Über die Zeit – Teil 2

Bevor ich mit meinen eigentlichen Ausführungen beginne, will ich darauf hinweisen, dass ich nicht der erste Mensch bin, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt und ich bin sicher nicht der erste Mensch, der einen unkonventionellen Zeitbegriff zu etablieren versucht. Man denke nur an Albert Einstein, der unser Verständnis von Raum und Zeit so gravierend verändert hat wie kaum ein anderer Mensch.

Grundsätzlich kann man sagen, orientiert sich mein Verständnis von Zeit auch an Einsteins Vorstellung von Zeit. Für Einstein war Zeit keine zweidimensionale Angelegenheit in Form eines Strahls. Für ihn war Zeit ein Raum und damit ein dreidimensionales Gebilde.

Doch was bedeutet das konkret?

Wenn Zeit auf einem Strahl stattfindet, so könnte man sich nur vor oder zurück bewegen. Man könnte nicht springen. Das hieße, Zeit läuft stets linear ab, theoretisch gesehen kann sie auch rückwärts ablaufen, aber dann ist es eben so, als würde man eine Videokassette zurückspulen – die Älteren werden sich erinnern.

Ist Zeit aber ein Raum, dann können wir uns innerhalb dieses Gebildes in allen drei Dimensionen bewegen. Das heißt, wir müssen nicht zwangsläufig eine Linie abwandern und sind nicht gezwungen uns vor oder zurück zu bewegen. Gleichzeitig wäre es möglich, innerhalb des Raumes zu springen.

Ich weiß, die Vorstellung, dass ein Raum voller Zeit sei und Zeit somit zu einer Art Äther wird, ist schwer vorstellbar. Aber das liegt auch nur daran, weil es für viele Menschen eine völlig neuartige Vorstellung ist. Wir sind durch unsere Sozialisation und durch unsere Bildung daran gewöhnt, Zeit auf einem Strahl wahrzunehmen.

Vielleicht kann man dieses Bild besser verstehen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass ein Raum auch voller Sauerstoff sein kann. In dem Falle würden wir lauter kleine Moleküle des chemischen Elements in der Luft vorfinden. Theoretisch könnte man sich Zeit oder unterschiedliche Stadien derselben genauso als Moleküle vorstellen.

Aus dieser Vorstellung heraus ergeben sich noch andere interessante Ansichten.

In unserem Zeitverständnis neigen wir oft dazu, kausal-lineare Beziehungen aufzubauen. Wir glauben, es muss erst ein Ereignis (Aktion) geschehen, damit ein neues Ereignis (Reaktion) passieren kann. In den meisten Fällen mag dies stimmen, aber manchmal gibt es keine direkten Folgen. Manchmal ist der Zeitraum zwischen zwei Ereignissen, die eigentlich zusammenhängen, so groß, dass wir den Zusammenhang nicht erkennen können.

Auf einer gedachten Linie mit zwei Punkten, die jeweils für das Ereignis stehen, ist dieser Fehler nur allzu verständlich. In einem dreidimensionalen Raum hingegen, in dem jeder Zeitpunkt ein Molekül darstellt, kann dies nicht mehr so leicht passieren.

Dem geneigten Leser mag dies jetzt vielleicht fantastisch erscheinen und ich kann dies durchaus verstehen. Es hat auch einige Zeit gedauert, bis ich mich an diese Vorstellung gewöhnen konnte, aber in meinen Augen macht sie durchaus Sinn.

Die vielleicht größte Veränderung in unserer Zeitwahrnehmung besteht darin, dass wir eine Einteilung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht mehr vorzunehmen brauchen. In einem gedachten Raum, in dem Zeit sich in Molekülen befindet und diese Moleküle können sich frei in diesem Raum bewegen, gibt es keine konkrete Unterscheidung mehr zwischen Zeitebenen.

Im Grunde genommen passiert in einem solchen Konstrukt alles zur selben Zeit. Gleichzeitig kann sich auch jedes stattgefundene und noch stattfindende Ereignis aufeinander beziehen. Dies führt zu der paradoxen Überlegung, dass nicht allein die Vergangenheit die Zukunft beeinflusst, sondern die Zukunft beeinflusst die Vergangenheit.

Das einzige Problem an dieser These besteht lediglich darin, dass ich sie vermutlich niemals werde beweisen können. Denn um sicher aufzeigen zu können, dass die Zukunft die Vergangenheit beeinflusst, müsste ich in die Zukunft reisen können, diese willentlich verändern, dann wieder zurück in die Vergangenheit und überprüfen, ob diese sich verändert hat.

Allerdings ist es genauso schwer zu beweisen, dass die Vergangenheit die Zukunft beeinflusst, denn dafür müsste man in die Vergangenheit reisen, diese verändern und dann die Zukunft überprüfen.

Leider sind Zeitreisen noch nicht im technisch möglichen Bereich. Und vielleicht ist das auch besser so, denn man kann sich nicht sicher sein, wie viel Schaden man damit anrichtet, in dem man die Zeit beeinflusst.

Nebenbei bemerkt hat meine Version der Zeit auch den Nebeneffekt, dass es keinen Urknall gegeben haben muss. Zwangsläufig muss es nicht mal einen Anfang gegeben haben, weil alles zur gleichen Zeit passiert. Anders gesagt: Der Anfang ist das Ende und das Ende ist der Anfang. In einigen Mythologien gibt es dazu auch Bilder von Schlangen oder schlangenartigen Wesen, die sich selbst in den hinteren Teil ihres Körpers beißen.

Noch eine letzte Überlegung kommt mir zu diesem Thema in den Sinn: Leben wir in einer deterministischen Welt?

Kurz zur Erklärung: Grundsätzlich gibt es zwei entgegengesetzte Ansichten darüber, wie unsere Welt und das Fortschreiten der Dinge funktioniert. Die eine Theorie besagt, dass nichts vorherbestimmt ist und dass jede Aktion, also jede ausgeführte Handlung, auch eine Reaktion oder Konsequenz haben muss. Das andere Extrem ist der Determinismus, der davon ausgeht, dass wir letztlich vorgegebene Handlungen vollführen.

Man kann sich vollkommen berechtigt die Frage stellen, wie ein Determinismus funktionieren soll, denn wer bestimmt denn dann, wann was passiert? Religiöse Menschen neigen oft dazu, die Geschicke der Welt einem göttlichen Wesen andichten zu wollen. Dementsprechend unmöglich ist es auch, diese Theorie zu beweisen.

Ich weiß, dass meine Überlegungen sicher zunächst überfordern werden. Sie mögen auf den ersten Blick vielleicht unlogisch erscheinen, aber das mag allein daran liegen, weil sie uns so fremdartig erscheinen.

