janasdiary – Oder: BibisBeautyPalace mit öffentlichen Geldern

Okay, fassen wir mal kurz zusammen: Das neue, frische Angebot für Jugendliche vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen umfasste bisher ein fragwürdiges Format für social justice warrior und einen eher unbeholfen wirkenden Versuch sexuelle Aufklärung zu vermitteln. Doch was wir jetzt gleich sehen werden, ist kurios.

Ich weiß nicht wie vielen Lesern der YouTube-Kanal von BibisBeautyPalace etwas sagt, aber um sie kurz zu beschreiben: Diese Frau ist einerseits eine perfekte Verkäuferin, die weiß, wie man seine zumeist minderjährigen Fans ausnimmt und andererseits ist sie eine der größten YouTuberinnen Deutschlands. Zuletzt machte sie große Schlagzeilen mit ihrem ersten, eigenen Lied – Schlagzeilen machte sie damit vor allem, weil es das am schlechtesten bewertete Video auf YouTube geworden ist. Ebenfalls bekannt ist sie für ihre eigene Duschschaum-Serie „bilou“.

Darüber hinaus betreibt sie aber eben auch einen eigenen Kanal auf dem sie allerhand belanglose Videos stellt. Etwa erklärt sie, warum sie so kleinwüchsig ist oder sie macht einen Fremdgeh-Test oder sie stellt irgendwelche Kosmetik-Produkte vor.

Ihre Abonenntenzahlen zeigen (leider), dass sie mit diesem seichten und vollkommen stumpfsinnigen Programm erfolgreich ist. Und genau diese Einsicht musste wohl auch den Verantwortlichen beim ARD und dem ZDF gekommen sein. Da Bibi ihnen wohl aber zu teuer war, griffen sie eben zu einer kleineren, aber von der Art her sehr ähnlichen YouTuberin namens janasdiary.

Doch wie komme ich darauf, dass besagte Dame aufgekauft worden ist oder zumindest unter Vertrag genommen worden ist? Wenn man in ihre Kanalinfo schaut, dann sieht man, dass sie ihren Kanal bereits 2014 gegründet hat, aber erst seit dem 1. Oktober 2016 ist sie auch ein Angebot von funk.

Der Inhalt ihrer Videos hat sich deswegen aber nicht verändert. Sie postet nach wie vor eher langweiliges Zeug wie Überraschungen für ihren Freund oder irgendwelche Challenges oder Videos mit ihrer Mutter.

Ich betone es hier nochmal, sie erhält dafür öffentliche Gelder! Und dieses Geld, vielleicht wissen das einige Leute nicht, dient eigentlich einem konkreten Zweck, denn die öffentlich-rechtlichen Sender haben einen Bildungsauftrag. Allerdings kann man bei ihren Videos selbst mit dem besten Willen keinerlei Bildungsauftrag finden.

Im Grunde genommen ist ihr Kanal so belanglos, dass ich eigentlich nichts weiter dazu sagen kann. Aber zugleich ist ihr Kanal der Beweis dafür, dass die öffentlichen Sendeanstalten in Deutschland entweder von vollkommenen Idioten geleitet werden oder es zeigt einfach, dass sie zu viel Geld haben und einfach nicht mehr wissen, wohin sie dieses ganze Geld noch stecken sollen.

Letzterer Grund ist überhaupt der Urgrund gewesen, wieso ich mit diesen Leuten und diesem Angebot von funk auseinandergesetzt habe. Ich wollte den Gebührenzahlern einfach mal zeigen, wofür ihre (man muss es so hart sagen) erpressten Gelder eingesetzt werden, ohne dass sie dabei irgendein Mitspracherecht hätten.

Ich meine, man sollte sich einmal die Zahlen vor Augen halten: Im Jahr 2015 wurden über diese Gebühren 8,1 Milliarden Euro eingenommen! Man stelle sich nur vor, welche guten Taten man mit diesem Geld bezahlen könnte.

