Demokratie im Jahr 2016

Ein Mann kritisiert ganz offen den Koran. Dafür wird er als Faschist, als Hetzer, als Feind bezeichnet. Er erhält Morddrohungen, kann im Grunde nur noch mit Polizeischutz reisen. Aber er lässt sich nicht einkriegen. Er hält weiterhin Vorträge, er kritisiert weiterhin. Dieser Mann tut all dies, weil er selbst ein Fanatiker war. Er hat selbst im Namen eines Gottes töten wollen, hatte sich selbst nicht unter Kontrolle, wenn jemand den Propheten schmähte. Doch er hat den Absprung geschafft.

Die Rede ist von Hamed Abdel-Samad. Ein umstrittener Mann. In den Medien war er zuerst ein Liebling, als er aber immer mehr und immer stärker den Islam kritisierte, wurde er immer unbeliebter. Solange er eine bequeme, dem Mainstream angepasste Meinung vertrat, war alles in Ordnung.

Dieser Mann und seine Geschichte sind symptomatisch für die heutige Demokratie. Es zeigt, wie pervers und wie falsch unser Verständnis einer Demokratie ist, die auf freiheitlichen Grundwerten basiert.

Es spielt keine Rolle, was man von ihm hält oder wie man seine Thesen einschätzt. Möglicherweise könnte er mit all seinen Theorien komplett falschen liegen, aber dennoch hat er ein Recht darauf, seine Meinung frei zu äußern.

Anderer Fall: Ein weiterer Mann, ehemals Politiker und Mitglied der SPD. Er war in einer leitenden Position bei der Deutschen Bahn, Vorstand der Bundesbank und sogar Finanzsenator in Berlin. Bis zu dem Tag, als er ein sehr umstrittenes Buch veröffentlichte, war er lediglich eine marginale, oft polarisierende Person. Als sein Buch erschienen war, war er eine Persona non grata. Er wurde angefeindet, bedroht und als widerlicher Rassist beschimpft.

Thilo Sarrazin. Auch in seinem Fall muss man sagen, es spielt keine Rolle, wie man ihn als Person schätzt und es spielt auch keine Rolle, ob man seine Thesen teilt. Wenn er eine Meinung hat, die er sich zu vertreten traut, dann muss man ihm dieses Recht zugestehen.

Noch ein Fall: Sie wurde in einem pakistanischen Dorf geboren, wuchs aber zeitweise auch in Österreich auf. Sie kritisierte den Islam ebenfalls, weil er ihr komplettes Leben zerstört hat. Aber sie hat den Mut zum Kampf beibehalten, ist heute als Menschenrechtsaktivistin tätig und muss unter einem Pseudonym leben.

Hier ist die Rede von Sabatina James.

Und vielleicht noch einen internationalen Fall: Sie ist Kanadierin, wurde 1984 in Toronto geboren, Medienkritikerin und Videobloggerin. Sie beschäftigt sich mit einem Thema, das viele Menschen nicht auf dem Schirm haben: das Frauenbild in der Popkultur. Mit ihrem Projekt Tropes vs. Women in Video Games löste sie einen massiven Shitstorm aus. Sie erhielt ebenfalls Morddrohungen, wüste Beschimpfungen und musste unter Polizeischutz leben.

Anita Sarkeesian.

Was haben all diese Menschen gemeinsam? Sie schwimmen nicht im Strom mit, sie vertreten andere Meinungen, die innerhalb ihrer Gesellschaft oder gar auf der ganzen Welt vorhanden sind, wie der Fall Sarkeesian aufzeigt. Und all diese Menschen erhalten gerade wegen ihrer Andersartigkeit Anfeindungen, Beschimpfungen, Morddrohungen.

Wo ist hier bitte der Aufschrei? Wo ist hier die Lobby, die sich für solche Menschen stark macht? Wo ist das Verständnis für Demokratie und Freiheit geblieben, wenn man nicht mal seine eigene Meinung sagen kann?

Gerade in Deutschland heißt es immer wieder, dass man Minderheit schützen müsse. Wo ist der Schutz für diese Minderheit? Wo ist der Respekt vor diesen Menschen?

Gerade in Deutschland erleben wir einen beispiellosen Abbau der Demokratie. Menschen, die andere Meinungen vertreten, werden im Internet an einen virtuellen Pranger gestellt. Private Firmen mit lascher staatlicher Aufsicht durchforsten das Internet nach sogenannter hatespeech. Die Überwachung im öffentlichen Raum soll wegen Terrorgefahr weiter ausgebaut werden. Es wird offen dazu aufgerufen, andere Menschen zu denunzieren.