Ich danke für die Aufmerksamkeit!

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Über die Zeit – Teil 2

Über die Zeit – Teil 1

Es gibt vor allem in der philosophischen Diskussion Begriffe, die man bis zur Unendlichkeit besprechen kann. Zu ihnen zählen etwa das Glück, Moral und Vernunft. Meiner Ansicht nach lassen sich diese Begriffe vor allem deswegen so gut diskutieren, weil sie keine feste Definition haben.

Jeder Mensch hat eine andere Moral und eine andere Vorstellung von Glück. Für einen Menschen besteht das Glück darin, seine Kinder jeden Abend zu Bett zu bringen und ihnen eine Geschichte zu erzählen. Für einen anderen Menschen besteht das Glück aber vielleicht darin, älteren Menschen zu helfen, sie zu pflegen und bis zu ihrem Lebensende zu begleiten. Für den einen Menschen ist es moralisch vollkommen in Ordnung, abzutreiben und für einen anderen Menschen kommt es einem Mord gleich, ein Ungeborenes im Mutterleib zu töten.

Doch ich möchte hier einen Begriff besprechen, der de facto eine Definition besitzt, der aber dennoch kaum greifbar zu sein scheint: die Zeit.

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Je nachdem aus welchem Fachbereich man kommt, gibt es vollkommen unterschiedliche Definitionen und Vorstellungen von Zeit. Ein Psychologe beispielsweise kennt die Erlebniszeit, also die bewusst erlebte Zeit eines Menschen, aber auch die objektive Zeit, die sich durch Veränderungen in der Natur zeigt. Für einen Physiker ist die Zeit lediglich eine Größe, die man in unterschiedlichen Messeinheiten ausdrücken kann. In der Ökonomie kann die Zeit sogar zu einem Wertgegenstand werden.

Für einen „normalen“ Menschen ist Zeit aber wohl einfach ein Abschnitt von Ereignissen. Eingeteilt oftmals in drei willkürliche Kategorien namens Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Doch allein hier ergeben sich schon Probleme.

Ab welchem Zeitpunkt kann ich von Zukunft sprechen? Ist die Zukunft mir gewissermaßen immer eine Sekunde voraus und die Vergangenheit liegt immer eine Sekunde zurück, sodass die Gegenwart aus einer einzigen Sekunde besteht? Oder müssen wir diese beiden Begriffe weiter ausdehnen, sodass der vergangene Tag die Vergangenheit und der kommende Tag die Zukunft darstellt?

Hier begegnet uns ein Problem, das viele Historiker kennen. Denn auch in der Geschichte, selbst in der Retrospektive, ist es in vielen Fällen nicht möglich, einen konkreten Zeitpunkt festzulegen, ab dem sich ein bestimmter Prozess in Bewegung gesetzt hat. Ganz konkret gibt es dieses Problem etwa in der Epochenbeschreibung.

Man kann zum Beispiel keinen konkreten Zeitpunkt festlegen, ab dem man vom Mittelalter oder der Aufklärung spricht. Selbst Ereignisse wie Kriege, bei denen man vermuten könnte, dass sie einen konkreten Start- und Endpunkt haben, lassen sich nicht immer so klar umreißen, denn oftmals gab es vor oder nach einer offiziellen Kriegserklärung bereits Scharmützel.

Aber auch im Alltag begegnen uns solche Probleme manchmal. Wir hantieren zwar mit Jahreszeiten, aber wir können auch keinen konkreten Zeitpunkt feststellen, ab dem es Winter oder Sommer ist. Genauso wenig können wir für uns selbst sagen, aber wann wir erwachsen sind. Es gibt vom Gesetzgeber eine Vorgabe, dass man ab dem 18. Lebensjahr erwachsen ist, aber deswegen wird kein Schalter in einem Menschen umgelegt.

Mir ist wichtig, all diese Beispiele ganz konkret anzusprechen, weil wir uns bezüglich der Zeit und ihrer Einteilung oftmals auf sehr dünnem Eis bewegen und dadurch erzeugen wir in uns selbst die Illusion, dass wir Zeit hätten oder über sie verfügen. Auch der Umgang mit Zeitabschnitten, die wir in Sekunden, Stunden oder Tagen einteilen, täuscht lediglich darüber hinweg, dass wir keinerlei Kontrolle über den Fortgang der Ereignisse haben. Aber gleichzeitig zeigen diese Versuche auch, dass wir gern Kontrolle hätten.

Aber es gibt noch eine weitere Sache, die diese Einteilung mit sich bringt.

Wir betrachten Zeit stets linear mit einem Anfangs- und einem Endpunkt. In der Schule, vor allem im Geschichtsunterricht, gibt es dieses geflügelte Wort des Zeitstrahls. Ich hatte mich schon damals oft gefragt, wie man Zeit auf einer Linie darstellen soll. Natürlich kann man dadurch gewählte Ereignisse in einer gewissen Relation zueinander darstellen, aber was passiert, wenn wir dies tun?

Wir verlieren den Blick für das Große und Ganze.

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Ich vergleiche dies gern mit einem Betrachter in einem Museum. Stellen wir uns vor, wir stehen vor einem Gemälde. Betrachten wir Zeit in einem Strahl, ist es so, als würden wir durch dünne Röhren auf das Bild blicken. Wir werden niemals das Bild in seiner Gesamtheit erkennen, stattdessen werden wir Abschnitte erblicken, die wir dann mehr oder weniger gut in unserem Kopf zusammensetzen.

Während meiner Recherchen zu diesem Thema habe ich nach einer anderen Vorstellung von Zeit gesucht, allerdings gibt es bislang nur die lineare und die zyklische Zeiteinteilung.

Zyklische Zeit bedeutet, dass sich Zeit nicht mit Uhren oder Messeinheiten, sondern sich mit Zyklen einteilen lässt. Vor allem Naturvölker und auch unsere Vorfahren hatten solch ein Zeitverständnis. Während wir einen Tag mit 24 Stunden definieren, war für unsere Vorfahren ein Tag vom Sonnenauf- bis zum Sonnenuntergang definiert.

Aber selbst zyklische Zeit ist letztlich eine andere Betrachtung von linearer Zeit, denn auch in einem Zyklus möchten wir einen Beginn und ein Ende ausmachen.

Wer mir bis hierher gefolgt ist, wird sich jetzt vermutlich fragen, wie man Zeit denn sonst definieren soll? Doch diese Frage möchte ich erst im nächsten Teil beantworten.

Stattdessen möchte ich noch ein paar Beispiele erwähnen, die mit unserem linearen Zeitverständnis zusammenhängen.

