Nordische Mythologie – Teil 1

Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Artikel überschreiben soll, denn es ist schwer, eine klare Trennung zwischen einer germanischen oder nordisch-skandinavischen Philosophie und Mythologie zu machen. Oftmals wird eine Trennung zwischen beiden Weltanschauungen suggeriert, allerdings besteht diese meistens eher in Details – vor allem die Namen der Gottheiten unterscheiden sich, aber die grundlegenden Gedanken sind nahezu identisch. 

Aber wie bin ich eigentlich zu diesem Thema gekommen? 

Ich hatte schon immer ein gewisses Interesse für mythologische Themen. Natürlich ist es wesentlich leichter, etwas über die griechische oder römische Mythologie zu erfahren, einfach weil dort wesentlich mehr überlieferte Quellen existieren, die man vor allem heute auch noch verstehen kann. 

Schauen wir etwa nach Ägypten, so haben wir durchaus schriftliche Quellen, die man auch durchaus versteht, bei denen man sich aber nicht sicher sein kann, ob sie immer vollständig vorliegen. In manchen Fällen weiß man sogar sehr sicher, dass bestimmte Texte schlichtweg verloren gegangen sind. 

Die lateinische Sprache hat sich im Gegensatz zu den Hieroglyphen aber bis heute erhalten und man kann sie auch noch in Schulen lernen. Ähnliches kann man auch über das Altgriechisch sagen, das Theologen heute im Studium noch lernen müssen. Dementsprechend sicher kann man sich bei den Quellen der jeweiligen Mythologien sein. 

Viel schwieriger sieht es aber bei nordischen Mythen aus, denn die Germanen und andere sogenannte Barbaren haben uns kaum Schriften hinterlassen. Es gibt zwar einige Runensteine beispielsweise, aber die sind in ihrem Umfang nicht mit den Überlieferungen aus dem Mittelmeerraum zu vergleichen. 

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Runenstein Karlevi (http://grosssteingraeber.de/media/Fotos/Schweden/Kalmar/Oeland/P1110580karlevi.jpg)

Meine allererste Berührung mit der nordischen Mythologie bestand mit dem Lesen eines Artikels zu Yggdrasil. Ich denke, viele andere Menschen werden andere Berührungspunkte haben, sei es durch die Comicfigur Thor oder vielleicht auch durch Tolkiens Werke, die sehr stark von den nordischen Erzählungen geprägt worden sind. 

Yggdrasil wird gern als Weltenbaum oder fälschlicherweise als Weltenesche übersetzt. Falsch ist diese Übersetzung deswegen, weil das Wort wortwörtlich auf eine Eibe und nicht auf eine Esche verweist. Das spielt für den mythologischen Kontext eine Rolle. Er ist im Grunde eine Metapher oder die Vorstellung der nordischen Weltanschauung. Damit ist aber nicht die Welt in Form der Erde gemeint, diese Vorstellung geht wesentlich weiter. 

Es gibt bezüglich seiner Gestaltung zwei Vorstellung: Die am weitest verbreitete und eigentlich auch am ehesten anerkannte Vorstellung spricht von neun unterschiedlichen Welten, die sich in Yggdrasil wiederfinden und bei denen die Welteneibe eine Art Verbindung darstellt. Bildlich kann man es sich ungefähr so vorstellen, dass jede Welt auf einem Ast oder im Wurzelwerk liegt und die Äste zusammen mit dem Stamm stellen eine Verbindung her. 

Eine andere Vorstellung, die vor allem durch das Aufkommen der Quantenphysik entstanden ist, beschreibt Yggdrasil als eine Verbindung unendlich vieler Welten. Diese Interpretation geht davon aus, dass die neun namentlich bekannten Welten letztlich nur Beispiele für eine viel größere Zahl waren. Somit hat man in dem mythologischen Weltenbaum eine Art Metapher für das gefunden, was die Quantenphysik mit ihrer Mehrdimensionalität ebenfalls zum Ausdruck bringt. 

 

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Yggdrasil und seine Welten (https://www.pinterest.de/pin/404549979005016086/)

Zur Entstehungsgeschichte der Welt, auf der wir Menschen leben, gibt es zwei Versionen. Eine finden wir in der älteren Lieder-Edda und eine andere Version findet sich in der jüngeren Prosa-Edda.