Einem Teil der Deutschen dürften solche Zustandsbeschreibungen noch durchaus vertraut vorkommen, oder? Eine Zeit, als man immer damit rechnen musste, dass der Nachbar ein sogenannter inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit war. Eine Zeit, in der Kritik am Staat als eine Art Hochverrat betrachtet wurde. Eine Zeit, in der Kritiker mundtot gemacht worden, in dem man ihre Existenzen zerstörte und wenn dies nichts half, sperrte man sie schlichtweg ein.

Wie konnte es soweit kommen?

Die Antwort auf diese Frage mag vielleicht komplex erscheinen, doch dabei ist sie so simpel: Wir haben aufgehört miteinander zu sprechen.

Statt seinem Gegenüber einmal zuzuhören und gegen seine Argumente mit eigenen Argumenten vorzugehen, brüllt man ihn heute nieder oder man blendet ihn schlichtweg aus. Statt ihn für seine eigene Meinung zu respektieren oder wenigstens zu tolerieren, bekämpft man ihn mit allen Mitteln – physisch als auch psychisch.

Das ist der erste Schritt in den Faschismus.

Es beginnt nicht mit der Unterdrückung von Minderheiten, es beginnt nicht mit dem Einsperren Andersdenkender und es beginnt nicht mit einem Krieg oder einem anderen Kampf, es beginnt auch nicht mit Propaganda. All diese Entwicklungen sind lediglich die Folge eines Mangels an Kommunikation untereinander.

Die Minderheiten werden unterdrückt, weil man ihre Position nicht hören will, genauso werden die Andersdenkenden eingesperrt, weil man ihre Meinung nicht hören will, der Krieg beginnt, weil man mit dem vermeintlichen Feind nicht reden will und die Propaganda funktioniert, weil die Menschen nicht mehr untereinander sprechen sollen. Denn wenn man miteinander kommuniziert, dann merkt man erst, dass der Gegenüber auch ein Mensch ist, dass er Gefühle, Träume und Visionen hat, die vielleicht gar nicht soweit von den eigenen entfernt sind. Dann kann Respekt und Toleranz erwachsen.

Wenn man also die Demokratie im Jahr 2016 beschreiben müsste, dann wäre es eine Demokratur oder die Demokratie auf dem direkten Weg in den Faschismus oder einem anderen autokratischen System.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

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Demokratie im Jahr 2016

*KK: Droht der völlige Kollaps? 

Grund für diese Frage gab dieser Artikel: http://www.tagesschau.de/inland/zivilschutz-101.html. Kurz gesagt: Die Regierung rät den Bürgern dazu, Vorräte anzulegen. Jetzt frage ich mich: Panikmache oder wissen die mehr, als sie vielleicht zugeben wollen? 

Natürlich ist es bei den aktuellen Zuständen nicht verwunderlich, denn alle Behörden, allen voran die Polizei, arbeiten bereits am Limit, sodass man bereits überlegt, ob die Bundeswehr im Inland eingesetzt werden muss. 

Zu bedenken, gibt auch die sehr vage Begründung, die für diese Empfehlung abgegeben wird und die im Grunde besagt, es könnte ja sein, dass Deutschland angegriffen wird, aber wir gehen prinzipiell nicht davon aus. Nur, wenn man nicht davon ausgeht, wieso gibt man dann so eine Empfehlung heraus? Steckt dahinter eine Versicherungslogik? Man wird ganz bestimmt nicht sterben, aber es kann ja nicht schaden, eine Lebensversicherung abzuschließen. 

Was auch immer dahinter stecken mag, eine Sache zeigt sich hier sehr deutlich. Der Staat und seine Organe scheinen langsam an ihre Grenzen zu kommen. Offensichtlich kann eine Parole, auch wenn sie einem Mantra gleich wiederholt wird, nicht gegen die Realität bestehen. 

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! 

*Kurzer Kommentar

*KK: Droht der völlige Kollaps? 

*KK: „Inside“ mit Stefan Gödde – China

Ich weiß nicht, ob es eine psychologische Form von Selbstbestrafung ist, aber aus irgendeinem Grund, den ich noch nicht genauer benennen kann, musste ich mir auch die zweite Ausgabe von „Inside“ anschauen. Und natürlich wurde ich in negativer Hinsicht nicht enttäuscht.

Ähnlich wie auch schon bei der ersten Folge in Russland gab es hier natürlich eine gehörige Portion Kritik für das Reich der Mitte – mich wundert es, dass sie Präsident Xi Xinping nur einmal kurz erwähnt haben, aber gezeigt wurde er natürlich zusammen mit Putin auf dem roten Teppich, damit sofort klar ist, auf wessen Seite China steht. Außerdem hat es mich wirklich gewundert, dass man endlich versucht hat, dieses klischeehafte Bild Chinas, das viele Menschen im Westen haben, aufzubrechen. Statt also immer nur die maroden Fabriken zu zeigen, die es dort natürlich genügend gibt, hat man auch einmal die „moderne Seite“ gezeigt.