Kein Kind müsste mehr selbst Schulbücher kaufen, jeder Schüler könnte mehrere kostenlose Mahlzeiten am Tag erhalten, wir könnten Luxus-Schulen bauen, die jeder privaten Schule überlegen wären, wir könnten unsere Straßen von mir aus mit Gold veredeln, wir könnten einen vollkommen kostenlos nutzbaren ÖPNV errichten, wir könnten kostenloses WLAN überall einrichten, wir könnten Nationalparks anlegen und problemlos finanzieren.

Doch was macht man stattdessen? Nun, das habe ich ja gezeigt und dies sind nur drei Beispiele. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich den einen oder anderen Leser mal zum Umdenken anregen konnte. Mir ist bewusst, dass man rechtlich gesehen so gut wie nichts gegen diese Gebühren tun kann – Beispiele im Internet gibt es haufenweise, aber keine dieser Hilfen zum Umgehen des Beitrags sind juristisch betrachtet sicher.

Man kann den Beitrag natürlich dennoch verweigern, aber dann muss man eben auch mit harten Konsequenzen rechnen. In letzter Zeit gab es ja mehr als genug Berichte über Zahlungsverweigerer, die teilweise ins Gefängnis mussten oder denen zumindest damit gedroht wird.

Zum Abschluss will ich noch sagen: Schon dieser kleine Beitrag hatte wahrscheinlich mehr Inhalt als alle Videos von janasdiary zusammen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

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janasdiary – Oder: BibisBeautyPalace mit öffentlichen Geldern

„Fickt euch!“ – „Moderne“ Aufklärung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

Ich hatte ja vor einiger Zeit bereits auf ein „interessantes“ Format hingewiesen, dass den wenigstens Menschen bekannt sein dürfte, aber dennoch von ihren GEZ-Gebühren mitfinanziert wird. Natürlich halten die öffentlich-rechtlichen Medien aber noch eine ganze Menge anderer Formate bereit.

Wie auch bei Tarik und seinen Freunden zielt „Fickt euch! – Ist doch nur Sex“ ganz offensichtlich auf eine jüngere Zielgruppe ab und es ist natürlich auch auf YouTube abrufbar.

Erklärtes Ziel von „Fickt euch!“ ist, ich zitiere wieder die Kanalinfo:

Fickt euch! beantwortet alle Fragen zum Thema Sex – offen und tabulos. Und bei FUCK.TEN gibt’s die wichtigsten Infos ohne Schnickschnack.

Impressum:

Fickt euch! wird produziert von funk.

funk ist ein Gemeinschaftsangebot der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) und des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF).

Man könnte also sagen, dass es sich dieses Format zur Aufgabe macht, junge Leute über Sex aufzuklären – eigentlich eine Aufgabe, die den Eltern obliegen sollte, aber es gibt ja auch Sexualkunde an den Schulen, insofern ist es wohl nicht verwunderlich, dass der Staat jetzt ein neues Medium für sich entdeckt hat.

Bevor ich beschreibe, was für Videos man dort findet, noch kurz der offizielle Kanaltrailer:

Den Anspruch „offen und tabulos“ zu sein, wie es in der Info angekündigt wird, erfüllt dieses Format scheinbar dadurch, dass man völlig ungeniert „Schwanz“ und andere eher als anstößig empfundene Worte verwendet. Aber vielleicht versucht man diesen Anspruch auch dadurch zu erfüllen – oder zu befriedigen (Wortwitz) -, in dem man mutig und offen über Dinge wie Masturbation, Analsex, Lecken oder Blowjobs spricht.

Die Tipps, die die Moderatorin bei diesen Videos gibt, sind übrigens, gelinde gesagt, lächerlich oder für ein sehr, sehr, sehr dummes Publikum gemacht. So weist sie beispielsweise daraufhin, dass man bei einem Blowjob lieber nicht die Zähne verwendet oder dass man sich vor dem Fingern die Hände waschen sollte.

