Ein Pazifist beschäftigt sich mit Kriegsführung

Die Leute, die mich schon länger kennen und vielleicht auch meine Videos gesehen haben, werden wissen, dass ich mich selbst eher als einen Pazifisten bezeichnen würde. Sehr wohl ist mir aber bewusst, dass der Pazifismus genauso wie der Kommunismus eine Ideologie ist und manchmal muss man den Pfad einer Ideologie verlassen und sich dem Pragmatismus zuwenden. Vor allem wenn das Gegenüber, welches man mit diplomatischen Mitteln versucht, zu beruhigen, darauf nicht eingehen will und es stattdessen nach einer handfesten Auseinandersetzung sucht.

Im Zuge dieser Überlegung hielt ich es für spannend, mich mit Kriegsführung auseinanderzusetzen. Damit ist vor allem der theoretische Aspekt gemeint – strategische Überlegungen, taktisches Vorgehen, mentale und moralische Probleme und Möglichkeiten.

Ich muss dazu sagen, dass ich diesbezüglich kein unbeschriebenes Blatt bin. In meiner Jugend habe ich mich recht viel mit Schlachten der Geschichte beschäftigt und auch mit technischen Möglichkeiten und Mitteln des Militärs. Allerdings musste ich feststellen, dass mein Wissen völlig überholt war.

Es mag merkwürdig sein, doch auch als eher pazifistischer und friedliebender Mensch, der ich schon immer war, hat mich Militärtechnik irgendwie fasziniert. Es war wohl eine ähnliche Faszination, wie sie Kinder beim Anblick einer Dampflok empfinden mögen.

Ich weiß auch, dass sich beispielsweise viele Manager mit Kriegsführung auseinandersetzen. Es gibt wahnsinnig viele Seminare, in denen Geschäftsmänner Sunzis „Kunst des Krieges“ lesen und die dort vorgebrachten Vorgehensweisen auf ihr alltägliches und geschäftliches Leben übertragen. Im Falle des alten chinesischen Meisters mag dies funktionieren, da seine Handlungsanweisungen recht allgemein gehalten sind und sie sich deswegen leicht auch auf andere Bereiche des Lebens übertragen lassen. Bei modernen und vor allem spezifischen Werken funktioniert das nur noch sehr bedingt.

Aber darum ging es mir auch nicht primär. Ich wollte wissen, wie man heutzutage Kriege führt.

Also recherchierte ich ein wenig im Internet und stieß recht schnell auf William S. Lind. Der Mann ist heute 70 Jahre alt und hat Geschichte studiert. Außerdem gilt er als eine recht umstrittene und vor allem konservative Persönlichkeit. Aber er gilt vor allem auch als ein sehr guter Militärtheoretiker und Mitbegründer des sogenannten Fourth Generation Warfare, also der Kriegsführung der vierten Generation.

Besagter Lind hat auch ein kleines Buch herausgebracht namens 4th Generation Warfare Handbook. Leider gibt es das nur in der englischen Sprache und es ist manchmal etwas anstrengend, die ganzen Abkürzungen, die er aus dem Militärjargon verwendet, herauszufinden. Gemeint sind Kürzel wie etwa KIA, was killed in action, also getötet im Gefecht bedeutet.

Hat man sich aber einmal an diesen Jargon gewöhnt, liest sich das Buch erstaunlich flüssig und selbst für einen Menschen, der kein Militärtheoretiker ist, sind die darin enthaltenen Ausführungen sehr verständlich, weil er neben seinen theoretischen Ausführungen auch immer fiktive, aber dennoch praktische Anwendungen hinzufügt, beispielsweise als er Operation Goliath der Operation David gegenüberstellt.

Vielleicht kurz zur Erklärung: Beide Operationen sind fiktive Missionen im Inshallahland, einem fiktiven, islamisch geprägten Staat, in den die USA einmarschieren. Goliath beschreibt das übliche, uns sehr vertraute Vorgehen, bei dem die US-Army mit schweren Geräten in eine Stadt einmarschiert, Türen eintritt, Leute verhört und bedroht und sich letztlich mit der geballten Feindseligkeit der Bevölkerung konfrontiert sieht. David hingegen beschreibt ein subtileres Vorgehen, bei dem die Soldaten eben nicht als übermächtige Goliaths auftreten – daher die beiden Namen der Operationen nach der biblischen Geschichte. Stattdessen versuchen sich die US-Soldaten zu integrieren, in Kontakt mit der Bevölkerung zu treten, in dem sie etwa in örtlichen Läden einkaufen gehen oder in Hotels oder Pensionen übernachten, statt sich eine riesige Basis aufzubauen.

Das mag sich jetzt sehr banal anhören, aber Lind führt aus, welch gravierenden Unterschied es bei diesen beiden Vorgehensweisen gibt. Im Falle von Goliath ziehen die Soldaten sehr schnell den Hass der Einheimischen auf sich, weil sie sich eben als übermächtige und alles zerstörende Entität darstellen. So machen sie es dem Feind – in diesem Falle etwa Terroristen, die sich gegen die Besatzung wehren wollen – sehr leicht ein Feindbild zu kreieren. Im Falle von David hingegen lernen die Einheimischen die Soldaten als normale Menschen kennen. Sie sehen sie nicht nur als Männer und Frauen in Uniformen, was es ihnen wesentlich schwerer macht, sie zu hassen und später auch zu bekämpfen.