Wirklich interessant, und dieser Gedanke drängte sich mir ab dem Moment auf, als sie immer wieder den „Turbo-Kapitalismus“ in China kritisierten, war, dass sie doch damit indirekt auch den Westen kritisiert haben. So wurde etwa der Wunsch nach ständigem Wachstum sehr kritisch betrachtet, und ich habe mich sofort gefragt, wieso stellt man diesen Wunsch denn nur in China in Frage? Man hat auch sehr deutlich gezeigt, welche Folgen diese Form des Kapitalismus hat, und, zugegeben, ganz so extrem ist es zumindest in Deutschland nicht, aber wenn dort etwa Kinder gezeigt werden, die kaum noch Kontakt zu ihren Eltern haben, dann muss ich mich fragen, inwiefern sich dies von den Zuständen vieler Kinder auch im Westen noch unterscheiden soll? Westliche Kinder werden zwar nicht in abgelegene Dörfer gebracht, wo sie allein oder unter Senioren aufwachsen, aber sie sehen dennoch nur noch sehr selten ihre Eltern.

Als die Sprache auf die 300 Millionen Wanderarbeiter Chinas kam – und natürlich wurde diese Entwicklung sofort moralisch bewertet -, kam mir nur ein Gedanke: der feuchte Traum eines jeden Neoliberalen. Mehr Flexibilität im Arbeitsmarkt wäre doch gar nicht mehr möglich! Dann fehlt nur noch die Abschaffung aller Sozialsysteme, die Verschlankung des Staates und wir haben wieder Hochkonjunktur – zumindest wenn man Wirtschaftswissenschaftlern trauen mag. Aber man sollte nicht vergessen, dass die gleichen Menschen natürlich niemals mit der Finanzkrise gerechnet haben. Ein Blick auf YouTube und sie hätten es gewusst …

Man hat auch einige Gewinner dieser Wirtschaft gezeigt und diese haben oft, ganz unumwunden zugegeben, dass ihr Erfolg auf Kontakten und Beziehungen beruhte. Natürlich sollte hier sofort suggeriert werden, dass diese Menschen eigentlich nicht erfolgreich sein sollten, denn Erfolg muss man sich erarbeiten. Aber ich würde behaupten, dass es bei vielen Menschen, die wirtschaftlichen Erfolg haben, doch genauso ist. Entweder braucht man gute Kontakte und Beziehungen, die einem helfen oder man braucht schlichtweg Glück.

Insgesamt muss ich auch diesmal sagen, irgendwie war auch diese Folge kritisch, weniger propagandistisch, aber irgendwie fehlte mir hier die Reflexion auf eigene Zustände. Schon so ein Satz wie: „Vielleicht sollte der Westen das Dogma des ewigen Wachstums ebenfalls überdenken.“ Immerhin hatte man in der Dokumentation ganz gut gesehen, wie pervers eine Wirtschaft sein kann, die immer mehr und vor allem immer schneller wachsen soll.

Ich denke einfach, wenn man Kritik an einem Staat oder einem System übt, dann muss sich auch immer selbst fragen, inwiefern man anders handelt. Wenn man den Chinesen also vorwirft, sie betreiben einen „Turbo-Kapitalismus“, dann muss man sich auch mal selbst fragen, ob man in diesem Punkt so viel besser ist? Oder ob es nicht vielleicht sein könnte, dass die Chinesen von den anderen Staaten, mit denen sie mitzuhalten versuchen, dazu gezwungen werden, genau diese Wirtschaft zu betreiben?

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

*KK: „Inside“ mit Stefan Gödde – China

Die weichgespülte Gesellschaft

Ich hatte vor einiger Zeit bereits einen Artikel über die Gesellschaft geschrieben, aber nachdem ich den Text noch einmal durchlas, fielen mir noch ein paar andere Aspekte ein, die man durchaus erwähnen sollte. Denn es ist nicht nur so, dass sich unsere Gesellschaft irgendwann selbst zerstören wird, wenn sich ihr weiterer Verlauf nicht dramatisch verändert, unsere Gesellschaft verweichlicht auch immer mehr.

Jetzt mögen wieder einige Menschen hervorkommen, die sofort denken, ich besinne mich jetzt auf ein althergebrachtes Bild eines starken, dominanten Mannes, was ich aber mitnichten tun möchte. Ich habe kein Problem damit, wenn ein Mann nicht dem klischeehaften Bild eines Mannes entspricht. In diesem Punkt bin ich viel zu liberal, als dass ich einer anderen Person vorschreiben könne, wie sie sich zu verhalten habe.