Ich bin mir nicht sicher, ob Jugendliche wirklich so dumm oder unerfahren sind, dass sie solche Tipps brauchen, aber in den meisten Fällen werden dort Dinge angesprochen, die man mit ein wenig klarem Menschenverstand auch wissen kann.

Allerdings muss man diesem Kanal eine Sache zugestehen: Die Videos werden deutlich positiver bewertet als bei Tarik und seinen verwirrten Mitstreitern. Vermutlich liegt das aber auch an dem eher seichten und wenig kontroversen Inhalt derselben. Erfreulich ist auch, dass die gemachten Aussagen vergleichsweise objektiv bleiben.

Natürlich wird in einem Video zur Homosexualität darauf hingewiesen, dass Schwule immer noch nicht gleichgestellt sind bezüglich der Ehe und es wird auch ganz kurz der Blues der Diskriminierung angestimmt, aber das kann man noch verschmerzen. Zumindest finden sich hier keine von Rassismus geprägten Hasstiraden, wie wir sie ja bereits bei Tarik vorgefunden haben.

Nichtsdestotrotz stellt sich mir die Frage danach, inwiefern ein solches Projekt von öffentlichen Geldern unterstützt werden muss? Dem Niveau nach zu urteilen, könnte so etwas auch vom privaten Fernsehen ausgestrahlt werden – solche Formate gab es ja auch bereits mit Erika Berger etwa.

Außerdem wittere ich hier mal wieder Doppelstandards, denn diese Videos können rund um die Uhr abgerufen werden und enthalten sexuellen Inhalt. Würde ein Privatsender solch ein Angebot machen, wäre das Geschrei natürlich wieder groß, denn wo bleibt bitte der Jugendschutz? Wird so etwas aber vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen gemacht, dann scheint das vollkommen in Ordnung zu sein.

Und nicht zuletzt ist es wieder einmal verwunderlich, dass gerade die Moralapostel des öffentlich-rechtlichen Fernsehens immer wieder darauf verweisen, wie doch die Jugend immer mehr verroht, aber gleichzeitig nennt man ein Format „Fickt euch!“ und in diesem kommt – was zugegeben zum Titel passt – eine eher derbe Sprache zum Einsatz?

Aber vielleicht ist es genau das, was man heute als „modern“ bezeichnet: Eher niveaulose und seichte Unterhaltung mit einem minimalen, intellektuellen Anspruch.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

„Fickt euch!“ – „Moderne“ Aufklärung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

Die wirre Welt des Tarik und seiner Freunde

Bevor man diesen Artikel liest, sollte man sich zu allererst folgendes Video ansehen:

Was wir da gerade sehen konnten, war eine Produktion von ARD und ZDF, also eine von Gebühren finanzierte Sendung. Diesen Fakt sollte man im Kopf behalten!

Doch, was genau haben wir da gerade gesehen?

Nun, die öffentlich-rechtlichen Medien haben mittlerweile auch erkannt, dass die jüngeren Zielgruppen eher weniger vor dem klassischen Fernseher sitzen. Also haben sie sich auf den Weg ins von Angela Merkel so treffend bezeichnete „Neuland“ gemacht. Aber natürlich reicht es nicht einfach aus, bekannte Formate wie den Musikantenstadl oder Markus Lanz einfach auf YouTube hochzuladen. Nein, wenn man schon zu einer jungen Zielgruppe aufschließen will, braucht man natürlich auch gleich neue, junge, frische Formate – wie eben Jäger & Sammler.

Aber was ist dieses Jäger & Sammler eigentlich?

Ich zitiere die Kanalinfo (Stand: 20. Mai 2017) von YouTube:

»Jäger & Sammler« ist ein investigatives Format. Wir suchen Missstände und decken auf. Wir gehen Themen auf den Grund und scheuen die Konfrontation nicht. Dabei ecken unsere „Jäger & Sammler“ auch mal an – das gehört dazu.