Es ist eine der wichtigsten und zentralsten Vorbereitungen für einen Krieg, den Gegner zu entmenschlichen. Schaut man sich etwa die Propaganda vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg an, in dem der jeweilige Feind immer als etwas Böses und Unmenschliches dargestellt wird, versteht man auch, wieso es den jeweiligen Soldaten so vergleichsweise leicht fiel, sein Gegenüber zu erschießen.

In unserer heutigen Zeit, in der wir Kriege führen können wie Videospiele an irgendwelchen Joysticks, braucht es so gut wie keine Propaganda mehr. Ein Drohnenpilot sieht seinen Gegner nicht direkt, höchstens als Darstellung auf einem Bildschirm und er muss auch keine Waffe halten oder einen Abzug drücken. Er muss lediglich einen roten Knopf an einem Joystick betätigen und feuert dann eine Rakete oder Maschinengewehrsalve ab.

Diese Entwicklung hat Vor- aber eben auch Nachteile. Ein Vorteil ist die Abkehr vom sogenannten Totalen Krieg. Gemeint ist hier nicht die berühmte Rede Goebbels, es geht viel mehr um ein militärtheoretisches Konzept, das einen Krieg als ein allumfassendes Phänomen beschreibt.

Üblicherweise waren Kriege immer Konflikte zwischen bewaffneten Männern. Doch spätestens im Zweiten Weltkrieg richtete sich der Krieg auch gegen die Zivilbevölkerung. Genau dieses Übergreifen von militärischem Personal auf Zivilisten beschreibt der Totale Krieg.

Mit modernen Kriegsmitteln wie etwa den Drohnen ist es heute möglich, sehr gezielte Angriffe vorzunehmen, wodurch Menschenleben geschont werden können. Glücklicherweise hat dieses Umdenken auch spätestens nach dem Vietnamkrieg eingesetzt.

Der größte Nachteil ist aber gleichzeitig auch die Entmenschlichung des Krieges. Denn wie oben beschrieben wird der bewaffnete Konflikt heute zu einem Videospiel.

Es ist ein bewiesenes Phänomen der Psychologie, dass es Menschen deutlich schwerer fällt, ein anderes Lebewesen eigenhändig zu töten, als irgendeinen Knopf zu drücken. Dabei geht es nicht mal darum, dass es weniger anstrengend wäre, jemanden zu erschießen, als ihn zu erwürgen. Der Punkt ist, wenn man jemanden erwürgt, sieht man seinem Gegenüber in der Regel ins Gesicht und man sieht den Ausdruck der blanken Angst. Manche Leute sagen auch, man sieht das Weiße im Auge des Feindes.

Wir kennen dieses Phänomen aus dem Reich der Tiere. Entgegen der weitverbreiteten Meinung töten Tiere sich nicht immer. Wenn sie Fleischfresser sind, töten sie andere Tiere, aber eben auch nicht aus Spaß. Es ist eine Notwendigkeit. Bei Revierkämpfen beispielsweise sterben Tiere selten, weil alle Tierarten die Aufgabe das Gegners akzeptieren. Viele Tiere präsentieren dann etwa ihren ungeschützten Bauch und für den Kontrahenten ist dies das Zeichen der Kapitulation.

Stellt man sich die Situation eines Drohnenpiloten vor, der seine Gegner maximal als kleine, ameisenartige Punkte auf einer Karte sieht, ist es nur zu leicht verständlich, wieso es einem solchen Piloten leicht fallen muss, den potenziell tödlichen Knopf zu betätigen.

Doch was bedeutet eigentlich nun diese Kriegsführung der vierten Generation?

Lind führt in seinem Buch aus, dass sich der moderne Krieg spätestens seit dem Vietnamkrieg verändert habe. Vorher haben Staaten gegeneinander Krieg geführt, aber schaut man sich heutige Schlachtfelder an, muss man feststellen, dass heute Staaten gegen nicht-staatliche Organisationen kämpfen wie etwa Terroristen. Um diesen verändertem Umstand Rechnung zu tragen, muss die Kriegsführung angepasst werden.

Zynisch gesagt: Der Krieg wird gewissermaßen weniger destruktiv. Denn statt mit einer gewaltigen Armee irgendwo einzumarschieren und alles einzuäschern, soll man sich nun auf kleine, konzentrierte Operationen verlassen.

Wie oben bereits ausgeführt hat diese Vorgehensweise das Ziel, die einheimische Bevölkerung nicht zu verärgern. Denn das grundsätzliche Problem im Kampf gegen Guerilla-Organisationen besteht darin, den eigentlichen Feind erst einmal zu erkennen.

Als Staaten gegen Staaten Krieg geführt haben, konnte man die Soldaten gut an ihren Uniformen erkennen. Im modernen Krieg kann jeder unscheinbare Zivilist einen Bombengürtel tragen und damit zu einer Gefahr werden.

Lind hat sehr gut erkannt, dass es vor allem der Hass der Zivilbevölkerung ist, der durch eventuell entstehende Schäden einmarschierender Truppen entsteht, der wiederum normale Zivilisten soweit radikalisieren kann, dass sie zu Selbstmordattentätern werden oder sich eben der jeweiligen Guerilla-Organisation anschließen.

