und verstehen würde, dass es sich dabei um eine kausale Kette handelt, und wenn man dann noch den Spielraum zum Hinterfragen gibt, dann erfüllt der Geschichtsunterricht seinen eigentlichen Zweck: das logische Denken und das Hinterfragen, das Recherchieren, das Hinter-den-Vorhang-Blicken zu schulen.

Es ist sicher ganz nett zu wissen, wann der 2. Weltkrieg begonnen hat und wie er verlaufen ist, aber das Problem unserer heutigen Zeit ist doch, dass man solche Fakten ganz leicht im Internet recherchieren kann. Was man aber meistens nicht findet oder zumindest nur sehr schwer findet, ist eine Aufarbeitung aller Ereignisse. Es ist sicher toll zu wissen, dass der 2. Weltkrieg am 1. September 1939 begonnen hat, aber die viel wichtigere Frage ist doch, wieso hat er begonnen? Was hat die Deutschen unter Hitler dazu getrieben, sich in einen Krieg zu stürzen und welche Rolle – und das wissen schon viele Schüler gar nicht mehr – hatte Danzig beim Krieg gegen Polen? Ebenso wichtig wäre doch auch zu klären, wieso die Alliierten nicht schon viel früher eingegriffen haben? Wieso haben sie den Anschluss Österreichs an Deutschland oder die Wiederbesetzung und Remilitarisierung des Rheinlands denn zugelassen?

Solche Fragen werden und worden zu meiner Zeit viel zu wenig gestellt. Und dann kommt hinzu, dass viele Schüler eben vor allem deswegen Geschichte nicht mögen, weil es sich für sie wie ein reines Lernfach anfühlt. Aber eigentlich ist Geschichte eher wie ein Roman, eine Story wird erzählt, es gibt Charaktere, die handeln und ja, es gibt auch Jahreszahlen, aber in einem Roman hat man die manchmal auch, denn irgendwie muss man die Geschichte ja auch zeitlich einordnen.

Vor allem aber ist Geschichte oftmals eine anthropologische Betrachtung menschlichen Handelns, und manchmal, wenn man sich mit expliziten Personen auseinandersetzt, dann ist es fast wie Psychologie, denn man will herausfinden, wie diese Person gedacht haben mag und wieso sie so und nicht so gehandelt hat. Das sind die Stellen, an denen Geschichte lebendig werden kann und nicht nur aus öden Fakten besteht. Denn genau dann begreift man plötzlich – und es mag sich merkwürdig anhören, aber viele Schüler und auch Lehrer vergessen das -, es geht um Menschen, die zwar in anderen Zeiten und unter anderen Umständen gelebt haben, aber dennoch sind es einfache Menschen gewesen. Auch wenn sich Napoleon zum Kaiser der Franzosen aufgeschwungen hatte, so war er dennoch ein Mensch mit Fehlern und Schwächen. Und ja, auch der uns als absolutes Böse geltende Österreicher Adolf Hitler war ein Mensch.

Aber dazu vielleicht später einmal mehr …

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

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Wie sinnvoll ist Geschichte?

*KK: Der Ausstieg des (noch) Vereinigten Königreichs

Es war wirklich mehr als überraschend, als man heute überall vernehmen konnte, dass es die Briten wirklich getan haben: Sie entschieden sich gegen einen Verbleib in der Europäischen Union. Schon Jahre vor diesem Referendum gab es im Vereinigten Königreich Debatten, Werbekampagnen und Versuche, die Bevölkerung in die eine oder in die andere Richtung zu lenken. Dementsprechend knapp fiel eben auch das endgültige Ergebnis aus und nun schaut alle Welt nur darauf, was nun aus der EU wird.

Doch was man bei all diesen Überlegungen und Analysen vielleicht vergisst, ist, wie sich diese Abstimmung auf Großbritannien selbst auswirken wird?

Auffällig ist etwa, dass sich Schottland und Nordirland für einen Verbleib entschieden, während Wales und England dagegen waren. Das ist insofern kritisch zu betrachten, weil die Schotten schon einmal ein Ersuchen um ihre Unabhängigkeit zur Abstimmung gestellt hatten. Und dieses Ergebnis, das ihnen jetzt vom verhassten England aufgedrückt wird, wird sicher nicht für mehr Einigkeit sorgen.

Die schwierige Situation in Nordirland, das ja schon seit vielen Jahren ein regelrechter Kampfschauplatz ist und eigentlich nur ein Relikt der kolonialen Bestrebungen der Krone ist, wird sich ebenso weiter zu spitzen, davon ist auszugehen.