»Jäger & Sammler« wird von ZDF-Magazin Frontal 21 unterstützt und im Auftrag von funk vom UFA LAB produziert. funk ist ein Gemeinschaftsangebot der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) und des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF).

Behandelt werden hier vor allem Themen aus dem Bereich Gesellschaft und Politik.

Ich weiß nicht, inwieweit sich der geneigte Leser oder die Leserin mit dem Begriff der social justice warrior auskennt, aber im Grunde beschreibt dies genau das Programm dieses Formats. Die sogenannten social justice warrior, oft einfach als SJW abgekürzt, sind meist Netzaktivisten mit eigenen Blogs oder sogar Sendeformaten und sie beschäftigen sich mit pseudo-relevanten Themen.

SJWs sehen sich gerne als eine Art Avantgarde, als Rebellen, die genau das sagen, was sich keiner zu sagen traut – deswegen auch der Passus mit dem investigativen Vorgehen-, bemerken aber oftmals nicht, dass sie über Themen sprechen, die eine so geringe gesellschaftliche oder politische Relevanz besitzen, dass ihnen kaum jemand zuhört. Deswegen neigen viele Vertreter dieser Bewegung dazu, in einen weinerlichen, oftmals auch passiv-aggressiven Ton überzugehen, weil sie so glauben, eine möglichst große Masse an Menschen anzusprechen.

Problem hierbei: Sie mögen eine große Masse ansprechen, ja, aber die Angesprochenen sind eben in der Regel nicht überzeugt von den Thesen und Meinungen, die diese Menschen vertreten.

Diese These kann man ganz einfach belegen, wenn man sich stichprobenartig Videos dieses Kanals anschaut. Die Mehrheit dieser Videos hat mehr negative Bewertungen als positive. Dasselbe gilt auch für das oben gesehene Video.

Doch woran liegt das?

Ist es wirklich so, dass diese negativen Bewertungen und Kommentare nur vom Hass der Menschen herrühren? Oder könnte dahinter vielleicht eine ganze andere Ursache stecken?

Natürlich, aus Sicht der Videomacher ist es nur der Hass und eine irrationale Ablehnung. Eine sehr verständliche Reaktion, denn wenn man sein Herzblut in eine Sache steckt und diese gefällt kaum einem Menschen, zweifeln die meisten Leute zuerst an denjenigen, die die Sache eben kritisieren. Ähnliche Vorgehensweisen kann man auch bei nahezu jeder etablierten Zeitschrift oder Zeitung sehen.

Allerdings sollte man diese Ansicht vielleicht überdenken, wenn wirklich eine Mehrheit sagt, dass das Produzierte schlecht ist.

Um zu beweisen, dass es auch aus objektiver Sicht einfach Blödsinn ist, der da gesagt wird, nehme ich mir jenes verlinkte Video von Tarik vor.

Das scheinbare Ziel dieses Machwerkes soll es sein, auf alltäglichen Rassismus und Diskriminierung hinzuweisen. Sicher ein gut gemeintes Ziel, allerdings muss man sagen, dass dieser Tarik dabei selbst in eine Art Rassismus verfällt – nämlich gegen die sogenannten Weißen oder Privilegierten. In keiner Form werden hierbei Diskriminierungen gegen Homosexuelle, Transvestiten, Transgender, Asiaten oder andere Minderheiten hervorgebracht.

Es ist eine beliebte Taktik der SJW-Bewegung nahezu jedes Problem immer so aufziehen zu können, dass der weiße, zumeist heterosexuelle Mann an allem die Schuld trägt. Damit sich dieser Vorwurf nicht einfach nur immer und immer wieder wiederholt, gibt es eine ganze Reihe von synonymen Begriffen: weiße Cis-Boys, weißes Patriarchat oder einfach nur Patriarchat. Aber auch abfälligere Begriffe wie Kartoffel werden gern genutzt, um den erklärten Feind zu bezeichnen.