Und genau dies mag der Grund sein, wieso es durchaus Sinn macht, sich als Pazifist mit dem Krieg zu beschäftigen. Denn was man vermeiden möchte, das muss man auch kennen und man kann etwas nur kennenlernen, wenn man sich damit beschäftigt.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Advertisements
Ein Pazifist beschäftigt sich mit Kriegsführung

Wenn Pazifismus nicht mehr ausreicht …

Wann haben die Völker Europas eigentlich verlernt, sich gegen einen offensichtlichen Feind zur Wehr zu setzen? Natürlich hat Europa mitunter die schlimmsten Kriege erleben müssen und deswegen ist es vollkommen nachvollziehbar, dass man nun jeden noch so kleinen Konflikt vermeiden möchte. Aber wenn man es mit einem Gegner zu tun bekommt, der kein Interesse an Diplomatie, kein Interesse an einer fairen und friedlichen Auseinandersetzung hat, dann bleibt nur noch der Griff zu den Waffen. Und genau solch einen Feind gibt es und er hat bereits mehrere Angriffe auf Europa verübt: Paris, Berlin, Stockholm, Nizza, St. Petersburg und die Liste könnte weiter fortgesetzt werden.

Der Feind, dem wir uns gegenübersehen, ist kein üblicher Feind. Es handelt sich nicht um einen echten Staat, mit dem wir in Verhandlungen treten könnten oder den man mit konventionellen Waffen bekämpfen könnte. Dieser Feind ist feige, kämpft nur aus dem Untergrund, gibt sich selten zu erkennen, außer dann, wenn er einen Angriff wagt. Er muss so agieren, weil er genau weiß, dass er gegen die Waffengewalt Europas und Nordamerikas – denn auch dort findet er immer wieder Ziele – keinerlei Chance hätte. Würde er den offenen Kampf suchen, würde er innerhalb weniger Stunden vernichtet werden.

Dieser Feind folgt einer krankhaften Ideologie und gerade deswegen, weil er ideologisch verblendet und vollkommen fanatisch ist, wird er niemals aufgeben. Wir haben ihm mehr als genug Angebote gemacht. Wir haben ihm gesagt, dass er hier leben kann, wenn er eine Bedingung akzeptiert, die elementar und stellvertretend für die europäische Idee ist: In Europa ist jeder Mensch gleich unabhängig seiner Religion, seiner Hautfarbe, seiner sexuellen Orientierung, seines Auftretens. Der Grund für diese Idee liegt in der europäischen Geschichte begründet, denn es gab schon einmal eine fanatische Religion, die Europa in ein dunkles Zeitalter ohne technischen Fortschritt und mit zahllosen Toten geführt hat.

Wann werden die europäischen Völker bemerken, dass sich diese Begebenheit wiederholen könnte?

Wenn Pazifismus nicht mehr ausreicht …

Der Umgang mit dem Islam in China, Japan und Korea

Immer wieder hören wir in Europa von Anschlägen. Islamistischen Anschlägen. Man könnte fast meinen, dass es zu einer alltäglichen Begebenheit werden könnte. Umso wichtiger wäre es doch vielleicht einmal zu schauen, wie eigentlich andere Länder mit dem Islam umgehen. Und da ich eine Vorliebe für China und Japan habe, liegt es für mich sehr nahe, mich genau mit diesen Ländern zu beschäftigen. Als kleinen Zusatz, allerdings habe ich da nur Informationen aus Südkorea, möchte ich auch mal einen Blick dorthin werfen.

Der Anlass für diese Betrachtung war ein Artikel der Zeit Online. Dort wurde über eine neue, umstrittene Gesetzgebung der chinesischen Regierung in der Provinz Xinjiang berichtet. Xinjiang liegt im Westen, ist ungefähr dreimal so groß wie Deutschland, allerdings deutlich dünner besiedelt. Was diese Provinz aber auszeichnet, ist ihr vergleichsweise hoher Anteil an Islamisten. Xinjiang gilt schon seit längerer Zeit als eine „Unruheprovinz“ und wenn die kommunistische Führung eine Sache im bevölkerungsreichsten Land der Erde nicht gebrauchen kann, dann ist es Unruhe.

Ich möchte nur kurz auf den genannten Artikel eingehen.

Leider unterschlägt der Artikel nämlich einige Informationen, die dieses Vorgehen deutlich besser erklären, als die angeblich so wichtige strategische Position der Provinz. Und da man allgemein eher wenige Nachrichten und wenn dann die üblichen Verstöße gegen die westlichen Menschenrechte aus China mitbekommt, ist es umso wichtiger, etwas weiter auszuholen.

Vielen Menschen dürfte vielleicht gar nicht bekannt sein, dass es in der Volksrepublik schon seit einiger Zeit terroristische Attacken gibt.

Auffällig ist bei diesen, dass sie einen ähnlichen Charakter haben wie die Terrorangriffe im Nahen und Mittleren Osten: Man setzt verstärkt auf Bombenanschläge oder Selbstmordattentate.

So gab es beispielsweise schon 1993 einen Bombenanschlag in der chinesischen Stadt Ürümqi. Knappe zwanzig Jahre später gab es auch mehrere Messerstechereien – ebenfalls eine Art des Terrors, die sich verstärkt auch in Europa beobachten lässt – und schließlich sogar einen Selbstmordanschlag in Ürümqi. Allerdings begrenzen sich die terroristischen Aktionen nicht allein auf die sogenannte „Unruheprovinz“. 1997 etwa gab es einen Bombenanschlag auf einen Bus in Peking. In Guandong kamen 2009 zwei Menschen bei einem weiteren Terrorangriff ums Leben und mindestens 118 Menschen wurden verletzt. Und nur fünf Jahre später kamen 31 Menschen zu Tode und mehr als 140 wurden verletzt bei einem Angriff in Kunming.