Die Frage, die man sich jetzt stellen müsste, ist eigentlich, wie vereinigt ist denn das United Kingdom überhaupt noch? Und wird diese Entscheidung vielleicht nicht nur zur Abspaltung Großbritanniens von der Europäischen Union führen, sondern vielleicht auch die Erschaffung eines souveränen Schottlands befeuern oder die ‚Befreiung‘ Nordirlands aus englischer Knechtschaft?

Zur Europäischen Union bleibt eigentlich nur zu sagen, dass dieses Ergebnis, dieses massive Misstrauen der Briten, und zunehmend auch anderer Menschen in Europa, denn allein dieses Misstrauen in die europäischen Institutionen ist der Grund für den Aufstieg einer AfD, eines Front National oder einer FPÖ, sollten zu denken geben. Denn Fakt ist, die EU ist ein gewaltiger, bürokratischer Apparat, der wahrlich nicht sehr effizient ist. Vielleicht ist es gerade deswegen jetzt an der Zeit, die Idee der Europäischen Union endlich wieder in den Fokus zu stellen: Frieden und Einigkeit in Europa zu schaffen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

*Kurzer Kommentar

*KK: Der Ausstieg des (noch) Vereinigten Königreichs

Nationalismus und Patriotismus

In den letzten Tagen konnte man aus bestimmten politischen Kreisen immer wieder die Forderung vernehmen, dass man doch, gerade jetzt zur Fußball-Europameisterschaft, auf deutsche Fahnen und andere ’nationale‘ Dekorationen verzichten solle, weil sie eine Form des Nationalismus schürten. Nun muss man sich bei solch einer Behauptung natürlich einerseits fragen, welche Form von Nationalismus ist denn hier gemeint, und ist Nationalismus überhaupt etwas Schlechtes?

Gerade in Deutschland gibt es bezüglich der beiden Begriffe ‚Nationalismus‘ und ‚Patriotismus‘ immer wieder Streit. Viele Menschen können diese beiden Begriffe schlicht nicht voneinander trennen, assoziieren allzu gern mit beiden Wörtern eine Rückkehr zu einem Nationalstaat im Hitler’schen Sinne.

Sicher mag es gewisse Zielgruppen geben, die sich genau dies wünschen würden, aber der größte Teil der Menschen, und vor allem der allgemeine Fußball-Fan, hat sicher kein Interesse an einer Rückkehr ins Dritte Reich, nur weil er seine Sympathie mit der deutschen Nationalmannschaft bekunden möchte. Aber die oben erwähnten Gruppierungen unterstellen eben genau diesen Fall.

Es sind jene Gruppierungen und jene Menschen, die scheinbar den Unterschied der oben genannten Begriffe nicht verstanden haben oder aus ideologischen Gründen vielleicht auch nicht verstehen wollen. Es sind vor allem jene Personen, die allzu gern behaupten, dass sie kein Schwarz-Weiß-Denken besäßen oder fördern wollten, doch mit solchen Forderungen bewirken sie genau dies. Denn der Glaube, nur weil jemand eine Deutschlandfahne an seinem Auto habe, ist er gleich ein Nationalist, ist wahrscheinlich das Beispiel für Schwarz-Weiß-Denken in Perfektion.

Doch vielleicht ist es angeraten, dass ich zuallererst den Unterschied zwischen ‚Nationalismus‘ und ‚Patriotismus‘ erörtere: Unter Nationalismus und Patriotismus versteht man in erster Linie die Liebe zu einem Land, meistens dem Heimatland. Soweit mögen sich die beiden Begriffe gleichen, doch wenn es darum geht, wie der ‚echte‘ Nationalist oder Patriot auf andere Länder blickt, gibt es eben den entscheidenden und oftmals unterschlagenen Unterschied: Ein Nationalist neigt dazu, sein verehrtes Land zu überhöhen und deswegen auf andere Länder hinabzublicken. Ein Patriot macht genau dies nicht. Er liebt sein Land wie der Nationalist, aber er käme nicht auf die Idee, deswegen ein anderes Land als schlechter oder minderwertiger zu betrachten.

Man mag den linken und grünen Gruppen Deutschlands möglicherweise in einem Punkt beipflichten müssen: Schaut man sich den Ersten und den Zweiten Weltkrieg genauer an, dann muss man konstatieren, dass beide Kriege tatsächlich auch aus nationalistischen Gründen geführt worden sind. Aus diesem Grund ist es auch nicht verwerflich, den Nationalismus rundweg abzulehnen. Aber man muss eben dennoch diese klare Trennung der beiden Begriffe vornehmen.