Die Frage danach, ob zuerst das Huhn oder das Ei da war, ist vielleicht das berühmteste Beispiel für die Schwierigkeit, Ereignisse linear zu ordnen. In unserer Vorstellung muss entweder das Tier oder das Ei zuerst dagewesen sein.

Auch die wissenschaftliche Erklärung für die Entstehung der Erde funktioniert ohne ein lineares Zeitverständnis nicht, denn man geht davon aus, dass es einen Beginn – den Urknall – und irgendwann auch ein Ende geben wird.

Wie sich die Sicht auf die Welt verändern kann, wenn man sich über dieses lineare Zeitverständnis hinausbewegt, zeige ich im nächsten Teil.

Über die Zeit – Teil 1

Nordische Mythologie – Bonus

Es gibt in meinen Augen noch ein paar Ergänzungen zu dem Thema der nordisch-germanischen Mythologie, die ich im laufenden Text thematisch einfach nicht wirklich unterbringen konnte. Deswegen reiche ich sie jetzt in diesem Bonus nach.

Der erste und vielleicht wichtigste Punkt ist das Erbe der nordischen Mythologie oder in Deutschland besser gesagt die Last dieser Mythologie. Den meisten Menschen sollte durchaus bewusst sein, dass die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler sehr viele Ideen und Überlegungen aus diesem Sagen- und Mythenkreis genommen haben.

Die vielleicht bekannteste Entlehnung ist das Hakenkreuz oder allgemeiner gesagt die Swastika. Es ist falsch, dass dieses Zeichen allein aus dem nordischen Raum stammt, denn es gibt archäologische Funde in Eurasien und Afrika, die eindeutig belegen, dass dieses Symbol keine Erfindung der Nordmänner ist. Bis heute gilt die Swastika etwa in den asiatischen Ländern als ein Symbol des Glücks. Hierzulande ist das sogenannte Hakenkreuz allerdings verboten.

Ebenfalls umstritten ist das Symbol der Schwarzen Sonne.

Black_Sun.svg
Schwarze Sonne (https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Sonne#/media/File:Black_Sun.svg)

Gemäß deutscher Rechtslage gehört es nicht zu den verfassungsfeindlichen und damit verbotenen Zeichen, dennoch steht es in einem starken Zusammenhang mit den Nationalsozialisten und speziell mit der SS. Häufig wird es auch von sogenannten rechtsesoterischen Gruppen benutzt.

Tatsächlich ist es so, dass die Nationalsozialisten sich fröhlich an vielen unterschiedlichen Mythen- und Sagenkreisen vergangen haben. Beispielsweise verwendeten sie Standarten, die es bereits im Römischen Reich gab. Auch der Glaube an die Arier entstammt einer östlichen Lehre, die diese Arier ebenfalls als Übermenschen oder als bessere Vorgängerversion der heutigen Menschen gesehen hat. Allerdings haben die Nationalsozialisten die Vorstellung, wie ein Arier aussieht, an ihre Bedürfnisse angepasst, denn laut diesen östlichen Lehren waren nicht alle Arier zwangsläufig groß, von weißer Hautfarbe und blond.

Weil ich oben die Schutzstaffel (SS) erwähnt habe, kann man auch hier den munteren geistigen Diebstahl der Nationalsozialisten sehen.

Seit 1929 unterstand die SS Heinrich Himmler und dieser Mann hatte einen gewissen Faible für Rittergeschichten und okkulte Vorkommnisse. In seiner Vorstellung wollte er die SS zu einer Art Ritterorden, eine Art Templer 2.0, formen. Dies gelang ihm teilweise und viele Mitglieder der SS teilten das Interesse an allem Okkulten.

Interessanterweise aber betrachteten sich die Mitglieder der SS nicht als Heiden oder Neu-Heiden. Sie sahen sich als wahre Christen an, auch wenn sie bestimmte heidnische Feste wie das Julfest begingen. Allein dieser Umstand zeigt, wie bizarr das Weltbild der Nationalsozialisten ausgesehen haben muss.

Allerdings darf man sich dieses wahre Christentum der SS-Mitglieder nicht so vorstellen, dass sie sich als Katholiken oder Protestanten sahen – der Papst oder der Vatikan etwa hatten für sie keinerlei Autorität. Vielmehr nahmen sie eine übergeordnete Stellung ein. Teilweise sahen sie sich sogar als die wahren Helfer und Handlanger Gottes.

Um diesen Umstand noch zu verdeutlichen, will ich hier noch vier Zitate von Adolf Hitler persönlich bringen, die sich in meiner Buchempfehlung Ásatrú befinden:

„Es wird solch ein Unsinn über Wotanskult und den Geist der Edda verbreitet […] Diese einfältigen Schwätzer haben keine Vorstellung davon, was ihr Gerde anrichtet.“

– Ásatrú: Die Rückkehr der Götter, S. 99

„Es erschiene mir unsagbar töricht, einen Wotanskult wiedererstehen zu lassen. Unsere alte Götter-Mythologie war überholt, war nicht mehr lebensfähig, als das Christentum kam. Es verschwindet immer nur, was reif ist unterzugehen!“

– Ásatrú: Die Rückkehr der Götter, S. 99

„Es ist das Charakteristische dieser Naturen, daß sie von altgermanischem Heidentum, von grauer Vorzeit, Steinäxten, Ger und Schild schwärmen, in Wirklichkeit aber die größten Feiglinge sind, die man sich vorstellen kann. Denn die gleichen Leute, die mit altdeutschen, vorsorglich nachgemachten Blechschwertern in den Lüften herumfuchteln, ein präpariertes Bärenfell mit Stierhörnern über dem bärtigen Haupte, predigen für die Gegenwart immer nur den Kampf mit den geistigen Waffen und fliehen vor jedem kommunistischen Gummiknüppel eiligst von dannen!“

– Ásatrú: Die Rückkehr der Götter, S. 99f

Und zu Himmlers speziellen Faible meinte Hitler:

„Welcher Unsinn! Jetzt sind wir endlich so weit, in eine Zeit zu kommen, die alle Mystik hinter sich gelassen hat, und nun fängt der wieder von vorne an. Da könnten wir auch gleich bei der Kirche bleiben. Die hat wenigstens Tradition. […] Warum stoßen wir die ganze Welt darauf, daß wir keine Vergangenheit haben? Nicht genug, daß die Römer schon große Bauten errichteten, als unsere Vorfahren noch in Lehmhütten hausten, fängt Himmler nun an, diese Lehmdörfer auszugraben und gerät in Begeisterung über jeden Tonscherben und jede Streitaxt, die er findet. Wir beweisen damit nur, daß wir noch mit Steinbeilen warfen, als sich Griechenland und Rom schon auf höchster Kulturstufe befanden. Wir hätten eigentlich allen Grund, über diese Vergangenheit stille zu sein.“

– Ásatrú: Die Rückkehr der Götter, S. 100

Ich denke, die Zitate zeigen sehr gut auf, was der Führer der Nationalsozialisten von dem Heidentum gehalten haben mag. Wer sich mehr mit dem Okkultismus und den Pseudo-Mystizismen der Nationalsozialisten beschäftigen möchte, dem sei Rüdiger Sünners Buch Schwarze Sonne empfohlen. Darin setzt sich Sünner sehr objektiv und wissenschaftlich mit dem okkulten Glauben des Dritten Reiches auseinander.