Glaubt man den Nordmännern, so gab es am Anfang die sogenannte Ginnungagap, die meistens als Spalt oder Riss übersetzt wird. Dieser Riss diente als Grenze zwischen dem feurigen Muspellsheim und dem eisigen Niflheim. Durch das Feuer Muspellsheim kam es vor, dass ganze Gletscher schmolzen und das Schmelzwasser im Ginnungagap verschwand.

Im Punkt des Entstehens eines ersten Lebewesens unterscheiden sich nun beide Versionen voneinander. In der Lieder-Edda taucht plötzlich der Riese Ymir auf. Es gibt schlichtweg keine Erklärung, woher er stammt. In der Prosa-Edda aber wird erklärt, dass das Schmelzwasser aus Niflheim in die Ginnungagap floss und so, aus dem Kampf zwischen dem heißen Feuer und dem eher kalten Wasser, entstand Ymir.

In beiden Versionen wiederum wird dieser als der Urriese bezeichnet. Er wird als zweigeschlechtliches Wesen beschrieben, kann also ohne einen Partner andere Lebewesen hervorbringen. In beiden Versionen erschafft Ymir auch einen Sohn und eine Tochter, sowie einen weiteren sechsköpfigen Jungen. Lediglich die Prosa-Edda schreibt noch etwas zu dem sechsköpfigen Jungen. So sollen sich aus ihm die Urzeitriesen entwickelt haben. Beide Versionen wissen allerdings nicht weiter darüber zu berichten, was aus dem anderen Jungen und dem Mädchen wurde.

In der Prosa-Edda gibt es noch eine Urkuh mit dem Namen Audhumbla. Sie hatte zwei Funktionen: Einerseits ernährte sie Ymir und andererseits leckte sie aus einem Stein einen Mann namens Buri frei. Dies geschah innerhalb dreier Tage, wobei am ersten Tag lediglich die Haare, am zweiten Tag der Kopf und erst am dritten Tag der ganze Körper zu sehen war.

Dieser Buri wiederum zeugte einen Sohn mit dem Namen Burr und dieser wiederum zeugte mit der Riesin Bestla die drei Götter Odin, Vili und Ve.

Möglicherweise wurde der Abschnitt Audhumblas der Prosa-Edda allein deswegen hinzugefügt, weil sich aus der Lieder-Edda eine Lücke ergibt zwischen dem Riesen Ymir und der Entstehung der Götter.

Was mich zu einem Problem führt, dass ich noch erwähnen sollte.

Wie ich bereits geschrieben hatte, ist die Quellenlage bezüglich der Mythologie etwas dürftig. Zwar gibt es die beiden oben genannten Niederschriften, bei denen man aber nicht vergessen darf, dass sie einerseits einige Zeit nach den eigentlichen Lebzeiten derer entstanden sind, die an diese Dinge glaubten und damit darf man auch nicht vergessen, dass die Verfasser dieser Werke möglicherweise ihre eigenen Wertvorstellungen mit in die Texte einbrachten.

Im Falle der Prosa-Edda, die von einem Isländer namens Snorri Sturluson verfasst wurde, vermutet man etwa, dass durchaus auch christliche Einflüsse in dem Werk vorkommen könnten.

So berichtet Sturluson davon, dass die aus Ymirs sechsköpfigem Jungen hervorgegangenen Urzeitriesen nach der Entstehung des Meeres aus dem Blut des Riesen ertrunken seien. Umstritten ist diese Theorie vor allem deswegen, weil sie zu sehr an die christliche Sintflut erinnert und es in der Lieder-Edda keinerlei Hinweis auf ein derartiges Ereignis gibt. Auch später wird nie wieder in irgendeiner Form ein Bezug zu einer Sintflut gemacht.

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Urkuh nährt Ymir und leckt Buri frei (https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=639093)

In jedem Falle jedoch töteten Odin, Vili und Ve den schlafenden Riesen und aus seinem Körper bauten sie die Welt. Die Erde wurde aus seinem Fleisch geformt, das Meer aus seinem Blut, Felsen und Gebirge waren einst Ymirs Knochen, die Bäume waren sein Haar, die Augenbrauen wurden zu Midgard, der Himmel wurde aus Ymirs Schädel geschaffen und die Wolken aus seinem Gehirn.