Ziel dieser Taktik ist es, einen Graben zwischen den „normalen“ Menschen und all den Minderheiten zu erschaffen. Ganz interessant hieran ist, oftmals sind die Leute, die diese Taktik anwenden, genau die gleichen Leute, die sich darüber aufregen, wenn Asylkritiker ähnliche Gräben zwischen den Einheimischen (wir) und den Ausländern (die Anderen) herstellen. Doppelmoral in seiner besten Ausformung!

In Tariks Fall sieht man dies besonders gut. Zwar spricht er auch mal von „Ausländern“, aber allein der Titel dieses Formats „Hautverdächtig“ deutet doch übertrieben an, worauf er eigentlich hinaus will: Er wird diskriminiert und ist Rassismus ausgesetzt, weil er eine dunkle Hautfarbe hat (und er ist auch noch schwul, aber deswegen scheint er sich nicht diskriminiert zu fühlen). Klare Frontlinie: Er als der „schwarze Peter“ und auf der anderen Seite all die weißen Privilegierten.

Glücklicherweise muss ich mir nicht einmal selbst ein Beispiel ausdenken, um den Schwachsinn der Privilegierten zu widerlegen, denn im Kommentarbereich findet sich bereits die perfekte Gegenthese von einem User namens Mr. Milgram:

Ich bin weiß und Rollstuhlfahrer

– Als Rollstuhlfahrer privilegiert? Hmmm, ich weiß nicht…
– 1:02 Eine Wohnung habe ich aufgrund meiner Behinderung immer noch nicht gefunden…
– 1:05 Auf dem Arbeitsmarkt wurde ich bisher immer abgelehnt, wegen Umbaumaßnahmen usw. …
– …während der privilegierte GEZ-finanzierte Künstler rumheult!

Eigentlich wäre damit das komplette Video bearbeitet, denn außer dem Argument des Privilegs für Menschen mit weißer Hautfarbe bringt er nichts für seine These hervor.

Okay, man könnte jetzt noch erwähnen, dass beispielsweise auch weiße Studenten und Sozialhilfeempfänger Probleme dabei haben, eine Wohnung zu finden. Und man könnte auch darauf hinweisen, dass Menschen mit nicht ganz so gefragten Ausbildungen, trotz ihrer weißen Hautfarbe, ebenfalls Probleme haben, einen Job zu finden.

Aber was ist nun das Fazit?

Ganz krass ausgedrückt kann man dieses Video als staatlich finanzierten Rassismus gegenüber Weißen bezeichnen. Weniger krass gesagt könnte man es einfach als einen missglückten Versuch sehen, auf die Diskriminierung gegenüber einer sehr bestimmten Minderheit hinzuweisen. In jedem Fall aber ist es eine schlechte Investition oder besser gesagt eine Verschwendung von Geldern, die dem deutschen Bürger einfach abgenommen werden.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Die wirre Welt des Tarik und seiner Freunde

NetzDG – Oder: DDR 2.0

Es ist manchmal schon absurd, welche Blüten die Gedankenwelt der Justiz treibt. Allerdings ist es im Fall des NetzDG (Netzdurchsetzungsgesetz – ein Begriff der auch von den Nationalsozialisten hätte kommen können) nicht nur lächerlich, es ist vor allem auch gefährlich für die Meinungsfreiheit.

Der Grund für dieses neue Gesetz, das jetzt im Eiltempo durchgepeitscht werden soll (wahrscheinlich weil die SPD Angst hat, dass es sie nach der Bundestagswahl im September nicht mehr geben wird oder sie zumindest an Relevanz einbüßen wird), sind die sogenannten Fake News und natürlich die immer heftiger werdende Debattenkultur im Netz mit all ihren Beleidigungen und Schmähungen. Zumindest der letzte Punkt wundert mich angesichts so mancher kürzlich erfolgter Urteile nicht …

An sich mag das nach einer guten Sache klingen, aber die Art, wie dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden soll, ist stellenweise fraglich bis höchst bedenklich.