Man muss auch ganz klar einmal die Verhältnismäßigkeit betrachten.

In Deutschland werden von den meisten Leuten vor allem zu sportlichen Ereignissen die Fahnen herausgeholt. Zur Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft im Fußball sieht man wohl die meisten Dekorationen in den deutschen Landesfarben. Außerhalb dieser Zeiten sieht man eigentlich nur an öffentlichen Gebäuden und vielleicht an vereinzelten Häusern solche Flaggen hängen. Vergleicht man diesen Zustand einmal mit den Vereinigten Staaten, dann muss man ganz klar feststellen, dass es dort gewaltige Unterschiede gibt. Denn in den USA hängt an nahezu jedem Haus eine amerikanische Flagge, in den meisten Klassenzimmern hängt eine Landesflagge und in vielen Schulen ist es üblich, dass die Schüler jeden Morgen die Nationalhymne singen oder einen Eid auf die Flagge ablegen müssen. In Deutschland kann man von Glück reden, wenn die Nationalhymne überhaupt noch im Musikunterricht kurz angeschnitten und vielleicht sogar gesungen wird.

Man mag einwerfen können, dass es bei der deutschen Geschichte kein Wunder sei, dass wir so zurückhaltend mit dem Stolz zu unserem Land umgehen, aber auch hier muss man sich erneut die Verhältnismäßigkeit vor Augen führen.

Bleiben wir etwa bei den USA. Sicher haben die Deutschen eine große Schuld am Zweiten Weltkrieg und es gab zahlreiche Tote. Aber denkt eigentlich auch mal jemand an die Säuberungen der amerikanischen Kolonisten und an die damit einhergehenden Toten auf Seiten der Ureinwohner? Die Kolonisten haben eine ethnische Säuberung auf dem größten Teil eines Kontinents durchgeführt, die zwar deutlich länger dauerte als die Aktionen Hitlers, die aber nicht weniger verlustreich ausging. In den Vereinigten Staaten käme aber kaum ein Mensch auf die Idee, aus genau diesem Grund die Flagge abzulehnen.

Ein ähnliches Beispiel kann man auch beim ehemaligen British Empire aufstellen.

Sicher mochten die Briten im Zuge ihrer enormen Expansion vielen Völkern gewisse Technologien gebracht haben, aber es waren eben auch dieselben Briten, die den Sklavenhandel enorm förderten und es waren dieselben Briten, die für manche Völker eine wahre Epidemie darstellten, denn die damaligen Briten neigten sehr stark dazu, die fremden Kulturen als minderwertig abzutun und die besetzten Gebiete kulturell umzuerziehen. Und dennoch kommt heute kaum ein Brite auf die Idee, deswegen sein eigenes Land oder seine eigene Geschichte abzulehnen.

Sowohl die Briten als auch die Amerikaner haben nämlich eine Sache getan, die wir bis heute nicht, in weiten Teilen der Bevölkerung, geschafft haben: Sie haben verstanden und akzeptiert, dass Völker oder Nationen nicht immer zum Wohle aller anderen Menschen handeln können – die Vereinigten Staaten tun dies, aus meiner subjektiven Sicht, bis heute nicht. Aber sie akzeptieren eben ihre Geschichte und ihre Fehler.

Genau das sollten die Deutschen auch endlich tun!

Denn die deutsche Geschichte bestand nicht nur aus der Spanne zwischen 1933 bis 1945. Es ist ja nicht so, dass die deutsche Philosophie und Musik einen weltweiten Ruhm hat. Gerade für Menschen aus dem asiatischen Raum – ich sehe dies als Philosophiestudent immer wieder – hat die deutsche Philosophie eine gewaltige Anziehungskraft. Und keiner dieser genannten Menschen käme auf die Idee, Deutschland nur als das Land zu sehen, das den Zweiten Weltkrieg geführt hat und das mehrere Millionen Menschen vernichtet hat.

Und zum Abschluss möchte ich noch einen Blick in ein Land wagen, das ein ähnliches Schicksal nach dem Weltkrieg erlitten hat: Japan.

Auch das ehemalige Japanische Kaiserreich hat Massenmorde verübt und sehr fragwürdige Experimente an chinesischen Kriegsgefangenen durchgeführt und dennoch hassen sich die Japaner nicht selbst, weil sie Japaner sind, so wie es bei manchen Deutschen den Anschein hat. Nicht einmal den damaligen Kaiser Hirohito tabuisieren sie derart stark, wie wir es mit Hitler tun, obwohl es nicht abzustreiten ist, dass der Kaiser nicht vollkommen unbeteiligt war an den Geschehnissen, auch wenn es vor allem Kaisertreue und Konservative immer wieder behaupten.