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Snorri Sturlusons Edda (http://www.hig.se/images/18.41f3c0f115680c4aaf3e82c8/1475247706079/edda3.jpg)

Ein anderer wichtiger Punkt, den ich hier nochmal erwähnen möchte, ist, dass es keine eindeutige Version der Sagen und Legenden des Nordens gibt. Ich hatte ja bereits auf Snorri Sturlusons Prosa-Edda verwiesen und auf die ältere Lieder-Edda. Beide Werke sind einige Jahrhunderte nach der eigentlichen Existenz der Menschen entstanden, die an diese Dinge glaubt haben.

Ich kann dies nicht oft genug betonen, denn wenn man sich im Internet mit Themen aus der Kategorie der nordischen Mythologie beschäftigt, kann man bei manchen Anbietern der Informationen das Gefühl bekommen, dass es vollkommen klar wäre, was er da schreibt und dass es keine Alternative gäbe.

Man darf nicht vergessen, dass jede heilige Schrift, wenn man die beiden Eddas denn als solche betrachten will, immer interpretiert werden kann und muss. Anhand des radikalen Islam können wir derzeit sehr gut sehen, was passiert, wenn man uralte Texte wortwörtlich auslegt.

Mehr Ergänzungen hatte ich eigentlich auch nicht zu machen, deswegen bedanke ich mich nochmal für die Aufmerksamkeit!

Nordische Mythologie – Bonus

Ein Pazifist beschäftigt sich mit Kriegsführung

Die Leute, die mich schon länger kennen und vielleicht auch meine Videos gesehen haben, werden wissen, dass ich mich selbst eher als einen Pazifisten bezeichnen würde. Sehr wohl ist mir aber bewusst, dass der Pazifismus genauso wie der Kommunismus eine Ideologie ist und manchmal muss man den Pfad einer Ideologie verlassen und sich dem Pragmatismus zuwenden. Vor allem wenn das Gegenüber, welches man mit diplomatischen Mitteln versucht, zu beruhigen, darauf nicht eingehen will und es stattdessen nach einer handfesten Auseinandersetzung sucht.

Im Zuge dieser Überlegung hielt ich es für spannend, mich mit Kriegsführung auseinanderzusetzen. Damit ist vor allem der theoretische Aspekt gemeint – strategische Überlegungen, taktisches Vorgehen, mentale und moralische Probleme und Möglichkeiten.

Ich muss dazu sagen, dass ich diesbezüglich kein unbeschriebenes Blatt bin. In meiner Jugend habe ich mich recht viel mit Schlachten der Geschichte beschäftigt und auch mit technischen Möglichkeiten und Mitteln des Militärs. Allerdings musste ich feststellen, dass mein Wissen völlig überholt war.

Es mag merkwürdig sein, doch auch als eher pazifistischer und friedliebender Mensch, der ich schon immer war, hat mich Militärtechnik irgendwie fasziniert. Es war wohl eine ähnliche Faszination, wie sie Kinder beim Anblick einer Dampflok empfinden mögen.

Ich weiß auch, dass sich beispielsweise viele Manager mit Kriegsführung auseinandersetzen. Es gibt wahnsinnig viele Seminare, in denen Geschäftsmänner Sunzis „Kunst des Krieges“ lesen und die dort vorgebrachten Vorgehensweisen auf ihr alltägliches und geschäftliches Leben übertragen. Im Falle des alten chinesischen Meisters mag dies funktionieren, da seine Handlungsanweisungen recht allgemein gehalten sind und sie sich deswegen leicht auch auf andere Bereiche des Lebens übertragen lassen. Bei modernen und vor allem spezifischen Werken funktioniert das nur noch sehr bedingt.

Aber darum ging es mir auch nicht primär. Ich wollte wissen, wie man heutzutage Kriege führt.

Also recherchierte ich ein wenig im Internet und stieß recht schnell auf William S. Lind. Der Mann ist heute 70 Jahre alt und hat Geschichte studiert. Außerdem gilt er als eine recht umstrittene und vor allem konservative Persönlichkeit. Aber er gilt vor allem auch als ein sehr guter Militärtheoretiker und Mitbegründer des sogenannten Fourth Generation Warfare, also der Kriegsführung der vierten Generation.

Besagter Lind hat auch ein kleines Buch herausgebracht namens 4th Generation Warfare Handbook. Leider gibt es das nur in der englischen Sprache und es ist manchmal etwas anstrengend, die ganzen Abkürzungen, die er aus dem Militärjargon verwendet, herauszufinden. Gemeint sind Kürzel wie etwa KIA, was killed in action, also getötet im Gefecht bedeutet.

Hat man sich aber einmal an diesen Jargon gewöhnt, liest sich das Buch erstaunlich flüssig und selbst für einen Menschen, der kein Militärtheoretiker ist, sind die darin enthaltenen Ausführungen sehr verständlich, weil er neben seinen theoretischen Ausführungen auch immer fiktive, aber dennoch praktische Anwendungen hinzufügt, beispielsweise als er Operation Goliath der Operation David gegenüberstellt.

Vielleicht kurz zur Erklärung: Beide Operationen sind fiktive Missionen im Inshallahland, einem fiktiven, islamisch geprägten Staat, in den die USA einmarschieren. Goliath beschreibt das übliche, uns sehr vertraute Vorgehen, bei dem die US-Army mit schweren Geräten in eine Stadt einmarschiert, Türen eintritt, Leute verhört und bedroht und sich letztlich mit der geballten Feindseligkeit der Bevölkerung konfrontiert sieht. David hingegen beschreibt ein subtileres Vorgehen, bei dem die Soldaten eben nicht als übermächtige Goliaths auftreten – daher die beiden Namen der Operationen nach der biblischen Geschichte. Stattdessen versuchen sich die US-Soldaten zu integrieren, in Kontakt mit der Bevölkerung zu treten, in dem sie etwa in örtlichen Läden einkaufen gehen oder in Hotels oder Pensionen übernachten, statt sich eine riesige Basis aufzubauen.