Darüber hinaus gibt es auch immer wieder Aufstände in Xinjiang, speziell in Ürümqi. Diese Aufstände werden von den chinesischen Medien tatsächlich als Aufstände und Störaktionen bezeichnet, die westlichen Medien aber nennen diese teils gewalttätigen Ausschreitungen lediglich Proteste für die Freiheit.

Natürlich weiß die kommunistische Regierung in der Volksrepublik sehr genau, wie es in anderen Teilen der Welt aussieht, in denen es deutlich größere Gruppen von Islamisten gibt. Man weiß auch sehr genau um die sich häufenden Anschläge im europäischen Raum und die Führung in Peking stellt die Verbindung zwischen einer Zunahme des Terrors und der Einwanderung mehrheitlich muslimisch geprägter Menschen her.

Und genau dieser Umstand, also die Angst, dass der Terror noch weiter zunehmen könnte, wenn die islamischen Gemeinden erstarken, hat die Regierung zu dieser Gesetzgebung veranlasst.

Natürlich ist die Kritik berechtigt, dass diese Gesetze einen krassen Verstoß gegen die Religionsfreiheit darstellen. Allerdings, wenn meine persönliche Meinung erlaubt ist, halte ich diese Gesetze für die einzig vertretbaren Reaktionen, die ein Rechtsstaat dem Terror entgegensetzen kann. Denn was wären die Alternativen?

Man könnte alle Menschen, die sich zum Islam bekennen, ausweisen. Man könnte auch noch weitergehen und diese Menschen erschießen lassen. Allerdings sind das keine vertretbaren Lösungen.

Japan beispielsweise geht einen ähnlich krassen und für uns vielleicht befremdlich wirkenden Weg.

In Japan selbst gab es, soweit ich das recherchieren konnte, noch keinen Anschlag einer islamistischen Organisation. Sehr wohl aber gab es schon einige Japaner, die im Ausland aufgrund des islamischen Fanatismus ums Leben kamen.

Kazuya Ito wurde 2008 von einem Taliban in Afghanistan getötet. Ito war dort als Mitarbeiter einer Hilfsorganisation tätig. Shosei Koda wurde im Irak im Jahr 2004 von islamischen Terroristen enthauptet. 2016 wurden sieben Japaner in Bangladesh als Geiseln gehalten und schließlich umgebracht, weil sie keine Verse aus dem Koran zitieren konnten.

Was also tut die Regierung Japans gegen die wenigen Islamisten im eigenen Land?

Sie lässt alle Muslime überwachen.

Muslime werden offiziell als Gefahrenfaktor eingestuft und dementsprechend auch behandelt. So gibt es von 72.000 Muslimen detaillierte Informationen, deren Bankdaten werden überwacht und sogar einige Moscheen werden mit versteckten Kameras überwacht.

Darüber hinaus wird die Einreise für Personen mit einem islamischen Hintergrund erschwert, eine Ansiedlung solcher Personen ist so gut wie unmöglich. Japan hat sowieso schon eines der strengsten Asylgesetzgebungen der Welt, denn die Japaner sind Ausländern gegenüber zwar immer freundlich und höflich, aber sie haben dennoch auch immer eine gesunde Portion Skepsis.

In Südkorea wird mit den islamischen Gemeinden ähnlich umgegangen. Auch sie werden von der Regierung streng überwacht und auch der Großteil der Südkoreaner steht ihnen extrem skeptisch gegenüber.

Als westlicher Mensch mag man sich fragen, wieso die Regierungen sich so verhalten? Die Antwort ist ganz einfach: Gewährleistung der Sicherheit. Denn auch die japanische und die südkoreanische Regierung wissen, was in anderen Teilen der Welt passiert und genau gegen solche Zustände, wie wir sie derzeit in zunehmendem Maße in Europa erleben, will man vorgehen.

Dass man immer wieder von westlicher Seite aus versucht, diesen Staaten eine Form der Ausländerfeindlichkeit oder der Islamophobie vorzuwerfen, ist in meinen Augen lächerlich. Einerseits betrachten sich China und Japan keinesfalls als Einwanderungsländer und sie legen dementsprechend auch keinen großen Wert auf Migranten. Man darf nicht vergessen, dass Japan sowieso schon überbevölkert – Japan ist kleiner als Deutschland, beherbergt aber deutlich mehr Menschen – und China das bevölkerungsreichste Land der Welt ist. Wieso also sollten diese Länder ein Interesse an Migranten haben? Andererseits tun diese Staaten nur das, was die ursprünglichste Aufgabe eines Staates ist: den Schutz seiner Bürger zu gewährleisten. Es ist nicht die Aufgabe eines Staates, den Schutz jedes Menschen weltweit zu gewährleisten!

Ich danke für die Aufmerksamkeit!

Der Umgang mit dem Islam in China, Japan und Korea

Weitermachen wie bisher …

Einstein hatte mal versucht, eine Definition für den Wahnsinn zu geben. Sinngemäß sagte er da, dass es wahnsinnig wäre, immer wieder dieselbe Handlung zu vollziehen, aber jedesmal ein anderes Ergebnis zu erwarten.