Ich danke für die Aufmerksamkeit!

Nationalismus und Patriotismus

Die Supermacht, die keine Supermacht zu sein scheint.

Wenn man sich heute die unterschiedlichsten Produkte aus dem Bereich der Technik ansieht, dann kann man recht schnell feststellen, dass die meisten Geräte ‚Made in China‘ sind. Wenn man sich den rasanten Aufstieg bestimmter chinesischer Smartphone-Hersteller, allen voran Huawei, anschaut, kann man noch mehr Respekt vor der chinesischen Wirtschaft bekommen. Wenn man weiß, dass die chinesische Hochkultur zu keiner Zeit seit über viertausend Jahre untergegangen ist, dann bekommt man einen Eindruck von der historischen Dimension dieses Landes. Und wenn man all dies weiß, dann kommt man nicht umhin, im heutigen China eine weitere Supermacht neben den USA und Russland zu sehen. Aber es stellt sich auch automatisch die Frage: Wieso gebärdet sich China so anders als die beiden anderen Supermächte?

Am Beginn der 2000er gab es für Wirtschaftsexperten genau zwei aufstrebende Mächte, beide Vertreter befanden sich in Asien: Indien und China. Gute sechzehn Jahre – ein kurzer Augenblick im Vergleich zur Geschichte Chinas – hat es also nun gedauert, bis aus dem ‚kleinen‘ und weltpolitisch eigentlich unbedeutenden Land eine neue Supermacht geworden ist.

Spricht man im Westen über China, dann neigt man oft dazu, die gravierenden kulturellen und historischen Unterschiede zwischen den europäisch-nordamerikanischen Nationen und der chinesischen Kultur vollkommen zu unterschätzen.

Das fängt schon mit dem einfachen Beispiel einer Klassifizierung einzelner Zeitalter an. Im europäischen Kontext sprechen wir etwa von einer Antike und einem Mittelalter, das von der Renaissance abgelöst wurde und schließlich in die Neuzeit und Moderne mündet. Für China mag dieses Schema kaum anwendbar sein, denn China hatte kein Zeitalter, das sich mit der Antike vergleichen ließe und China hat auch niemals eine Renaissance erlebt, denn in China gab es keinen starken christlichen Glauben, von dem es sich hätte befreien müssen, ganz im Gegenteil, prägt der Konfuzianismus nach wie vor in weiten Teilen die Normen und Werte und auch das gesellschaftliche Leben der Chinesen. Einzig in dem Punkt, dass China zu den ersten Hochkulturen der Menschen gehört, ist man sich aber einig – dazu zählen etwa auch die Ägypter.

Betrachtet man China, ist vielleicht zu empfehlen all die Dinge und Maßstäbe zu vergessen, die wir Europäer besitzen. Erst wenn man das tut, bemerkt man vor allem, wie stark diese Brille ist, durch die wir die Welt ständig betrachten.

Ein kleines, aber hoffentlich eindrucksvolles Beispiel: In China ist der Begriff des Mitleids kein übliches Konzept. Für uns Europäer ist Mitleid etwas ganz Normales – mit den Armen und Schwachen kann man Mitleid haben. In China ist dieses Konzept aufgrund der kulturellen Entwicklung nicht wirklich geläufig.

Auch die sprachlichen Unterschiede sind nicht zu verachten, vor allem wenn man davon ausgeht, dass Sprache die Grundlage für das Denken einer Kultur bildet. Auch hierzu ein kleines Beispiel: Im Chinesischen gibt es sehr wohl, entgegen vieler Behauptungen, eine richtige Grammatik. Die ist aber in vielerlei Hinsicht nicht mehr mit der deutschen Grammatik oder einer anderen europäischen Sprache zu vergleichen. Einerseits schreiben die Chinesen bekanntlich ihre Zeichen einfach hintereinander, während wir zwischen den einzelnen Worten immer einen Freiraum lassen. Das macht es für einen ungeübten Leser sehr schwierig, die einzelnen Worte zu erkennen, denn nicht jeder Begriff wird durch ein einzelnes Zeichen bestimmt. Der Mann besteht im Chinesischen etwa aus zwei Zeichen: Nan, was im Grunde für das Männliche steht, und Ren, was für sich genommen einfach so etwas wie Menschlich bedeutet. In vielen Übersetzungen wird Nan aber als Herr übersetzt, was eigentlich falsch ist, weil Nan nur für etwas Männliches steht. Ein Nan Hai beispielsweise ist dann der Junge und nicht mehr der Mann. Das Sandwich besteht im Chinesischen sogar aus drei Zeichen: San Ming Zhi. Betrachtet man die Zeichen einzeln, kann man denken, es hieße ‚drei Name nur‘, denn dies wären die wörtlichen Übersetzungen der drei Zeichen.