Das mag sich jetzt sehr banal anhören, aber Lind führt aus, welch gravierenden Unterschied es bei diesen beiden Vorgehensweisen gibt. Im Falle von Goliath ziehen die Soldaten sehr schnell den Hass der Einheimischen auf sich, weil sie sich eben als übermächtige und alles zerstörende Entität darstellen. So machen sie es dem Feind – in diesem Falle etwa Terroristen, die sich gegen die Besatzung wehren wollen – sehr leicht ein Feindbild zu kreieren. Im Falle von David hingegen lernen die Einheimischen die Soldaten als normale Menschen kennen. Sie sehen sie nicht nur als Männer und Frauen in Uniformen, was es ihnen wesentlich schwerer macht, sie zu hassen und später auch zu bekämpfen.

Es ist eine der wichtigsten und zentralsten Vorbereitungen für einen Krieg, den Gegner zu entmenschlichen. Schaut man sich etwa die Propaganda vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg an, in dem der jeweilige Feind immer als etwas Böses und Unmenschliches dargestellt wird, versteht man auch, wieso es den jeweiligen Soldaten so vergleichsweise leicht fiel, sein Gegenüber zu erschießen.

In unserer heutigen Zeit, in der wir Kriege führen können wie Videospiele an irgendwelchen Joysticks, braucht es so gut wie keine Propaganda mehr. Ein Drohnenpilot sieht seinen Gegner nicht direkt, höchstens als Darstellung auf einem Bildschirm und er muss auch keine Waffe halten oder einen Abzug drücken. Er muss lediglich einen roten Knopf an einem Joystick betätigen und feuert dann eine Rakete oder Maschinengewehrsalve ab.

Diese Entwicklung hat Vor- aber eben auch Nachteile. Ein Vorteil ist die Abkehr vom sogenannten Totalen Krieg. Gemeint ist hier nicht die berühmte Rede Goebbels, es geht viel mehr um ein militärtheoretisches Konzept, das einen Krieg als ein allumfassendes Phänomen beschreibt.

Üblicherweise waren Kriege immer Konflikte zwischen bewaffneten Männern. Doch spätestens im Zweiten Weltkrieg richtete sich der Krieg auch gegen die Zivilbevölkerung. Genau dieses Übergreifen von militärischem Personal auf Zivilisten beschreibt der Totale Krieg.

Mit modernen Kriegsmitteln wie etwa den Drohnen ist es heute möglich, sehr gezielte Angriffe vorzunehmen, wodurch Menschenleben geschont werden können. Glücklicherweise hat dieses Umdenken auch spätestens nach dem Vietnamkrieg eingesetzt.

Der größte Nachteil ist aber gleichzeitig auch die Entmenschlichung des Krieges. Denn wie oben beschrieben wird der bewaffnete Konflikt heute zu einem Videospiel.

Es ist ein bewiesenes Phänomen der Psychologie, dass es Menschen deutlich schwerer fällt, ein anderes Lebewesen eigenhändig zu töten, als irgendeinen Knopf zu drücken. Dabei geht es nicht mal darum, dass es weniger anstrengend wäre, jemanden zu erschießen, als ihn zu erwürgen. Der Punkt ist, wenn man jemanden erwürgt, sieht man seinem Gegenüber in der Regel ins Gesicht und man sieht den Ausdruck der blanken Angst. Manche Leute sagen auch, man sieht das Weiße im Auge des Feindes.

Wir kennen dieses Phänomen aus dem Reich der Tiere. Entgegen der weitverbreiteten Meinung töten Tiere sich nicht immer. Wenn sie Fleischfresser sind, töten sie andere Tiere, aber eben auch nicht aus Spaß. Es ist eine Notwendigkeit. Bei Revierkämpfen beispielsweise sterben Tiere selten, weil alle Tierarten die Aufgabe das Gegners akzeptieren. Viele Tiere präsentieren dann etwa ihren ungeschützten Bauch und für den Kontrahenten ist dies das Zeichen der Kapitulation.

Stellt man sich die Situation eines Drohnenpiloten vor, der seine Gegner maximal als kleine, ameisenartige Punkte auf einer Karte sieht, ist es nur zu leicht verständlich, wieso es einem solchen Piloten leicht fallen muss, den potenziell tödlichen Knopf zu betätigen.

Doch was bedeutet eigentlich nun diese Kriegsführung der vierten Generation?

Lind führt in seinem Buch aus, dass sich der moderne Krieg spätestens seit dem Vietnamkrieg verändert habe. Vorher haben Staaten gegeneinander Krieg geführt, aber schaut man sich heutige Schlachtfelder an, muss man feststellen, dass heute Staaten gegen nicht-staatliche Organisationen kämpfen wie etwa Terroristen. Um diesen verändertem Umstand Rechnung zu tragen, muss die Kriegsführung angepasst werden.

Zynisch gesagt: Der Krieg wird gewissermaßen weniger destruktiv. Denn statt mit einer gewaltigen Armee irgendwo einzumarschieren und alles einzuäschern, soll man sich nun auf kleine, konzentrierte Operationen verlassen.

Wie oben bereits ausgeführt hat diese Vorgehensweise das Ziel, die einheimische Bevölkerung nicht zu verärgern. Denn das grundsätzliche Problem im Kampf gegen Guerilla-Organisationen besteht darin, den eigentlichen Feind erst einmal zu erkennen.

Als Staaten gegen Staaten Krieg geführt haben, konnte man die Soldaten gut an ihren Uniformen erkennen. Im modernen Krieg kann jeder unscheinbare Zivilist einen Bombengürtel tragen und damit zu einer Gefahr werden.

Lind hat sehr gut erkannt, dass es vor allem der Hass der Zivilbevölkerung ist, der durch eventuell entstehende Schäden einmarschierender Truppen entsteht, der wiederum normale Zivilisten soweit radikalisieren kann, dass sie zu Selbstmordattentätern werden oder sich eben der jeweiligen Guerilla-Organisation anschließen.