In der ursprünglichen Fassung des vorangegangenen Textes hatte ich eigentlich noch eine große Passage über die heutige Jugend. Darin stand, dass junge Menschen viel zu angepasst und viel zu hörig geworden sind und dass Jugendliche vor einigen Jahren noch der Motor einer jeden großen Veränderung waren. Als ich aber länger darüber nachdachte, ob dies wirklich nur auf diese jungen Menschen zutrifft, musste ich feststellen, dass man diesen Vorwurf eigentlich auf viel mehr Menschen ausweiten könnte.

Man kann heute keinen bissigen Witz oder Kommentar mehr bringen, ohne dass es irgendeinen Menschen, irgendeine Gruppe, irgendeine vermeintliche Minderheit geben könnte, die sich nicht sofort angegriffen fühlte. Wenn es noch keine Satire gäbe und sie müsste unter diesen Bedingungen erst entstehen, ich denke, sie würde niemals entstehen können, weil man heute viel zu vorsichtig geworden ist.

Es wird zwar immer behauptet, dass man überall und an jeder Ecke alles differenzieren würde, aber wieso muss man dann den Menschen vorschreiben, dass sie beispielsweise nicht mehr „Zigeuner“ sagen dürfen? Was soll es denn an der sozialen Ächtung dieser Menschen ändern, wenn man sie jetzt als „Sinti und Roma“ bezeichnet? Ist es nicht eigentlich viel wichtiger, wie ich dieses Wort gebrauche und welche speziellen Gedanken ich damit verbinde?

Zeitweise, ich weiß nicht, ob das heute immer noch so ist, haben Jugendliche das Wort „Opfer“ als Schimpfwort gebraucht, aber es kam doch auch niemand auf die Idee, dieses Wort zu verbieten oder irgendwie zu vermeiden. Manche benutzen heute noch das Adjektiv „schwul“ als Beschimpfung, und, darf ich deswegen jetzt nicht mehr sagen, dass jemand schwul ist?

Genau diese Sachen sind es, die mich zu der Überzeugung bringen, dass unsere Gesellschaft immer mehr weichgespült wird. Jeder Mensch fühlt sich bei dem kleinsten bissigeren Kommentar sofort verletzt, und an vorderster Front der Verletzten stehen immer die sogenannten Minderheiten.

Jetzt könnte man ja sagen, dass das ja nichts Schlimmes sei. So nehmen die Menschen wenigstens Rücksicht aufeinander. Aber das große Problem ist, dass durch diesen ganzen Umstand, dass sich jeder sofort diskriminiert oder gemobbt fühlt, keine Diskussion mehr geführt werden kann.

Statt sich mit den Argumenten seines Gegenübers auseinanderzusetzen, wartet man einfach, bis etwas Verletzendes oder Unpassendes gesagt wird, und dann wirft man seinem Gesprächspartner vor, er wäre diskriminierend, denunzierend oder mobbend. Einzige Voraussetzung dieser Taktik ist: Man muss einer gültigen Minderheit angehören, womit schon mal alle weißen, schlanken, heterosexuellen und nicht-religiösen Männer komplett rausfallen. Ist der Mann jedoch ein Jude, hat er gute Chancen. Ist er ein Jude und dazu noch homosexuell, dann ist es ein Jackpot für ihn.

Wie absurd diese Diffamierungen übrigens werden können, habe ich bereits selbst erlebt, als mich jemand als „homophob“ bezeichnete. Erstens macht dieses Wort keinen Sinn, denn eine Phobie würde bedeuten, ich hätte Angst vor Homosexualität, was die meisten Leute ja aber eigentlich meinen, ist, dass man es ablehnt, dann müsste man aber eher antihomosexuell sagen und zweitens habe ich denjenigen gefragt, wie es möglich sein soll, Homosexualität abzulehnen, aber gleichzeitig homosexuell zu sein.

Was die meisten Leute, die für diese Form der politischen Korrektheit sind, nicht verstehen wollen, ist, dass eine lebendige, zumal demokratische Gesellschaft die Diskussion braucht. Andernfalls wird sie stagnieren. Und bei dieser Diskussion dürfen einfach keine Themen ausgespart werden und es darf keine Rede- oder Denkverbote geben.

Der Humanismus hat uns eine Sache gelehrt: Man darf alles kritisieren, in einem sachlichen Rahmen, was solche Menschen aber machen, die sich ständig angegriffen oder diskriminiert fühlen, ist keine sachliche Diskussion mehr. Es ist kindisch, ganz einfach. Es ist, als würden sich zwei Kinder gegenüberstehen und immer im Wechsel sagen, dass sie als dumm vom Gegenüber bezeichnet worden sind.