Ebenfalls interessant in der chinesischen Sprache ist der Umstand, dass sie keine echte Unterscheidung zwischen Einzahl und Mehrzahl kennt. Wenn man im Chinesischen von einem Nan Ren spricht, dann kann das ein Mann oder mehrere Männer sein. Erst der Kontext, in dem das Wort verwendet wird, sagt mir dann, ob wirklich ein einzelner Mann oder eine Gruppe Männer gemeint ist.

Das mögen banale Unterschiede sein, aber Chinesen sind beispielsweise deswegen von europäischer Philosophie fasziniert, weil wir beispielsweise in der Philosophie nach der einen Wahrheit suchen. Ein Chinese versteht diese Suche nicht wirklich, weil es für ihn nicht eine Wahrheit geben kann, für ihn gibt es nur die Wahrheit.

Der größte Kritikpunkt an der Betrachtung Chinas liegt aber darin, dass man immer wieder fordert, dass die Chinesen demokratischer werden müssten im europäisch-amerikanischen Sinne. Doch das Problem, was hierbei vollkommen verkannt wird, ist doch, dass es in China niemals eine historische Entwicklung hin zu einer Demokratie gegeben hat. Über viele hunderte Jahre hinweg war China ein Kaiserreich, eine Monarchie gewissermaßen und es gab keine Bestrebungen, die Regierungsgewalt dem Volk zu übergeben. Auch die Forderung danach, dass es in China mehr persönliche Freiheiten geben müsste, erscheint absurd angesichts der Tatsache, dass sich diese Forderung niemals historisch entwickeln konnte.

Ein Land für so etwas zu kritisieren, wäre fast so, als würde ich es einem sechsjährigen Kind zum Vorwurf machen, das es noch keinen Text von Goethe gelesen hat. Weder China noch das Kind haben diesen Punkt ihrer Entwicklung erreicht und was bei Ländern noch sehr viel ausgeprägter ist, ist doch, ob China überhaupt jemals diesen Punkt erreichen wird. Womöglich wird es irgendwann wieder einen Kaiser geben, weil die Chinesen das demokratische Modell für ineffizient halten.

Das weniger offensive Auftreten der Chinesen hat übrigens auch historische Tradition. Man muss wissen, dass China sich selten in seiner gesamten Geschichte wirklich aggressiv oder offensiv gebärdet hat. China hat die faszinierende Eigenschaft, dass es dazu in der Lage ist, die unterschiedlichsten Kulturen zu assimilieren. Deswegen dürfen wir uns nicht darüber täuschen lassen, dass die Chinesen Hochhäuser aus Glas bauen und amerikanische Produkte konsumieren. Die Chinesen haben es schon immer verstanden, die nützlichen Aspekte anderer Kulturen zu adaptieren, aber ihre eigene Tradition haben sie sich über viele Jahrhunderte hinweg erhalten.

Ein weiterer und ebenso wichtiger Aspekt scheint die gesellschaftliche Ausrichtung Chinas zu sein, denn obwohl dieses Land ungefähr 1,39 Milliarden Menschen zählt, liegt der gesellschaftliche Kern nach wie vor in der Familie. Auf uns mag es oft durch die Medienberichterstattung so wirken, als würden die Chinesen eher auf den Staat fixiert sein, aber das mag täuschen. Es ist also kein Zufall, dass Chinesen und viele andere asiatischen Auswanderer immer bei anderen asiatischen Auswanderern einkaufen. Manch ein Mensch mag dahinter vielleicht eine gewisse Fremdenfeindlichkeit sehen wollen, aber eigentlich ist das grundlegend falsch. Sicher sind die Chinesen gegenüber Fremden weitaus weniger aufgeschlossen, aber sie lehnen das Fremde keinesfalls ab.

Bei all diesen Daten mag man sich aber vielleicht auch fragen, wieso die chinesische Kultur dann zeitweise so unbedeutend war? Einfach ausgedrückt: Die Chinesen hatten mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, die sich aber mittlerweile in weiten Teilen wieder gelöst haben. Die Zeiten, in denen man China zu den Staaten der Dritten Welt gezählt hat, sind mittlerweile Vergangenheit. Aber China wird auch in Zukunft mit Problemen zu tun haben, die uns sehr vertraut vorkommen dürften: Überalterung der Gesellschaft – eine Nachwirkung der langjährigen Ein-Kind-Politik -, Umweltverschmutzung und -schutz, Armut und Arbeitslosigkeit, ethnische Konflikte – beispielsweise der fragwürdige Umgang Chinas mit Tibet – und nicht zuletzt die Forderung, dass das bislang hohe Wirtschaftswachstum auch weiterhin gehalten wird.