Und genau dies mag der Grund sein, wieso es durchaus Sinn macht, sich als Pazifist mit dem Krieg zu beschäftigen. Denn was man vermeiden möchte, das muss man auch kennen und man kann etwas nur kennenlernen, wenn man sich damit beschäftigt.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Ein Pazifist beschäftigt sich mit Kriegsführung

G20 – ein Gedankenspiel

Man muss sich fragen, wie die Berichterstattung zum G20-Gipfel eigentlich ausgesehen hätte, wenn es keine „Linksautonomen“ oder „Radikalen“ gewesen wären, die dort gewütet haben? Was wäre passiert, wenn es die sogenannten „Rääächten“ gewesen wären, die Autos angezündet, Polizisten mit Feuerwerkskörpern, Steinen und Holzlatten, Dachziegeln und Gehwegplatten beworfen hätten? Würde man dann auch der Polizei die Schuld zuschieben wollen? Oder hätte sich die Politik dann geschlossen und solidarisch hinter die Einsatzkräfte gestellt und gesagt, man müsse mehr gegen solche Menschen unternehmen? Hätte es dann auch Linke und Grüne gegeben, die der Polizei immer wieder vorwerfen, sie habe eskalierend gewirkt? Oder hätten gerade diese Linken und Grünen noch gesagt, man sei nicht hart genug gegen diese bösen Nazis vorgegangen?

Das, was in Hamburg geschehen ist, sollte allen Menschen, die immer noch glauben, Linksextremismus sei kein ernsthaftes Problem, die Augen geöffnet haben. Es ist ein Lehrstück in Janusköpfigkeit und Doppelmoral, und es ist ein Staatsversagen, kein Versagen der Polizei, denn die hat ihre Möglichkeiten ausgereizt. Aber wie soll die kaputtgesparte Polizei denn auch die Fehler dieser völlig unfähigen Politiker in nur wenigen Tagen ungeschehen machen? Wie sollen sie eine jahrelange Blindheit auf dem linken Auge so schnell wieder heilen? Und ich bin mir sicher – natürlich tönen diese fehlerhaften Politiker jetzt besonders laut, man müsse gegen diese „Randalierer“ vorgehen und jeder dieser „Protestierenden“ sei ein Mörder – aber es wird nichts geschehen. Der neue und politisch linke Faschismus wird weiter geduldet werden und er wird weiter wachsen und solche Szenen werden sich immer und immer und immer wieder wiederholen, und man wird immer der Polizei die Schuld zuschieben wollen, denn es erscheint diesen linken Subjekten einfach als normal, dass die Polizei, die als Symbol eines unterdrückenden Staates in deren Augen gesehen wird, das Böse schlechthin ist. Es wäre schön, wenn es anders käme, aber mittlerweile habe ich jegliche Hoffnung in diese Parodie einer Regierung verloren.

G20 – ein Gedankenspiel

Die (fremde) Welt des Schamanismus – Teil 1

Ich hatte ja in meinem letzten Artikel bereits angekündigt, dass ich mich mit Themen beschäftige, die den meisten Menschen wohl recht exotisch erscheinen. Und ich glaube auch, dass dieses Thema exotisch ist. Angesichts unserer, also der europäischen, Geschichte ist das auch nicht weiter verwunderlich, denn der Schamanismus ist das, was die Kirche lange Zeit als Ketzerei oder Heidentum gebrandmarkt hatte. Mit der Folge, dass alle Menschen, die derartige Praktiken vollzogen oder daran glaubten, getötet oder zwangsweise konvertiert wurden.

Umso interessanter erscheint es mir aber, sich jetzt wieder mit diesen Dingen zu beschäftigen. Denn den Schamanismus findet man überall auf der Welt. Viele Menschen mögen die klischeehafte Vorstellung haben, dass es solche Glaubensrichtungen – ich würde es eher als eine Philosophie bezeichnen – nur in Mittel- und Südamerika gibt. Die Wahrheit ist aber, dass es den Schamanismus überall in Europa gab, heute findet man ihn vor allem in Osteuropa und bei den Samen im Norden Skandinaviens. Aber es gibt auch durchaus schamanische Tendenzen in Nordamerika, und hier seien nicht nur die Ureinwohner gemeint, oder beispielsweise, auch zu meiner eigenen Überraschung, in Japan und Südostasien.

Was wirklich faszinierend an diesem Phänomen ist, ist die Tatsache, dass der Schamanismus in seinen Grundzügen überall nach den gleichen „Regeln“ zu funktionieren scheint. Und ich meine, es ist schon irgendwie komisch, dass Schamanen in Australien sich nicht sonderlich groß von Kollegen in Europa oder Nordamerika unterscheiden. Immerhin liegen hier mehrere Meere und Kontinente zwischen ihnen.

Natürlich sind die feinen Details und die einzelnen Bezeichnungen der jeweiligen Kulturen anders. In Australien beispielsweise wird ein Fels angebetet, den Ayers Rock oder Uluru, was in den Gebieten Nordamerikas, in denen die Steppe vorherrscht, natürlich eher weniger gut funktioniert. Aber die groben Züge, wie etwa der Respekt vor allen Lebewesen und der Glaube, dass Geister eine wichtige Rolle im Leben der Menschen spielen, haben alle schamanischen Richtungen gemeinsam.

Doch zuerst will ich kurz erklären, wie ich eigentlich zu dem Thema gekommen bin, weil es eine eher kuriose Geschichte ist, die ich mir selbst nicht wirklich erklären kann. Tatsächlich habe ich einen Fantasy-Roman gelesen, in dem Schamanen eine wichtige Rolle spielten. Da wurden auch viele Dinge benutzt und erwähnt, die es im „echten“ Schamanismus tatsächlich gibt, also die Anrufung von Geistern oder die Lehre von den Elementen, aber ich habe mich irgendwie dennoch gefragt, wie viel Wahrheit in diesen Beschreibungen denn wirklich steckt. Ich kann nicht mal erklären, wieso ich dieses Interesse entwickelt habe, denn vorher habe ich mich für Dinge, die in irgendeiner Form mit dem Glauben an übernatürliche oder geisterhafte Erscheinungen in Verbindung stehen, selten bis gar nicht ernsthaft interessiert.

Ich habe zwar ein gewisses Faible für okkulte Dinge, aber nicht unbedingt, weil ich wirklich daran glaube. Es ist viel eher, weil mich das vermeintlich Böse, das hinter diesen Dingen oftmals vermutet wird, fasziniert und weil ich der Ansicht bin, dass es das Böse nicht gibt.

Wahrscheinlich bin ich schlichtweg zu sehr Atheist, um daran glauben zu können, dass es so etwas wie Geister geben kann. Sehr wohl respektiere ich aber Kulturen, in denen es eine Ahnenverehrung gibt, wie wir sie beispielsweise bei den Asiaten antreffen können. Doch für mich war das Konzept, dass mein Groß- oder Urgroßvater mich beobachten und irgendwie meine Wege beeinflussen könnte, sehr suspekt.

Allerdings muss ich auch gestehen, dass sich dieses Verhältnis nach der Beschäftigung mit dem Schamanismus nur ein wenig verändert hat, ich sehe die Sache jetzt etwas entspannter, aber ich kann einfach nicht daran glauben, dass meine Ahnen mich irgendwie beobachten.