In meinen Augen ist es aus zwei Gründen sogar rechtswidrig: Der erste und vielleicht eher formale Grund ist, dass der Bund laut Grundgesetz keine Befugnis hat, solch ein Gesetz zu verabschieden, weil der Medienbereich, der hier durchaus auch als ein Teil von Kunst und Kultur gewertet werden kann, von den einzelnen Bundesländern bearbeitet wird. Ich muss hier wohl nicht extra darauf hinweisen, dass man diese Regelung vorgenommen hatte, weil man keine gute Erfahrungen damit gemacht hat, wenn über Kunst und Kultur auf höchster Regierungsebene entschieden wird.

Der zweite und für mich deutlich kritischere Punkt ist, dass die jeweiligen Betreiber der sozialen Netzwerke de facto zu Richtern gemacht werden, denn der aktuelle Entwurf sieht es vor, dass die Betreiber darüber zu entscheiden haben, was nun rechtswidrig ist und was nicht. Ihre einzige Hilfe sind eher schwammige, juristische Formulierungen.

Was also wird wohl passieren?

Angesichts der lächerlich hohen Geldstrafen, die man den Betreibern auferlegen will, werden die meisten soziale Netzwerke von einer Welle der Löschung heimgesucht, denn im Zweifelsfall wird man einen beanstandeten Post oder einen kritischen Kommentar lieber löschen, als das Risiko einzugehen, eine Geldstrafe zahlen zu müssen.

Apropos Geldstrafe, es gibt eine auffällige Merkwürdigkeit im bisherigen Entwurf. Wenn tatsächlich eine Geldstrafe verhängt werden soll, so sieht es der Entwurf vor, dann muss dennoch ein Gericht darüber entscheiden, inwieweit eine solche Strafe überhaupt zulässig ist. Da stellt sich doch automatisch die Frage, wieso nicht gleich alle strafrechtlich relevanten Posts und Kommentare einfach an die zuständigen Behörden weitergegeben werden.

Die Antwort liegt dabei wohl mehr oder weniger klar auf der Hand: Die Justiz würde zusammenbrechen.

Angesichts der schier unendlichen Masse von im Sekundentakt abgesetzten Posts und Kommentaren wäre es unmöglich, jeden dieser Wortäußerungen einer juristischen Prüfung zu unterziehen. Selbst für die Betreiber der besagten sozialen Netzwerke wird es eine schier unlösbare Aufgabe.

Aber halt, da gab es doch eine Möglichkeit: Algorithmen.

Natürlich wird beispielsweise Facebook, sollte dieses Gesetz tatsächlich so verabschiedet werden, nicht Leute einstellen, die sich jeden einzelnen Kommentar ansehen. Man wird einfach einen Algorithmus anwenden, der bei bestimmten Worten anschlägt und den betreffenden Post dann an einen Mitarbeiter weiterleitet. Allerdings stellt sich dann die Frage, wie sinnvoll dieses Gesetz überhaupt ist, denn irgendwann werden die User den Algorithmus durchschaut haben und dann verwenden sie eben eine Art Geheimsprache.

Die Verwendung von Algorithmen ist sowieso, in meinen Augen, immer eine kritische Sache. Einerseits weil sie meist nicht mit der Kreativität der User mithalten kann, um sie zu umgehen, und andererseits weil die Vergangenheit gezeigt hat, dass solche Vorgehensweisen viel zu wenig transparent sind.

Schaut man sich aber an, wie wichtig die Kommunikation über soziale Medien mittlerweile ist, erscheint es fast wie ein Witz, dass man ernsthaft mit solchen Mitteln arbeiten will. Spätestens die mittlerweile desaströsen und völlig undurchsichtigen Zustände bei YouTube (man denke nur an die zahlreichen, ungerechtfertigten Löschungen ganzer Kanäle) zeigen doch, dass das keine gute Idee ist.