Zumindest hat China mit einigen Firmen beweisen können, dass es eben nicht nur ein Hersteller von billig verarbeiteten Produkten ist. Viele Jahre galten Waren, die in China hergestellt worden sind, als Schrott oder Plunder. Mittlerweile werden in diesem Land sogar Apple-Produkte gefertigt und die gelten als sehr hochwertig verarbeitet.

Mit zu diesem Ruf hat Huawei beigetragen, und nein, ich bekomme kein Geld für diese Werbung, aber nicht zuletzt war es gerade dieser Smartphone-Hersteller, der dazu geführt hat, dass ich mich mit China und seiner Wirtschaftskraft beschäftige, und es ist ja nicht nur Huawei. Es gibt eine ganze Zahl anderer Hersteller in diesem Bereich, die vielen Menschen vielleicht nichts sagen mögen, aber als echte Geheimtipps gelten können: Xiaomi, Oppo oder Meizu.

Die Angst der westlichen Wirtschaft vor diesen Produkten ist nicht ganz unbegründet, denn die Chinesen zeigen, dass man hochwertige und eigentlich teure Ware zu vergleichsweise erschwinglichen Preisen herstellen kann. Ohne Frage aber muss man ganz klar sagen, geht dieser Preiskampf immer häufiger auf Kosten der Bevölkerung, denn die Arbeiter bekommen einerseits extrem wenig Lohn und andererseits sind die Sicherheitsstandards in manchen Herstellungsbetrieben vielleicht vergleichbar mit jenen Standards, als damals die Industrialisierung in England seinen Höhepunkt erreicht hatte.

Und auch wenn die Regierung viel dafür tut, dass die Chinesen nicht sehen, wie die Menschen in Europa oder Nordamerika leben, so bleibt es den Chinesen dennoch nicht verborgen, dass es dort draußen eine vollkommen andere, in vielen Teilen schönere Welt gibt. Dies wiederum führt auch dazu, dass es immer mehr Chinesen gibt, die nach genau diesem Lebensstandard, diesen, aus ihren Augen gesehen, Luxus streben.

Langfristig betrachtet wird China also nicht bis in alle Ewigkeit die billige Werkbank für westliche Unternehmen bleiben können. Es sollte auch recht offensichtlich sein, dass China niemals den Lebensstandard wird erreichen können, den wir Europäer besitzen. Nicht unbedingt, weil sie arbeitstechnisch nicht dazu in der Lage wären, die viel größere Hürde scheint doch eher die Natur darzustellen, denn schon jetzt verbrauchen die Europäer und Nordamerikaner viel zu viele Ressourcen und diese beiden Kontinente kommen zusammen annähernd an die Bevölkerung heran, die China besitzt, das heißt, der Verbrauch würde sich verdoppeln und wenn Indien irgendwann soweit ist, wird der Verbrauch noch einmal rapide ansteigen.

Umso wichtiger erscheint es mir, etwas über diese fremde Supermacht zu wissen. Denn eine Sache ist doch irgendwie merkwürdig: Denn obwohl die Menschen im Westen sich gern als weltoffen geben, wissen sie doch eigentlich so wenig über die anderen Völker dieser Erde. Sicher machen es uns gerade die Asiaten durch ihre Zeichensprache nicht sehr einfach, aber man darf nicht vergessen, dass die Chinesen durchaus mit den lateinischen Buchstaben vertraut sind. Mehr noch: In chinesischen Schulen ist es ganz normal, dass man etwa im Geschichtsunterricht auch etwas über den Westen lernt. An deutschen Schulen ist das Wissen über chinesische Geschichte kaum bis gar nicht vorhanden. Man weiß vielleicht, mit viel Glück, dass es da diesen Mao Tse Tung gab und man kennt vielleicht auch den Begriff der Kulturrevolution, vielleicht ist der Begriff der Opiumkriege auch irgendwann mal gefallen, aber was genau es damit auf sich hat, weiß kaum jemand hierzulande. Dies erscheint vor allem angesichts einer globalisierten Welt, auf der die Völker zusammengerückt sind, sehr fragwürdig, oder?

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Die Supermacht, die keine Supermacht zu sein scheint.