Jedenfalls habe ich, wie es wohl viele junge Menschen heute machen, erst einmal bei Wikipedia und allgemein im Netz gestöbert. Immer eine gute Vorgehensweise um herauszufinden, ob ein Thema genügend Stoff hergibt. Und als ich feststellen musste, dass es wirklich interessant ist, habe ich mir von Michael Harner das Buch Der Weg des Schamanen: Das praktische Grundlagenwerk zum Schamanismus besorgt, einfach weil es als das Standardwerk angepriesen wurde, wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, vor allem auch weil es eben den core-shamanism, also die grundlegendsten Grundlagen des Schamanismus behandelt und deswegen auch ein idealer Einstieg für einen Menschen darstellt, der mit dem Thema sonst keine Berührungen hat.

Ich will aber auch gleich vorweg schicken, dass ich keinesfalls ein Experte in diesem Thema bin, da ich zu keiner Zeit die Möglichkeit hatte, zu einem Stamm von Menschen zu reisen, der den Schamanismus praktiziert, im Gegensatz zu Michael Harner, der lange Zeit mit solchen Menschen verbracht hat und gerade wegen diesen Menschen erst einmal auf die Idee gekommen ist, so beschreibt er es auch in dem Buch, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Eigentlich ging es ihm aber eher darum, die religiösen Vorstellungen dieser Menschen besser verstehen zu wollen.

Aus diesem Grund kann man allgemein schon sagen, dass der Schamanismus zum Teil eine Religion ist in dem Sinne zumindest, dass man einen gewissen Glauben besitzt. Nur beschränkt sich eben dieser Glaube nicht auf einen Punkt, den man dann Gott oder Allah nennt. Vielmehr sieht ein Schamane in jedem Lebewesen, egal ob Tier oder Pflanze, ein Stück Göttlichkeit, um es in unseren westlichen Worten auszudrücken.

Dieser Umstand beispielsweise hat mich sehr an den Buddhismus erinnert und während meiner Internetrecherche habe ich auch immer wieder in verschiedenen Foren gelesen, dass es teilweise große Überschneidungen zwischen dem Buddhismus und dem Schamanismus gibt.

Und eine weitere wichtige Überschneidung ist die Art der praktischen Umsetzung. Während ein Christ also beispielsweise bestimmte Rituale vollzieht, er betet, geht zur Kirche, unternimmt der Schamane meist sogenannte schamanische Reisen, die sich am ehesten mit der Meditation im Buddhismus vergleichen lassen. Jetzt denken viele Menschen wohl, dass sich diese Leute dann zu dröhnen mit irgendwelchen Drogen. Ja, solche Praktiken gibt es durchaus. Harner beschreibt es auch in seinem Buch und bei seinem ersten Erlebnis, bei dem er tatsächlich etwas getrunken hat, dass drogenähnliche Wirkungen auf ihn hatte. Aber er beschreibt eben auch, dass eine Vielzahl von schamanischen Praktiken gibt, die keinerlei Drogen bedürfen.

Wenn man keine Drogen nehmen will, kann man sich auch mit Musik in einen Zustand versetzen, der einem die schamanische Reise ermöglicht. Im Grunde handelt es sich dabei um einfache Trommelmusik, manchmal kombiniert mit einer Rassel. Im Buch wird immer wieder darauf verwiesen, dass man sich einen Partner suchen solle, der eine Trommel schlagen kann, aber mittlerweile gibt es auch viele digitale Möglichkeiten, so etwas umzusetzen. Tatsächlich gibt es sogar für iOS – bei Android finden sich sicher weitaus mehr Angebote – Apps, die das schamanische Trommeln anbieten.

Aber bevor man sich jetzt solche Apps herunterlädt oder bei Streaming-Diensten nach Alben mit solcher Musik sucht – ja, die gibt es tatsächlich auch -, sollte man erst einmal verstehen, wie diese Reise genau funktioniert, denn mit dem Hören der Musik ist es nicht getan.

Zuerst einmal muss man seinen Kopf und seine Gedanken von allem befreien. Man darf an nichts denken, keine Sorgen dürfen die Gedanken irgendwie vernebeln. Allein das zu bewerkstelligen, stellt für manche Menschen schon eine gewisse Hürde dar, denn wann man im Leben wird man zu solch einem Vorgehen aufgefordert? Ich selbst kenne diese Aufforderung auch aus der buddhistischen Meditationspraxis und mir ist das niemals schwer gefallen, weil ich generell einen freien Kopf habe. Aber um dem geneigten Leser und der geneigten Leserin vielleicht zu helfen, kann man diesen Schritt im Kopf, in den Gedanken bei geschlossenen Augen visualisieren.

Also stellen Sie sich einfach all ihre Sorgen wie in einer Reihe vor, als würden sie an einer Kasse im Supermarkt stehen. Und dann fertigen Sie jede Sorge ab. Schieben Sie die Sorgen einfach weg, aus Ihrem Blickfeld heraus, das reicht schon vollkommen. Erheben Sie keinesfalls den Anspruch, all diese Sorgen wirklich zu lösen, denn dann werden Sie vermutlich aus dem Grübeln nicht mehr herauskommen. Selbst kleine, alltägliche Sorgen wie ein anstehender Zahnarzttermin – ich weiß, für manche bedeutet das auch eine große, beängstigende Sorge – oder den Umstand, dass Sie noch einkaufen gehen müssen, alles das müssen Sie von sich schieben.

Ich weiß, dass das leichter geschrieben ist, als man es vielleicht umsetzen kann. Aber mit ein wenig Übung wird es funktionieren und vor allem werden Sie schon dann merken, dass Sie deutlich entspannter sind. Denn das, was uns wirklich oft Verspannungen zufügt, sind genau solche Sorgen, die sich dann als körperliches Symptom verfestigen.

Haben Sie diesen Schritt geschafft, beginnt die eigentliche Visualisierung.

Im Buch wird beschrieben, dass man sich ein Loch, einen Höhleneingang oder irgendetwas vorstellen soll, dass ins Innere der Erde führt. Allerdings betont Harner, dass es sich um etwas aus Ihrer Erinnerung handeln müsse. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass es durchaus auch mit Dingen funktioniert, die Sie nicht selbst gesehen haben. Vermutlich können Sie sich auch eine Höhle aus einem Film vorstellen. Wichtig ist nur, und jetzt wird es etwas schwammig, aber Harner schreibt es auch selbst so, dass Sie ein gutes Gefühl haben müssen, wenn Sie es sich vorstellen. Also Sie dürfen sich nichts vorstellen, was Sie in irgendeiner Form ängstigt oder verstört.