Diese Vorstellung mag für einen Europäer des 21. Jahrhunderts zunächst sehr martialisch wirken, allerdings gibt es auch in anderen Kulturen ähnliche Vorstellungen. In Indien etwa gibt es die Vorstellung eines Urmenschen Purusha aus dem die Welt hervorging.

Abhängig von den herangezogenen Quellen wird beispielsweise in der Ginnungagap auch eine Art Urvagina gesehen, aus der alles heraus geboren wurde. Dies passt zu der allgemeinen Vorstellung dieser Völker, dass das Weibliche schon immer das Leben hervorgebracht hat, also betrachtete man diesen Spalt oder Riss möglicherweise auch als etwas rein Weibliches. Wenn man diese Idee weiterspinnt, und manche Autoren tun das, kann man in dem geschmolzenen Eis Niflheims gewissermaßen auch eine Art Ursperma sehen, das letztlich Ginnungagap befruchtet hat.

Ob es die betreffenden Völker tatsächlich so gesehen haben, ist allerdings bis heute fraglich.

Fortsetzung folgt …

 

 

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Nordische Mythologie – Teil 1

Weitermachen wie bisher …

Einstein hatte mal versucht, eine Definition für den Wahnsinn zu geben. Sinngemäß sagte er da, dass es wahnsinnig wäre, immer wieder dieselbe Handlung zu vollziehen, aber jedesmal ein anderes Ergebnis zu erwarten.

Nizza 2016. Ein Anhänger des IS rast mit einem LKW in eine Menschenmenge. Bei Würzburg 2016. Ein Anhänger des IS wütet mit einer Axt in einem Regionalzug. Ansbach 2016. Ein Anhänger des IS zündet eine Rucksackbombe. Berlin 2016. Ein Mann, der wohl ebenfalls im Auftrag des IS handelte, fährt mit einem LKW in einen Weihnachtsmarkt.

Nizza 2016. Die Welt trauert, in den sozialen Medien wird für Nizza gebetet. Bei Würzburg 2016. Deutschland trauert und ist schockiert, in den Medien beginnt eine Diskussion über Sicherheit. Ansbach 2016. Deutschland trauert und ist schockiert, in den Medien beginnt eine Diskussion über Sicherheit. Berlin 2016. Die Welt trauert, es wird wieder einmal gebetet und es gibt eine weitere Diskussion über Sicherheit.

Es stellt sich nun die Frage, auf welcher Seite mögen wohl die Irren sitzen? Sind es diejenigen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Tod und Chaos zu verursachen oder sind es diejenigen, die diesen Tod und das Chaos eigentlich vermeiden wollen?

Ich sehe es nicht als meine primäre Aufgabe, Antworten zu geben. Einerseits weil ich keine (menschenrechtlich vertretbaren) Antworten parat hätte und andererseits weil es schlichtweg nicht meine Aufgabe ist, Antworten zu geben. Für diesen Job gibt es deutlich besser bezahlte und angesehenere Menschen. Ich sehe meine Aufgabe darin, zu beobachten, zu beurteilen und zu fragen.

Eigentlich ist dies die Aufgabe eines jeden Menschen, der halbwegs vernünftig denken kann und sich geistiger Gesundheit erfreut. Das Zeitalter der Dogmen und der nicht zu hinterfragenden Wahrheiten, die vorgegeben worden sind, hatten wir (eigentlich) hinter uns gelassen. Wer sich nicht mehr erinnern kann, der möge mal nach Aufklärung bei Google suchen oder vielleicht ein Buch von Kant lesen.

Und wenn man fragen möchte, kann man auch ganz klein anfangen.

Wollen wir wirklich so weitermachen wie bisher? Wollen wir uns in den goldenen Käfig begeben und uns ständig davor fürchten, von religiösen Irren in die Luft gesprengt oder neuerdings mit Lastern überfahren zu werden?

Wollen wir uns wirklich daran gewöhnen, dass Festivitäten von schwer bewaffneten Polizisten bewacht werden müssen? Dass Märkte und andere Großveranstaltungen mit Betonklötzen abgesichert werden müssen?