Nizza 2016. Ein Anhänger des IS rast mit einem LKW in eine Menschenmenge. Bei Würzburg 2016. Ein Anhänger des IS wütet mit einer Axt in einem Regionalzug. Ansbach 2016. Ein Anhänger des IS zündet eine Rucksackbombe. Berlin 2016. Ein Mann, der wohl ebenfalls im Auftrag des IS handelte, fährt mit einem LKW in einen Weihnachtsmarkt.

Nizza 2016. Die Welt trauert, in den sozialen Medien wird für Nizza gebetet. Bei Würzburg 2016. Deutschland trauert und ist schockiert, in den Medien beginnt eine Diskussion über Sicherheit. Ansbach 2016. Deutschland trauert und ist schockiert, in den Medien beginnt eine Diskussion über Sicherheit. Berlin 2016. Die Welt trauert, es wird wieder einmal gebetet und es gibt eine weitere Diskussion über Sicherheit.

Es stellt sich nun die Frage, auf welcher Seite mögen wohl die Irren sitzen? Sind es diejenigen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Tod und Chaos zu verursachen oder sind es diejenigen, die diesen Tod und das Chaos eigentlich vermeiden wollen?

Ich sehe es nicht als meine primäre Aufgabe, Antworten zu geben. Einerseits weil ich keine (menschenrechtlich vertretbaren) Antworten parat hätte und andererseits weil es schlichtweg nicht meine Aufgabe ist, Antworten zu geben. Für diesen Job gibt es deutlich besser bezahlte und angesehenere Menschen. Ich sehe meine Aufgabe darin, zu beobachten, zu beurteilen und zu fragen.

Eigentlich ist dies die Aufgabe eines jeden Menschen, der halbwegs vernünftig denken kann und sich geistiger Gesundheit erfreut. Das Zeitalter der Dogmen und der nicht zu hinterfragenden Wahrheiten, die vorgegeben worden sind, hatten wir (eigentlich) hinter uns gelassen. Wer sich nicht mehr erinnern kann, der möge mal nach Aufklärung bei Google suchen oder vielleicht ein Buch von Kant lesen.

Und wenn man fragen möchte, kann man auch ganz klein anfangen.

Wollen wir wirklich so weitermachen wie bisher? Wollen wir uns in den goldenen Käfig begeben und uns ständig davor fürchten, von religiösen Irren in die Luft gesprengt oder neuerdings mit Lastern überfahren zu werden?

Wollen wir uns wirklich daran gewöhnen, dass Festivitäten von schwer bewaffneten Polizisten bewacht werden müssen? Dass Märkte und andere Großveranstaltungen mit Betonklötzen abgesichert werden müssen?

Als die Migrationskrise akut wurde und als die Grenzen geöffnet wurden, forderten viele vermeintlich Rechte, dass man eine Festung Europa brauche. Kann es vielleicht sein, dass diese Festung schon längst besteht nur mit dem Unterschied, dass die Grenzen enger an uns heran gerückt sind?

Wir leben in einer demokratischen Republik und man sagt uns andauernd, dass das Volk regiere, aber wie kann es sein, dass Umfragen immer wieder zeigen, dass der Großteil der Bevölkerung keinen Krieg will und dennoch ist Deutschland an Kriegen beteiligt? Und dabei spielt es keine Rolle, ob wir nur Bilder machen oder direkt an der Front mitkämpfen, denn auch diese Bilder werden lediglich dazu verwendet, Ziele präzise zu attackieren. Anders gesagt, wir haben den Finger nicht am Abzug, aber wir stehen neben dem Schützen und weisen ihn ganz genau an, wo er hinschießen muss.

 

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und einen guten Start in das neue (und hoffentlich friedlichere) 2017!

Weitermachen wie bisher …

Ein Blick auf den Islam

Es gibt wohl zurzeit kaum eine andere Religion, die so polarisiert wie der Islam. Nicht nur, dass uns eine terroristische Organisation bedroht, die selbst behauptet, einen islamischen Gottesstaat errichten zu wollen, ein großer Teil der Menschen, die hierher kommen bekennen sich zum Islam. Umso verwunderlicher scheint es doch, dass man hierzulande kaum etwas über diese Weltreligion weiß. Selbst wenn man den Islam rundweg ablehnt, sollte man dennoch wissen, was das für Menschen sind, die diesem Glauben anhängen.

An dieser Stelle muss ich gleich zugeben, dass ich mich eher zu den Kritikern des Islam zähle. Aber im Endeffekt ist das keine Besonderheit, denn ich kritisiere alle Religionen, die in irgendeiner Form einen Gott anzubeten glauben. Mir war die Vorstellung, dass es irgendwo im Himmel ein Wesen gibt, das über unser aller Schicksal entscheidet und alles weiß, schon immer suspekt. Nichtsdestotrotz wurde es irgendwann Zeit, dass ich mich mit diesem Thema beschäftige.

Ursache dafür war, wie so oft in meinem Leben, ein spontaner Buchkauf: Syrien verstehen von Gerhard Schweizer. Gedacht habe ich, dass es ein Buch ist, dass die Geschichte, Kultur und eben auch die Religion dieses Landes behandelt. Relativ schnell stellte sich heraus, dass der Islam eine wichtige Stellung in Syrien einnimmt. Ich kann dieses Buch übrigens wirklich empfehlen, denn es ist flott, fast journalistisch verfasst, ähnelt in weiten Teilen einem Reisebericht und immer wenn die Sprache auf etwas zu sprechen kommt, dass dem durchschnittlichen westlichen Leser fremd sein könnte, wird es kurz erläutert. Und der für mich wichtigste Punkt ist, dass der Autor sehr sachlich mit dem Thema umgeht. Weder beschönigt er den Islam und das ganze Land, noch versucht er es zu kritisieren; es ist letztlich einfach eine Bestandsaufnahme.