Warum Trump für die Europäer die bessere Wahl wäre.

Wenn in den Vereinigten Staaten der Wahlkampf tobt, dann bekommt man das zwangsläufig auch hier in Europa mit, denn der amerikanische Präsident ist ja bekanntlich die mächtigste Marionette der Welt … ähm, ich meine, er ist der mächtigste Mann oder vielleicht auch bald die mächtigste Frau der Welt.

Nun gibt es ja bereits auf einschlägigen Seiten mehr als genug Analysen, welcher Kandidat welches Programm genau fährt, weswegen ich hier einmal versuchen möchte, all diese bisher bekannten Programmpunkte und all die Dinge, die bisher von den Kandidaten verlautbart wurden, in ein Bild einzuordnen, das für uns Europäer eigentlich in vielerlei Hinsicht das beste Bild wäre. Ob die Kandidaten letztlich all das tun, was sie jetzt sagen, lasse ich hier einmal unberücksichtigt – spätestens seit Obama wissen wir, wie eingeschränkt man solche Versprechungen betrachten muss – Schließung von Guantanamo Bay, Einführung der staatlichen Krankenversicherung, Abzug der amerikanischen Truppen – und auch in Deutschland wissen wir ja, dass die Dinge, die vor oder während eines Wahlkampfes gesagt werden, nach dem Wahlkampf keine Geltung mehr besitzen müssen, nicht wahr Frau Merkel?

Allgemein betrachtet muss man ganz klar sagen, dass keiner der bisher hoch gehandelten Kandidaten – Clinton, Sanders oder Trump – wirklich eine gute Wahl wäre. Hier geht es also eher darum, das geringstmögliche Übel ausfindig zu machen und aus meiner europäischen Sicht wäre das ganz eindeutig Trump.

Aber, mag sich jetzt mancher Leser fragen, wieso eigentlich?

Der offensichtlichste Punkt, der für Trump spricht, ist seine Art des Auftretens. Trump ist der klischeehafte, in vielerlei Hinsicht hässliche Amerikaner. Er ist der Prototyp eines Familienmitgliedes, das man auf keiner Feier haben will, weil es wahnsinnig laut und aufdringlich ist, und spätestens, wenn es zu tief ins Glas geschaut hat, blamiert es letztlich die komplette Verwandtschaft. Und damit ist er im Grunde das komplette Gegenteil von Obama, der von vielen Menschen als freundlich und sympathisch empfunden wird, aber er ist damit auch das vollkommene Gegenteil einer Clinton oder eines Sanders.

Wieso ich dies für wichtig erachte?

Kein anderer Staatsmann hier in Europa wird es schaffen, diesen ungehobelten, lauten und unhöflichen Klotz seinem eigenen Volk als einen guten Freund verkaufen zu können. Sicher werden die Medien jeden noch so kleinen Fauxpas vertuschen wollen, wenn Trump Präsident werden sollte, aber mittlerweile wissen wir alle, dass solche Aktionen nicht immer funktionieren und irgendwo wird es einen Menschen mit einem Smartphone geben, der genau diesen einen Moment festhält und dieser Moment wird dann, wie es heute normal ist, als Meme bei Facebook landen. Kurz gesagt: Kein vernünftiger Mensch wird Trump wirklich als Präsidenten anerkennen können. Und damit hat er ein ähnliches Problem, das bei manchen Kreisen auch Gerhard Schröder hatte, bei dem man, wie Volker Pispers immer gern sagt, nur darauf gewartet hat, dass unter seinem Hemd ein Goldkettchen hervorlugt.

Trump, so hart muss man es einfach sagen, hat kaum Sympathien, außer vielleicht bei den Menschen, die im Grunde genau sind wie er. Aber für uns aufgeklärte, freiheitliche Europäer, die wir die Minderheiten schützen und die Frauen mehr in die Gesellschaft einbringen wollen, kann Trump keine Sympathien gewinnen. Denn Trump ist schlichtweg ein frauenfeindlicher, chauvinistischer und sicher auch Mann, der nicht unbedingt die Rechte der Homosexuellen verteidigen wird – im Grunde der ideale Feind für den modernen Europäer.

Clinton beispielsweise hat einen ähnlichen Vorteil wie Merkel: Wenn man sie nicht kennt, wirkt sie wahnsinnig sympathisch und freundlich, aber hinter dieser vermeintlich schönen Fassade liegt eben doch ein gewaltiger, dunkler Fleck. Und genau das macht Clinton auch so gefährlich.