Als die Migrationskrise akut wurde und als die Grenzen geöffnet wurden, forderten viele vermeintlich Rechte, dass man eine Festung Europa brauche. Kann es vielleicht sein, dass diese Festung schon längst besteht nur mit dem Unterschied, dass die Grenzen enger an uns heran gerückt sind?

Wir leben in einer demokratischen Republik und man sagt uns andauernd, dass das Volk regiere, aber wie kann es sein, dass Umfragen immer wieder zeigen, dass der Großteil der Bevölkerung keinen Krieg will und dennoch ist Deutschland an Kriegen beteiligt? Und dabei spielt es keine Rolle, ob wir nur Bilder machen oder direkt an der Front mitkämpfen, denn auch diese Bilder werden lediglich dazu verwendet, Ziele präzise zu attackieren. Anders gesagt, wir haben den Finger nicht am Abzug, aber wir stehen neben dem Schützen und weisen ihn ganz genau an, wo er hinschießen muss.

 

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und einen guten Start in das neue (und hoffentlich friedlichere) 2017!

Weitermachen wie bisher …

Das eigentliche Problem mit den Reichsbürgern

In den letzten Tag konnte man es immer wieder lesen. Irgendwelche Leute sind der festen Überzeugung, dass das Deutsche Reich weiterhin fortbesteht und sie erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als legitimen Staat an. Solch eine Theorie sorgt natürlich für einigen Spott.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch nicht über den Wahrheitsgehalt auslassen, denn ich bin kein Jurist. Wenn ich mir im Internet Videos von solchen Leuten anschaue, dann machen die mich einfach nur müde, aber sie machen mir keine Angst. Diese Leute, die immer als Reichsbürger bezeichnet werden, scheinen ein großes Interesse – fast angrenzend an einen Fetisch – für Gesetzestexte zu haben, so leidenschaftlich und vor allem in der Masse, in der sie solche Texte vortragen und heranziehen.

Was mich an dieser ganzen Geschichte stört, ist, dass wieder einmal kein Mensch zu begreifen scheint, dass das ein erstklassiges Ablenkungsmanöver ist. Denn plötzlich fürchtet sich ganz Deutschland vor den Reichsbürgern.

Vielleicht bin ich die Ausnahme, aber mich hat noch kein Reichsbürger angegriffen oder irgendwie anders belästigt. Und ich habe auch kein Problem damit, wenn solche Menschen demonstrieren oder Videos ins Netz stellen. Ich begrüße diese Form der Kreativität und das Hinterfragen der bestehenden Dinge.

Aber ich muss eben auch feststellen, dass sich diese Menschen an der vollkommen falschen Stelle engagieren.

Was soll sich denn ändern, wenn es die Bundesrepublik Deutschland nicht mehr gibt und wir uns stattdessen als Deutsches Reich bezeichnen? Wird dadurch irgendein Problem, das Deutschland zurzeit hat, auch nur im Ansatz angegangen? Denkt wirklich jemand, nur weil wir uns Deutsches Reich nennen, verschwinden die Flüchtlinge einfach? Oder nur weil wir uns wieder Deutsches Reich nennen, versinken wir nicht mehr weiter im Chaos? Werden wir als Deutsches Reich den Weltfrieden bringen können und die beiden Konflikte – in Syrien und in der Ukraine – lösen?

Wenn dem so ist, bitte, nennt Deutschland von mir aus wieder Drittes Reich, wenn es auch nur eines der oben genannten Punkte lösen kann. Ich glaube aber nicht, dass eine Änderung des Namens etwas ändern wird.

Auch wenn wir zum Deutschen Reich werden, werden uns die gleichen Politiker regieren und sie werden die gleichen Ziele verfolgen. Es werden die gleichen Gesetze gelten. Es wird den gleichen Terror geben. Es wird die gleiche Armut geben.

Aber wir können uns wieder als Reich bezeichnen!

Im Internet liest man immer wieder, die Menschen sollen endlich aufwachen. Ja, das würde ich mir wünschen. Was diese Reichsbürger machen, erscheint mir eher wie die Flucht in einen anderen Traum.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Das eigentliche Problem mit den Reichsbürgern