Was uns fehlt, ist eine richtige Diskussionskultur. Was wir zu viel haben, ist die Angst vor einer Konfrontation. Das sieht man immer ganz gut, wenn es um politische Parteien geht, die dann innerlich gespalten sind. Der Sinn einer demokratischen Partei ist es doch gerade, dass innerhalb der Partei diskutiert und gestritten wird. Es ist darüberhinaus etwas vollkommen Normales, dass sich Menschen vor allem dort streiten, wo sie in großer Zahl einen gemeinsamen Plan verfolgen sollen. Gerade dieser Streit sorgt dafür, dass sich Positionen verändern können.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Die weichgespülte Gesellschaft

*KK: „Inside“ mit Stefan Gödde

Eigentlich muss man zu dieser „Dokumentation“ nicht viel sagen. Ich meine, wenn die ganze Folge schon damit beginnt, dass man einen Einblick in „Putins Reich“ bekommen möchte, ist ja eigentlich schon klar, wo die Reise hingehen wird, oder?

Und wie sollte es auch anders sein, zeigen sie natürlich einen russischen Patrioten, der nach Waffen verrückt und dazu auch noch ein Oligarch ist. Und natürlich interviewen sie Menschen in der Ukraine und wundern sich darüber, dass sie für Putin sind. Und natürlich wird immer wieder betont, dass es unter Putin ja nur noch darum ginge, eine Neu-Sowjetunion zu erschaffen. Und natürlich hat Putin Fantasien von einer neuen Großmacht. Und natürlich ist sowieso alles Propaganda und alles, was man in „Putins Reich“ sieht, muss hinterfragt werden.

Ganz ehrlich, noch plumpere Propaganda geht doch nicht mehr, oder?

Sie hätten genauso gut nach Amerika reisen können, denn dort gibt es auch Patrioten, die auf Waffen abfahren. Und in Amerika gibt es auch Oligarchen, aber die werden da einfach Reiche, Oberschicht oder Millionäre genannt. Und was ist, wenn ein Präsident sagt, er möchte Amerika wieder groß machen? Ist das etwa nicht das Streben oder die Fantasie nach einer neuen Großmacht? Und ist ein Hollywood-Film, in dem ein heldenhafter, natürlich amerikanischer Soldat gegen eine Horde von übermächtigen Aliens oder gegen böse Ausländer oder Terroristen kämpft und siegt, letztlich nicht auch Propaganda für Amerika und für seine Armee?

Was ich damit sagen will: Kein Land dieser Erde, nicht einmal das Heilige Reich von Amerika, ist perfekt. Sie haben alle ihre Leichen im Keller, aber das wollen wir natürlich nicht wissen. Wir wollen nichts von der massenhafte Spionage amerikanischer Geheimdienste wissen und wir wollen nichts von geheimen Gefängnissen wissen, in denen Menschen gefoltert werden, übrigens von den gleichen Geheimdiensten, die die Welt ausspionieren. Und wir wollen nichts von ungerechtfertigten Angriffskriegen seitens der Amerikaner wissen.

Und vor allem wollen wir nicht sehen, dass Amerika allmählich im Endstadium ist: Die eine Hälfte der Nation sitzt im Knast, die andere Hälfte kämpft ums nackte Überleben mit Essensmarken und ein winzig kleiner Teil sieht sich dieses Spektakel aus sicherer Entfernung an, wie die römischen Kaiser seinerzeit im Kolosseum.

Wir wollen all dies nicht sehen, wir wollen die eigenen Probleme nicht bekämpfen, stattdessen stürzen wir auf uns jedes andere Problem in der Welt.

Ich bin schon gespannt, wie in der nächsten Woche die VR China dargestellt wird. Sicher ist da auch alles Propaganda und Lüge und es ist sicher auch „Xinpings Reich“, in dem sie dann unterwegs sind. Vielleicht müssen sie ja dorthin, weil das Team um Herrn Gödde keine Drehgenehmigung für „Obamas Reich“ bekommen hat…

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

*Kurzer Kommentar

*KK: „Inside“ mit Stefan Gödde

Die sich selbst zerstörende Gesellschaft

Es gibt wohl zahlreiche Entwicklungen, die uns irgendwie zu denken geben sollten, aber ich denke, dass eine der wichtigsten und eindrücklichsten Veränderungen darin besteht, dass sich unsere moderne Gesellschaft scheinbar selbst zu zerstören gedenkt. Jetzt mag man fragen, wie ich auf diese krasse These komme?

Nun, es ist sicher kein Zufall oder Einzelfall, wenn man hört, dass die Zahl der an Depressionen leidenden Menschen rapide zugenommen hat. Auch die Zahl der Menschen, die am sogenannten Burnout leiden – was im Grunde auch nur eine Form der Depression darstellt -, hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen.