Doch wenden wir uns nun dem Islam zu.

Zuallererst sollte man wissen, dass der Islam dem Christentum und dem Judentum sehr ähnlich ist. In allen Religionen gibt es Heilige, alle Religionen beten einen Gott an. Was die Moslems immer als Allah bezeichnen, ist im Endeffekt derselbe Gott, den die Christen meinen. Ähnlich wie die Christen haben die Moslems keinen konkreten Namen für ihren Gott – Allah bedeutet letztlich auch nur ‚der Gott‘ im Arabischen. Was aber wirklich beeindruckend ist, im Koran wird sogar auf diesen Umstand, dass es diesen einen Gott gibt, eingegangen: Christen und Juden werden dort oft als Schriftgläubige bezeichnet und interessanterweise gibt der Koran sogar vor, dass Moslems diesen Schriftgläubigen gegenüber tolerant sein müssen! Der Hintergrundgedanke ist, dass Christen und Juden an denselben Gott glauben wie Moslems, aber sie lesen die falsche Schrift.

Orthodoxe Moslems begründen diesen Vorwurf damit, dass der Koran die reinste und direkteste Mitteilung Gottes an die Menschen war. Alles, was im Koran geschrieben steht, wurde dem Propheten Mohammed direkt mitgeteilt. Im Christentum weiß man, dass viele Stellen in der Bibel verändert worden sind, auch noch viele Jahre nachdem die Bibel bereits erschienen ist. Vielleicht hat der ein oder andere Leser schon einmal von den sogenannten Apokryphen gehört? Dabei handelt es sich um Textstellen, die es niemals in die Bibel geschafft haben oder die schlichtweg zensiert worden. Diese Einmischung des Menschen in die Schrift Gottes gibt es aus Sicht der orthodoxen Moslems im Koran nicht und deswegen ist er das einzig wahre Wort Gottes.

Was man auch wissen sollte, ist, dass es DEN Islam nicht gibt. Es gibt auch nicht DAS Christentum als eine vereinigte Religion. Im Christentum haben wir beispielsweise die Evangelisten und die Katholiken, aber dann gibt es beispielsweise noch Mormonen, Baptisten und viele andere Abspaltungen. Im Islam ist es nicht anders. Die wohl größte und deswegen einflussreichste Gruppe – sozusagen die Katholiken des Islam – sind wohl die Sunniten. Dieser Begriff leitet sich von dem Wort ’sunna‘ ab, was so viel wie ‚die Tradition des Propheten des Islam‘ bedeutet. Die andere große und verfeindete Gruppe stellen die Schiiten – sie sind gewissermaßen die Evangelisten des Islam. Ihr Name leitet sich vom Begriff ’schia‘ ab, was so viel bedeutet wie ‚Partei‘ oder ‚Anhängerschaft‘.

Die Geschichte dieser beiden Konfessionen ist kompliziert, wahrscheinlich sogar komplizierter als die Geschichte von Katholiken und Protestanten. Der Streit zwischen den beiden Parteien ist darüber entbrannt, wer der nächste Kalif oder schlichtweg Nachfolger von Mohammed werden sollte. Man kann also sagen, es ist letztlich ein Disput um die Erbfolge. Die Schiiten waren und sind der Ansicht, dass der einzig legitime Nachfolger ein gewisser Ali hätte sein sollen – Schiiten bezeichnen sich deswegen auch als die ‚Anhänger Alis‘. Die Geschichte besagt, dass jener Ali aber zu beschäftigt damit war, die Bestattung Mohammeds zu organisieren und so nutzten andere Männer ihre Chance und ließen sich zum Nachfolger machen. Ali wurde erst nach zwei Vorgängern zum vierten Kalifen ausgerufen, aber er wurde niemals in der Art anerkannt wie seine Vorgänger. Dieser Umstand führte dazu, dass er ermordet wurde. Er hinterließ eine Frau und Söhne. Für die weitere Geschichte ist vor allem sein Sohn Hussein wichtig, denn dieser stellt sich zusammen mit Alis Frau gegen den neuen, fünften Kalifen. Es kam zu einer militärischen Auseinandersetzung bei der sie starben. Der neue Kalif ließ Husseins Kopf aufspießen und nach Damaskus bringen. Diese Geste sollte der Abschreckung dienen. Zuvor, und das ist wichtig, hatte der Kalif eine Gruppe der Schiiten, die Schiiten von Kufa, gegen die restlichen Schiiten ausgespielt. Denn eigentlich sollten die kufischen Schiiten Fatima, der Frau Alis, und seinem Sohn Hussein zu Hilfe kommen. Dieser Verrat der Schiiten von Kufa gilt bis heute als eine historische Schuld. Aus diesem Grund gibt es bei den Schiiten bis heute ein ‚Fest‘ – Ashura genannt -, bei dem sich die Männer auf die Brust schlagen und die Frauen laut wehklagen müssen. Manche Abspaltungen der Schiiten greifen sogar zu einer regelrechten Selbstgeißelung mit einer Peitsche. Sie tun dies, um das Leid der damaligen Schiiten wiedergutzumachen.