Sie sollten sich diese Höhle oder das Loch wirklich bildlich vorstellen können, als würden Sie es in Ihren Gedanken begehen wollen.

Jetzt sollten Sie die Trommelmusik zum Einsatz bringen, denn sie wird Sie in diesen veränderten Bewusstseinszustand versetzen. Seien Sie sich aber im Klaren darüber, dass dieser Zustand nicht sofort eintritt mit dem ersten Trommelschlag. Sie müssen schon etwas Geduld beweisen, die Musik auf sich wirken lassen und gleichzeitig an diesem Ort bleiben in Ihren Gedanken. Je entspannter Sie dabei sind, desto schneller wird das klappen.

Wenn alles gut läuft – ich sollte vielleicht erwähnen, dass solche Sachen nicht bei allen Menschen funktionieren -, wird sich etwas in Ihrem Inneren verändern und Sie werden fast schon den Drang verspüren, in dieses Loch oder diese Höhle hineinzugehen.

Jetzt kommt wieder einer dieser verbindenden Punkte, die man bei allen Schamanen auf der Welt findet: Es wird kein „logischer“ Tunnel vor Ihnen liegen. In der Regel werden Sie einen Tunnel aus konzentrischen Kreisen sehen. Manche Menschen mit viel Fantasie kann das verschrecken, weil dieses Bild relativ häufig dem Schlund einer riesigen Bestie gleicht, aber Sie sollten keine Angst haben, denn Ihnen wird nichts geschehen.

Im Gegensatz beispielsweise zur Hypnose, die auf demselben Prinzip beruht, hat man bei einer solchen Reise immer die volle Kontrolle über sich selbst. Das heißt, wenn Sie sich unwohl fühlen oder unsicher sind, können Sie jederzeit umkehren. Man kann vielleicht auch sagen, dass diese Reise wie ein Traum ist, den Sie selbst kontrollieren können, der Ihnen aber zugleich absolut real vorkommt.

Was nach dem Tunnel passiert, variiert. In jedem Fall müssen Sie diesen Tunnel durchschreiten, manche Menschen haben auch das Gefühl, dass sie durch den Tunnel fliegen, weil sie sich ungewöhnlich schnell bewegen. Bei der ersten Reise etwas zu fühlen, zeugt übrigens davon, dass Sie ein großer Schamane werden können. In der Regel sagt man, sieht man zuerst, dann hört man und zum Schluss fühlt man.

Ich kann kurz schildern, was bei meiner ersten Reise passiert ist.

Vor einiger Zeit war ich mal in den Feengrotten in Thüringen. Dort gab es eine Besichtigung des Bergwerkes und einen dunklen Stollen, ich glaube, er wurde Barbara-Stollen genannt, der mich irgendwie fasziniert hat. Genau diesen Stollen habe ich mir vorgestellt, während meiner ersten Reise. Schon damals habe ich mich gefragt, was sich dahinter wohl verbergen könnte. In meinem Fall war der Tunnel eher eine Röhre aus Kreisen. Wer schonmal die Speiseröhre eines Tieres gesehen hat, so ähnlich sah der Tunnel für mich aus. Aus welchem Material er genau bestand, kann ich nicht mal sagen, zumindest sah es für mich nicht nach Stein, eher nach Kristallen aus.

Am Ende dieses Tunnels kam ich schließlich auf eine weite, grüne Ebene, die mir grenzenlos erschien. Über mir war ein perfekter, blauer Himmel, keinerlei Wolken, aber auch keine Sonne waren zu sehen. Ich bin dann ein bisschen über diese Ebene gelaufen, allerdings konnte ich sie nicht wirklich erkunden, weil die Musik dann allmählich zum Schluss kam.

Prinzipiell gibt es zwei Wege zurückzukommen: Entweder geht man freiwillig oder die Musik endet und meist kehrt man dann, so war es bei mir, vollkommen automatisch zurück. Für mich war es, als würde man die Reise einfach zurückspulen.

Natürlich erschöpft sich das Thema mit dieser Reise nicht, aber damit der Artikel nicht zu lang wird, denke ich, wird es gut sein, ihn aufzuteilen. Zumindest kann man, wenn man diesen ersten Teil gelesen hat, theoretisch gesehen, die ersten Erfahrungen machen. Aber ich muss noch vor einer Sache warnen:

Die Reise an sich ist nicht gefährlich, ja, aber es gibt eine Sache, die man beachten muss: Halten Sie sich immer während Ihrer Reisen von Insekten, Fischen oder Schlagen fern, die Ihre Zähne zeigen! Tiere sind generell nie gefährlich in dieser anderen Welt, außer dann wenn sie ihre Zähne offen präsentieren! 

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und viel Spaß bei der ersten, eigenen Reise!

Die (fremde) Welt des Schamanismus – Teil 1

Der (wahrscheinlich) letzte politische Artikel

CETA kommt also doch, so will es das Konvent der SPD.

Für mich hat das zwei Konsequenzen:

Einerseits bin ich mit der Politik dieses Landes durch. Diese Entscheidung zeigt mehr als deutlich genug, dass wir regiert werden und nicht, wie es uns immer suggeriert wird, als Volk regieren. Alle Macht geht nicht vom Volke aus, so müsste man es mittlerweile ins Grundgesetz der Bundesrepublik schreiben. Ich meine, wie viele Menschen müssen noch gegen diese sinnlosen Freihandelsabkommen auf die Straße gehen? Wie viele Protestler braucht es, ehe die Regierung den Souverän wohl anhört?

Andererseits werde ich meine Lebenszeit jetzt nicht mehr so viel mit politischen Themen verschwenden, was auch bedeutet, dass ich wesentlich weniger zu politischen Themen schreiben werde. Stattdessen will ich mich endlich auch mal wieder mit für mich sinnvolleren und für viele Menschen exotischeren Themen auseinandersetzen.

Man könnte wohl auch sagen, dass ich wieder zu den ursprünglichen Wurzeln meiner Arbeit zurückkehre.

Aber als letzte Botschaft will ich nur noch sagen: Wer jetzt noch die SPD wählt, dem ist schlichtweg nicht mehr zu helfen. Diese Partei hat sich gern als diejenige bezeichnet, die sich für den „kleinen Mann“ einsetzen, die sozial sein möchte, aber scheinbar haben diese hehren Ideale kaum noch Geld … ich meine natürlich, Wähler eingebracht. Das ist dann wohl die Neue Linke – nach außen für Frieden und soziale Gerechtigkeit und im Inneren immer im Rektum der großen Konzerne …

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Der (wahrscheinlich) letzte politische Artikel