Wenn man sich nun die Frage stellt, wieso diese Zahlen zugenommen haben, kann man auf zwei unterschiedliche Erklärungen kommen: Entweder wurden die diagnostischen Kriterien so angepasst, dass die Krankheit Depression noch weiter gefasst wurde und deswegen fallen wesentlich mehr Leute in dieses Diagnoseschema. Diese Theorie würde aber nicht erklären, wieso scheinbar auch wesentlich mehr Menschen einen Mediziner aufsuchen, um genau diese Diagnose zu erhalten. Oder die andere und deutlich schlimmere Theorie, wieso diese Zahlen steigen, ist, dass es gesellschaftliche Veränderungen gibt, die Menschen in diese Krankheiten treiben.

Man darf dabei nicht vergessen, dass ein Mensch nicht aus heiterem Himmel zu einer psychischen Erkrankung kommt. Sicher kann es möglich sein, dass eine Depression auch eine Frage der Veranlagung ist, aber die Auslöser, die dafür sorgen, dass die Krankheit in ganzem Umfang ausbricht, sind immer in der Umwelt, also in der Gesellschaft, begründet. Und wenn man das einmal verstanden hat, dann muss man sich zwangsläufig fragen, was sich an dieser Gesellschaft verändert hat, dass Menschen Auslöser haben, die dafür sorgen, dass sie eine depressive Episode erleben.

Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass der Gesellschaft oder weiten Teilen derselben längst bekannt ist, was zu diesen Erkrankungen führt. Was mich allerdings nachdenklich stimmt, ist, dass, wenn das Wissen darum vorhanden ist, niemand etwas unternimmt? Man könnte auch anders fragen: Wieso lassen es Menschen zu, dass andere Menschen in einem System leben, dass sie scheinbar krank macht?

Die originäre Aufgabe eines Staates besteht darin, den Staatsangehörigen Schutz zu bieten. Nur deswegen haben sich Menschen in Staaten organisiert. Die Aufgabe einer Gesellschaft sollte es eigentlich sein, den darin lebenden Menschen auch Schutz und zugleich ein Gefühl der Gemeinschaft zu geben. Gesellschaften gründen sich deswegen oft auf gleichen Ethnien, gleichen Geschichten oder kulturellen Aspekten. Die meisten Gesellschaften teilen eine gemeinsame oder zumindest ähnliche Sprache, sie teilen einen ähnlichen geschichtlichen Hintergrund oder wenigstens eine geografische Nachbarschaft. Das hat nichts mit Nationalismus zu tun, es ist viel eher eine logische Folge, denn Tiere der gleichen Spezies verstehen sich innerhalb ihrer Spezies ja auch meist besser, als wenn Tiere einer anderen Gattung dazu kommen.

Per se scheint eine Gesellschaft etwas Positives für einen Menschen zu sein.

Allerdings haben wir uns eine Form von einer Gesellschaft erschaffen, die all diese positiven Aspekte verloren hat. Statt uns gegenseitigen Halt zu bieten, statt Zuneigung auszutauschen, neigen wir mittlerweile eher dazu, uns gegenseitig zu vergleichen, in einer ständigen, oftmals unterschwelligen Konkurrenz gegeneinander, nicht einmal zueinander, zu stehen. Wir haben die Gesellschaft für Menschen von jeder Menschlichkeit, jeder menschlichen Wärme befreit.

Und nun wundern wir uns noch, dass Menschen in einer solchen menschenfeindlichen Gesellschaft krank werden?

Wir haben uns von einer abgehobenen, akademischen Kaste einreden lassen, dass alle Menschen egoistisch seien, dass alle Menschen dem Idealbild des Homo oeconomicus entsprächen. Wir haben uns von Politikern einreden lassen, dass nur ein leistungsfähiger Mensch, ein sogenannter Leistungsträger, ein wertvolles Mitglied innerhalb der Gesellschaft sein kann.

Wie unlogisch oder besser wie dumm eine solche Aussage ist, sieht man erst dann, wenn man sich ansieht, wie vergangene Gesellschaften mit den Alten und Kranken umgegangen sind. Obwohl wir ja alle leistungsfähig sein sollten, damit eine Gesellschaft funktionieren kann, kann man doch sehr gut nachvollziehen, dass eine Gesellschaft auch dann sehr gut funktioniert, wenn sie die Alten unterstützt. Nehmen wir nur einmal der Einfachheit wegen einen klassischen Bauernhof mit einer Familie, die sich über mehrere Generationen erstreckt. Dann leben auf diesem Hof die älteste Generation im sogenannten Altenteil. Sie genießen dort die Früchte ihrer Arbeit und verbringen ihren Lebensabend, während deren Kinder dafür sorgen, dass der Hof weiterhin läuft und deren Kinder wiederum verbringen eine unbeschwerte Kindheit, um dann, wenn die mittlere Generation alt geworden ist, an deren Stelle zu treten.