Ein anderer und für die ganze Welt entscheidender Punkt dürfte wohl Trumps Einstellung sein, dass sich Amerika wieder von der Weltbühne ein Stück distanzieren solle. Auf vielen Reden hat er es bereits ganz deutlich gesagt, dass die USA ihr Budget für das Militär zurückfahren sollten und das bedeutet eben auch, dass sich Amerika nicht mehr so stark in der NATO engagieren wird und auch viele andere Kriegsschauplätze verlassen wird. Endlich!

Jetzt mag man einwerfen, dass er dies offiziell nur aus Kostengründen tut und nicht, weil er wirklich glaubt, dass die Amerikaner möglicherweise etwas zu aggressiv in der Welt vorgehen, aber das Ergebnis bleibt letztlich dasselbe: Möglicherweise schafft er es dann, dass sich die Welt wieder etwas beruhigen kann.

Im Gegensatz dazu hat Sanders beispielsweise niemals gesagt, dass er die Militärausgaben herunterfahren wolle und Clinton – die Frau, die die USA in den Krieg mit Libyen hineingeredet hat und die einen fast fanatischen Hass gegen die Russen hegt und sicher keine Möglichkeit verstreichen lassen wird, die Russen zu provozieren – hat nicht ohne Grund den ‚liebevollen‘ Kosenamen ‚Killary‘.

Apropos Hillary Clinton: Man sollte bei dieser Dame auch nie vergessen, welche Skandale sie bereits verursacht hat. Einerseits war sie maßgeblich und nachweislich für den Kriegseinsatz gegen Libyen verantwortlich – sie setzte sich persönlich dafür ein -, andererseits hat sie zahlreiche E-Mails auf einen privaten Server umleiten lassen, sodass sie der Öffentlichkeit unzugänglich gemacht werden sollten. Glücklicherweise haben die Menschen von Wikileaks aber all diese Mails finden und archivieren können.

Als Kandidatin ist sie übrigens insofern geeignet, als dass sie natürlich von den großen Industrien in den USA gefördert wurde, allen voran natürlich den Rüstungskonzernen. Es ist also mit größter Sicherheit davon auszugehen, dass sie alles für diese Konzerne tun wird, andernfalls hätten sie sie ja nicht mit Geldern versorgt für den Wahlkampf. Natürlich betont sie aber immer wieder, dass sie sich nicht dem Kapital unterwerfen werde.

Die vielleicht interessanteste Finanzierungsstrategie hatte übrigens Sanders, der sich im Grunde mit ‚crowd funding‘, also zahlreichen Spenden privater Menschen, seinen Wahlkampf finanziert hat. Das machte den Kandidaten der Demokraten ja auch so sympathisch bei den jüngeren Menschen, denn obwohl er ein vergleichsweise alter Mann ist (womöglich der älteste Kandidat von allen?), arbeitet er mit recht modernen Mitteln.

Und wenn wir gerade bei der Finanzierung sind: Trump hat sich seinen Wahlkampf, laut Eigenaussage, komplett allein finanziert. Das macht ihn, entgegen aller Behauptungen, eigentlich zum unabhängigsten Kandidaten, denn er muss sich keinem Kapital unterwerfen und er muss nicht die Interessen irgendwelcher Firmen vertreten, weil sie ihn finanziert haben.

Wie auch immer die Wahl letztlich ausgehen wird, eines steht fest: Der Gewinner wird nicht atemberaubend viel an der amerikanischen Politik verändern. Das liegt nicht mal an den Kandidaten, es liegt viel mehr in der politischen Struktur der USA begründet, denn im Grunde haben die Vereinigten Staaten ein Zweiparteiensystem bestehend aus Republikanern und Demokraten, und man muss kein Genius sein, um zu begreifen, dass es bei einem solchen System keinen Sieger geben kann. Wenn die Republikaner mit Trump gewinnen, werden die Demokraten immer blockieren und wenn die Demokraten gewinnen, werden die Republikaner immer blocken. Dieses Vorgehen konnte man ja wunderbar bei Obamas Reform für das Gesundheitssystem sehen.

Aber wenn Trump gewinnt, wird es hier in Europa sehr schwer werden, die Amerikaner noch als die guten Freunde von Übersee zu verkaufen, denn Trump, wie bereits gesagt, ist nicht sympathisch und er widerspricht den Idealen des modernen Europa so diametral, dass es lächerlich erscheinen wird, ihn als einen Freund zu verkaufen.

Ich danke für die Aufmerksamkeit!

*Achtung: Dieser Artikel kann Spuren von Zynismus, Sarkasmus und Ironie enthalten.

Warum Trump für die Europäer die bessere Wahl wäre.