Ich will an dieser Stelle auch gar nicht den Betreibern dieser Netzwerke einen Vorwurf machen. Denn angesichts der Größe bestimmter sozialer Medien ist es einfach nicht anders zu handhaben. Vielmehr richten sich meine Anschuldigungen gegen den Gesetzgeber, der scheinbar so völlig unfertige und wenig durchdachte Gesetze auf den Weg bringen will, wahrscheinlich um wieder einmal so schnell wie möglich ein Zeichen gegen Hass oder sonstwas setzen zu können. Also reine Symbol-Politik.

Vielleicht sollte man den Menschen, die sich auf solchen Plattformen bewegen, einfach sagen, dass Beleidigungen und Hetze nun mal dazugehören. Nach terroristischen Anschlägen hört man doch auch immer wieder, dass der Terrorismus nun zu unserem alltäglichen Leben dazugehört. Mir wäre es, ehrlich gesagt lieber, es wäre genau umgekehrt – man geht entschieden gegen Terrorismus vor und beschäftigt sich nicht mit solchen Lächerlichkeiten.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

NetzDG – Oder: DDR 2.0

*KK: Alice Weidel und der Nazi-Schlampen-Prozess

Die Freude bei den meisten Medien war groß, als das Gericht verkündete, dass Alice Weidel auch weiterhin als „Nazi-Schlampe“ bezeichnet werden darf. Passiert ist dies am 27. April bei der Satiresendung „extra 3„.

Bei seiner Urteilsverkündung berief sich das Gericht darauf, dass diese Äußerung in einem satirischen Kontext gestellt worden ist und somit eben als reine Satire eingeordnet werden müsste. Viele Medien betonten auch ausdrücklich, dass zuvor ein Ausschnitt in besagter Sendung präsentiert wurde, in dem Weidel forderte, dass die politische Korrektheit auf den Müllhaufen der Geschichte gehöre. Also fühlte sich der Moderator der Sendung, Christian Ehring, sofort dazu berufen, möglichst unkorrekt zu sein.

Allerdings stellt sich mir die Frage, ist so eine Bezeichnung wirklich noch Satire oder fällt dies nicht tatsächlich eher unter den Begriff der Beleidigung?

Laut dem Gericht könne man alles sagen, so lange es in einem „satirischen Kontext“ geschehe. Heißt das, wenn ich eine eigene Satiresendung oder eine Webseite habe, auf der ich explizit nur Satire betreibe, ich automatisch alles sagen darf?

Viel auffälliger erscheint mir allerdings die deutlich sichtbare Doppelmoral.

Wenn eine Person der AfD, der vielleicht zurzeit am meisten gehassten Partei in Deutschland, als „Nazi-Schlampe“ bezeichnet wird, dann jubeln die Medien. Wenn dann aber während des Karnevals, der ja auch für seine übertriebenen Späße bekannt ist und auf dem traditionsgemäß natürlich auch Politiker hart angegangen werden, ein Wagen auftaucht, der Angela Merkel als „Volksverräterin“ bezeichnet, dann ist das natürlich unerhört und eine Frechheit!

Ist „Volksverräter“ dann eher eine Beleidigung als „Nazi-Schlampe“? Oder geht es hierbei doch nur darum, dass man gegen die AfD ja alles sagen kann, aber doch nicht gegen die größte Kanzlerin aller Zeiten?

Und angesichts dieses Urteils wirkt es fast lächerlich, wenn sich bestimmte Menschen darüber beschweren, dass unsere Gesellschaft immer weiter verroht. Klar, wenn man sich jetzt schon als „Schlampe“ bezeichnen kann (mit jedem beliebigen Präfix).

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

*KK: Alice Weidel und der Nazi-Schlampen-Prozess