Eine Gesellschaft sollte nach genau diesem Prinzip funktionieren und auch der klassische Sozialstaat, wie er einst gedacht wurde, hatte genau dieses simple Vorbild.

Doch schauen wir uns die heutige Gesellschaft an.

Alte Menschen werden entweder schlichtweg abgeschoben oder wenigstens halbwegs würdig in Altenheimen untergebracht. Die Kinder werden, weil die Eltern ständig arbeiten müssen, in irgendwelchen Betreuungseinrichtungen untergebracht, die meistens vollkommen überfüllt sind, wodurch ihnen die Aufmerksamkeit und die Unbeschwertheit verloren geht, die sie vielleicht auf dem oben genannten Bauernhof hätten erleben können. Was das für Spätfolgen bei den Kindern anrichten kann, sehen wir doch mittlerweile mehr als deutlich: übersteigerter Narzissmus in der „Generation Selfie“ oder, manchmal damit verbunden, die absolute Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen, wodurch eine Flucht in die anonymeren, sogenannten sozialen Netzwerke stattfindet. Dank dem ständigen Damoklesschwert der Arbeitslosigkeit, das mittlerweile über jedermanns Kopf zu schweben scheint, lastet in der Schule ein enormer Druck auf den Schülern, denn sie wollen und dürfen nicht versagen, sofern sie noch Bestandteil dieser Gesellschaft sein wollen. Diejenigen, die dem Druck standhalten, werden aber nicht zu Diamanten gepresst, sie werden viel mehr zu schwierigen, extrem ehrgeizigen und oftmals absolut unmenschlichen Karrieristen und die andere Hälfte, das andere Extrem, steigt komplett aus, flüchtet sich in die Parallelwelten der Drogen, egal ob diese nun aus Alkohol, harten Drogen oder Videospielen bestehen.

Kurzum: Wir haben uns eine Gesellschaft erschaffen, die vollkommen pervertiert worden ist und die letztlich, wird sie nicht radikal verändert, irgendwann zu ihrer Selbstzerstörung führen muss. Die einzige Frage, die sich dann noch stellt, ist, wie wird diese Zerstörung aussehen? Wird es eine vergleichsweise friedliche Implosion sein oder wird es eine deutlich gewalttätigere Explosion sein?

Die sich selbst zerstörende Gesellschaft

Anime? Ist doch Kinderkram!

Wenn man sich mit der japanischen Kultur beschäftigen möchte, dann stößt man zwangsläufig auch auf das Phänomen des Anime, der im Grunde nur ein bewegter Manga ist und der Manga wiederum ist letztlich auch nur eine asiatische Form eines Comics. Nun muss man aber anerkennen, dass der Manga eine recht lange Tradition hat und man muss auch zugeben, dass es Anime und Manga schon zu einer deutlich weiteren Verbreitung gebracht haben als der klassische, amerikanische Comic, auch wenn sich dieses Kräftegewicht in den letzten Jahren durch zahlreiche Comic-Verfilmungen zu ändern begonnen hat.

Nun mögen viele Menschen, vielleicht sogar in beiden Fällen denken, dass es sich doch dabei nur um Kinderkram handeln kann. Immerhin reden wir ja im Falle eines Anime letztlich auch nur über einen Zeichentrickfilm.

Um eine Sache gleich vorweg zu nehmen: Nein, Anime und Manga eignen sich durchaus auch für Erwachsene, zumindest dann, wenn man die ‚richtigen‘ Titel kennt.

Ein kleines Beispiel: Die meisten Menschen mögen vielleicht die Filme von Studio Ghibli kennen. Hierzulande dürfte beispielsweise „Prinzessin Mononoke“ sehr bekannt sein, vielleicht auch „Chihiros Reise ins Zauberland“ oder „Das wandelnde Schloss“. Ein deutlich älterer Film, der aber vom gleichen Macher stammt, ist „Die letzten Glühwürmchen“. Der Film erzählt die Geschichte zweier Geschwister in der Endphase des Zweiten Weltkrieges in der ausgebombten Stadt Kobe. Man merkt schon allein an dieser kurzen Inhaltszusammenfassung, dass das vielleicht nicht unbedingt ein Film für kleine Kinder ist, oder?