Aus den Schiiten haben sich noch zahlreiche andere Strömungen entwickelt, von der ich eine aufgreifen will, die als besonders fortschrittlich gilt: die Alawiten.

Der politisch interessierte Leser kennt diese Strömung vielleicht, denn der syrische Präsident Baschar al-Assad gehört dieser islamischen Glaubensrichtung an. Die Alawiten gelten deswegen als sehr fortschrittlich, weil sie dem Westen gegenüber sehr tolerant sind. So müssen sich bei ihnen die Frauen beispielsweise nicht verschleiern. Sunniten gelten hierbei als weitaus weniger fortschrittlich und dem Westen gegenüber sind die Sunniten sehr viel skeptischer und misstrauischer. Das ist auch der Grund, wieso Baschar al-Assad so problemlos in London leben und arbeiten konnte.

Ein kritisch zu bewertender Punkt im Koran ist, dass man die Schriftgläubigen zu tolerieren habe, aber alle anderen Menschen werden als Ungläubige bezeichnet. Darunter zählen ganz besonders die Buddhisten und die Hindus, die oftmals als Götzendiener betitelt werden, da sie entweder keinem Gott – im Buddhismus – oder gleich mehreren Gottheiten – im Hinduismus – dienen. Und ja, es stimmt auch, dass der Koran durchaus zu Gewalt gegen die Ungläubigen und Götzendiener aufruft. Allerdings muss man hier eben auch einwerfen, dass die unterschiedlichen Strömungen im Islam und der Grad der Orthodoxie des Gläubigen an sich darüber bestimmen, wie man mit anderen Glaubensformen umgeht. Übrigens ist es ja nicht so, dass es auch gewisse christliche Fundamentalisten und Orthodoxe gibt, die ebenso dazu aufrufen würden, andere Religionen abzulehnen oder gar zu bekämpfen.

Natürlich komme ich bei einem Blick auf den Islam nicht umhin, mich mit dem Thema Frau auseinanderzusetzen.

Auch hier muss man klare Unterschiede ziehen. Wie bereits erwähnt lehnen Alawiten beispielsweise die Verschleierung der Frau ab. Während es in anderen islamischen Staaten, allen voran das sehr orthodoxe Saudi-Arabien, vollkommen normal ist, die Frauen zu verschleiern und zu bevormunden. Dies geht soweit, dass die Frauen nicht einmal ein Auto fahren dürfen. In Saudi-Arabien gibt es sogar Kaufhäuser, die einzig und allein für Frauen sind. Dort dürfen sich die Damen dann frei und ohne jede Verschleierung bewegen, denn dort sind sie nicht den gierigen und lüsternen Blicken der Männer ausgeliefert.

Wenn man sich mit der Historie des Koran beschäftigt und vor allem mit den Gedanken, die sich Mohammed zu diesem Thema gemacht hat, dann muss man zugestehen, dass es dem Propheten viel eher um den Schutz der Frauen ging als um die Einschränkung ihrer Rechte. Bevor Mohammed sich den Frauen widmete, waren diese nicht viel mehr als besseres Vieh. Der Schleier beispielsweise war tatsächlich eher zum Schutz der Frauen gedacht vor den übereifrigen Männern. Natürlich ist an dieser Stelle durchaus Kritik anzubringen, denn wieso müssen sich die Frauen denn verhüllen, nur weil die Männer sexuell hyperaktiv sind? Aber, wie sich oft zeigt, werden Frauen in vielen Teilen der Erde derart behandelt. Nicht zuletzt hat auch das Christentum den weiblichen Körper oft als pure Sünde betrachtet.

Übrigens ist der Schleier der europäischen Muslime nicht immer eine religiöse Angelegenheit. Moderne Muslima wollen durchaus westlicher sein, also Selbstbestimmung erhalten, aber sie lehnen den frevelhaften, oft zu offenherzigen westlichen Stil ab. Sie sehen keinen Vorteil darin, kurze Kleider zu tragen. Dadurch wird der Schleier eher zu einem Protest als zu einem religiösen Ritual.

Durch die Schriften im Koran wurden Frauen zumindest zu Mündeln der Männer erhoben. Nichtsdestotrotz muss man auch hier ganz klar sagen, dass der Koran durchaus die ‚Züchtigung‘ der Frauen befürwortet. Allerdings muss ich auch hier einwerfen, dass es solche Zeilen auch in der Bibel gibt. Leider muss man konstatieren, wurden Frauen eigentlich überall auf der Welt, selbst in Asien, unterdrückt oder zumindest bevormundet.

Bevormundung findet dabei in vielen Formen statt. Angefangen damit, wie oben erwähnt, dass Frauen nicht selbst Auto fahren dürfen, dürfen Frauen beispielsweise nur einen Mann haben, ein Mann aber darf durchaus mehrere Frauen haben. Der Koran gibt hier lediglich die Einschränkung, dass der Mann all seine Frauen gleichermaßen gut versorgen können muss. Für Männer ist es in vielen islamischen Staaten auch sehr viel leichter, sich scheiden zu lassen. Meistens bedeutet es für Männer auch keine Einbuße im Ansehen, während es bei Frauen durchaus solche Einbußen gibt.