Ein ebenfalls recht bekannter Anime dürfte „Neon Genesis Evangelion“ sein. Hierbei handelt es sich um die Geschichte eines Jugendlichen, der sich ständig selbst unter Druck setzt, auch weil er einen äußerst strengen und autoritären Vater besitzt und all dies findet vor dem Hintergrund einer globalen Katastrophe statt. Hinzu kommt, dass der Junge dazu genötigt wird, einen namensgebenden Evangelion zu steuern – das sind im Grunde haushohe Roboter – und diese Aufgabe und die damit verbundenen Probleme, beispielsweise Tote im Kampf, überfordern diesen Jungen zusehends. Man könnte auch sagen, dass es die Beleuchtung einer pubertären, krisenhaften Persönlichkeit ist.

Das ist auch keine Thematik, die man einem Kind zumuten würde, oder?

Die Bandbreite an Themen, die Anime und Manga teilweise zu behandeln wissen, ist atemberaubend und stellt keinen Vergleich zu den westlichen Zeichentrickfilmen dar. Sicherlich gibt es bei solch einer umfangreichen Sparte auch viel Müll und es gibt Vertreter, die mögen berühmt sein, aber sie taugen eben nicht sonderlich viel, weil sie beispielsweise extrem repetitiv sind.

Allerdings haben Anime und Manga ein Problem hierzulande: Sie werden längst nicht alle, wahrscheinlich auch mangels Interesse, übersetzt. Man muss zwar kein fließendes Japanisch beherrschen, da es viele Titel mit deutschen oder englischen Untertiteln gibt, aber manche Menschen mag dies schon überfordern, immerhin sind es die Deutschen nicht unbedingt gewohnt, bewegte Bilder mit Untertiteln zu sehen.

Das mag sich banal anhören, aber mir erging es am Anfang auch nicht anders, denn oftmals ist man so sehr auf den Text fixiert, dass man die Bildgewalt nicht zu würdigen weiß, weil man schlichtweg nicht auf die Bilder achten kann. Allerdings ist das nur eine anfängliche Hürde und für Leute, die vielleicht auch mit dem Gedanken spielen, die japanische Sprache lernen zu wollen, gibt es keine bessere Möglichkeit, ein grundlegendes Gefühl für die Sprache zu bekommen.

Eine andere Sache, die man an dieser Kultur besonders hervorheben muss, wie ich finde, ist die enorme Fantasie, die in manchen Titeln steckt. Wer die Bücher des verstorbenen Terry Pratchett kennt, der wird bei manchen Anime und Manga seine wahre Freude erleben können, denn es gibt wahnsinnig merkwürdige, skurrile und fantasievolle Formate. Zurzeit schaue ich beispielsweise „Girls und Panzer“. Der Titel lässt schon vermuten, dass das nicht zwangsläufig eine ernstzunehmende Geschichte sein kann. Im Grunde geht es um eine Schule, die als ein Wahlpflichtfach das Panzerfahren hat. Im Laufe der Geschichte stellt sich aber heraus, dass es noch andere Schulen gibt, die das Fahren eines Panzers als Unterrichtsfach haben. Nun lernen diese Mädchen das aber nicht, um letztlich in einen echten Krieg zu gehen. Das Panzerfahren und auch der Kampf mit den Panzern ist hier viel eher eine Art Wettbewerb und zu all dem kommt hinzu, dass die Schule, in der diese Mädchen sind, eigentlich ein Flugzeugträger ist, der aber auf seinem Deck eine ganze Stadt beherbergt. Und obwohl all dies vollkommen übertrieben und lächerlich klingt, merkt man, dass die Macher des Anime ein umfangreiches Wissen über Panzer besitzen und dieses Wissen wird auch aktiv angewandt. So sieht man in der Serie originalgetreue Panzermodelle aus dem Zweiten Weltkrieg.

Wenn man es zusammenfassen möchte, dann kann man sagen, dass Anime und Manga oft eine Art Querschnitt durch die Gesellschaft bilden und teilweise über diese Gesellschaft hinaus. Das, was für die Amerikaner Hollywood ist, ist für die Japaner eben ihr Anime. Umso wichtiger ist es mir, dass man nicht immer denken sollte, dass es sich, nur weil es Zeichentrickfilme sind, dabei immer um Kinderkram handelt.

Wer sich mehr mit dem Thema beschäftigen möchte, dem kann ich die Klassiker wie etwa „Neon Genesis Evangelion“ oder selbst „Shin Chan“ wärmstens empfehlen. Wer etwas Erwachsenes und Brutales sehen will, dem sei „Attack on Titan“ empfohlen – übrigens auch ein ideales Beispiel, um zu zeigen, dass Anime nicht immer für Kinder geeignet sind. Etwas Spezieller und auch nur mit Untertiteln verfügbar ist beispielsweise „Kyokai Senjo no Horizon“ oder auch „Horizon on the Middle of Nowhere“. Eine Warnung sei aber noch gesagt: Die Auswahl an Anime ist schier unendlich.

Anime? Ist doch Kinderkram!