Das führt mich auch gleich zu einer weiteren Sache, die man über den Islam wissen sollte. Für uns Menschen im Westen ergibt sich häufig der Eindruck, dass die Moslems vergleichsweise rückständig seien. Wie oben beschrieben gibt es natürlich die orthodoxen Moslems, die jede Modernisierung der Religion ablehnen. Dennoch muss man klar anerkennen, dass sich viele Dinge im Islam und den islamischen Staaten verändert haben. Rund ein Drittel der Universitätsabsolventen in den meisten islamischen Staaten sind Frauen. Lange bevor es bei uns Frauen in der Politik gab, gab es im Iran eine Vizepräsidentin. All diese Dinge muss man wissen. Noch viel eindrücklichere Beispiele für eine gewisse Fortschrittlichkeit des Islam findet man in der Zeit, die wir in Europa als das Mittelalter bezeichnen. Denn während ganz Europa im Christentum versank und alles ablehnte, was auch nur im Ansatz mit Naturwissenschaft oder Vernunft zu tun hatte, blühte in den islamischen Staaten die Wissenschaft auf.

Zu jener Zeit sorgten die Christen dafür, dass viele alte und aufschlussreiche Schriften aus dem antiken Griechenland und Rom verbrannt worden. Sie alle galten als ketzerisch. Natürlich gab es solche Bewegungen auch im Islam, aber der größte Teil der islamischen Gelehrten schätzte diese Vorarbeiten. Man machte sich die Mühe und begann, all diese Texte zu übersetzen und zu erweitern. Der große Vorteil, den man nicht unterschätzen sollte, war, dass das Arabische Volks- und zugleich Wissenschaftssprache wurde. In Europa war die Sprache der Wissenschaft Latein, aber kaum ein normaler Mensch sprach diese Sprache, weswegen es sehr schwer war, den Menschen Wissenschaft oder Wissen allgemein zu vermitteln. Dies ging soweit, dass die meisten Gläubigen nicht mal verstanden, was eigentlich in der Bibel geschrieben stand. Man musste sich stets auf die Übersetzungskünste eines Geistlichen verlassen. Aus diesem Grund war Luthers Bibelübersetzung auch so bahnbrechend. In der islamisch-arabischen Welt gab es solche Probleme nicht.

Aus heutiger Sicht, das möchte ich hier kurz erwähnen, scheint die arabische Sprache aber auch ein gewisser Fluch zu sein. Arabisch gilt weithin als die unveränderliche Sprache Gottes, was dazu führt, dass das Arabische viele Dinge nicht mehr ausdrücken kann, die heutzutage selbstverständlich sind gerade aus dem Bereich der Naturwissenschaften. Dies ist einer der Gründe, warum man durchaus sagen kann, dass der Islam in einer gewissen Krise steckt. Denn moderne Moslems sind, gerade wenn sie studieren, dazu gezwungen, eine der ‚verhassten Sprachen des Westens‘ zu erlernen, weil sie andernfalls dem wissenschaftlichen Fortschritt, der zu einem Großteil in der englischen Sprache stattfindet, nicht mehr folgen können.

Der Umstand, dass die arabische Sprache auch eine Wissenschaftssprache ist und war, zeigt übrigens noch einen großen Unterschied zum Christentum: Das Christentum stellt einen Gegensatz zur Wissenschaft dar. Mohammed selbst soll gesagt haben, dass der Islam sich nicht dem Fortschritt verschließen solle. Aus diesem Grund gibt es auch islamische Rechtsgelehrte. Der Islam und die Wissenschaft sind zwei sich ergänzende Dinge aber keine Gegensätze. Gleichzeitig wurden Forschungen in diesen mittelalterlichen Tagen weitaus weniger religiös-dogmatisch betrieben. Man muss zum Beispiel wissen, dass die islamische Welt bereits im Jahre 1000 so etwas wie moderne Medizin kannte. Im Europa dieser Zeit kannte man keine Medizin. Krankheiten wurden dort als Strafen Gottes und als etwas Schicksalhaftes hingenommen. Den Arabern war zu dieser Zeit durchaus klar, dass Krankheiten beispielsweise durch Wasser übertragen werden konnten; sie hatten sogar eine rudimentäre Vorstellung von dem, was Robert Koch viele Jahrhunderte später als Bakterien bezeichnete.

Ich will mit diesem Artikel natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Immerhin versuche ich hier, eine ganze Religion irgendwie zu erklären. Ich selbst bin kein Moslem und ich glaube auch nicht an einen Gott. Dennoch halte ich es für einen weltoffenen Menschen wichtig, dass er sich mit solchen Dingen wenigstens zum Teil auskennt. Max Weber sagte mal über den durchschnittlichen Europäer, er könne sich noch so sehr als einen Atheisten oder Ungläubigen bezeichnen oder fühlen, wenn er in Europa aufgewachsen ist, dann verkörpert er gewissermaßen auch christlich-abendländische Werte wie Nächstenliebe oder Mitleid. Genauso kommt ein Chinese nicht umhin, auch wenn er selbst kein Konfuzianer ist, in konfuzianisch-geprägten Bahnen zu denken. Denn was für uns das Christentum mit all seinem Einfluss ist und war, ist und war für den Chinesen der Konfuzianismus und zu Teilen auch der Daoismus.

Ich hoffe, ich konnte dem geneigten Leser wenigstens zum Teil eine neue Welt erschließen. Und ich werde mich auch weiterhin mit dem Islam auseinandersetzen. Danke für die Aufmerksamkeit!

Ein Blick auf den Islam