Nordische Mythologie – Bonus

Es gibt in meinen Augen noch ein paar Ergänzungen zu dem Thema der nordisch-germanischen Mythologie, die ich im laufenden Text thematisch einfach nicht wirklich unterbringen konnte. Deswegen reiche ich sie jetzt in diesem Bonus nach.

Der erste und vielleicht wichtigste Punkt ist das Erbe der nordischen Mythologie oder in Deutschland besser gesagt die Last dieser Mythologie. Den meisten Menschen sollte durchaus bewusst sein, dass die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler sehr viele Ideen und Überlegungen aus diesem Sagen- und Mythenkreis genommen haben.

Die vielleicht bekannteste Entlehnung ist das Hakenkreuz oder allgemeiner gesagt die Swastika. Es ist falsch, dass dieses Zeichen allein aus dem nordischen Raum stammt, denn es gibt archäologische Funde in Eurasien und Afrika, die eindeutig belegen, dass dieses Symbol keine Erfindung der Nordmänner ist. Bis heute gilt die Swastika etwa in den asiatischen Ländern als ein Symbol des Glücks. Hierzulande ist das sogenannte Hakenkreuz allerdings verboten.

Ebenfalls umstritten ist das Symbol der Schwarzen Sonne.

Black_Sun.svg
Schwarze Sonne (https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Sonne#/media/File:Black_Sun.svg)

Gemäß deutscher Rechtslage gehört es nicht zu den verfassungsfeindlichen und damit verbotenen Zeichen, dennoch steht es in einem starken Zusammenhang mit den Nationalsozialisten und speziell mit der SS. Häufig wird es auch von sogenannten rechtsesoterischen Gruppen benutzt.

Tatsächlich ist es so, dass die Nationalsozialisten sich fröhlich an vielen unterschiedlichen Mythen- und Sagenkreisen vergangen haben. Beispielsweise verwendeten sie Standarten, die es bereits im Römischen Reich gab. Auch der Glaube an die Arier entstammt einer östlichen Lehre, die diese Arier ebenfalls als Übermenschen oder als bessere Vorgängerversion der heutigen Menschen gesehen hat. Allerdings haben die Nationalsozialisten die Vorstellung, wie ein Arier aussieht, an ihre Bedürfnisse angepasst, denn laut diesen östlichen Lehren waren nicht alle Arier zwangsläufig groß, von weißer Hautfarbe und blond.

Weil ich oben die Schutzstaffel (SS) erwähnt habe, kann man auch hier den munteren geistigen Diebstahl der Nationalsozialisten sehen.

Seit 1929 unterstand die SS Heinrich Himmler und dieser Mann hatte einen gewissen Faible für Rittergeschichten und okkulte Vorkommnisse. In seiner Vorstellung wollte er die SS zu einer Art Ritterorden, eine Art Templer 2.0, formen. Dies gelang ihm teilweise und viele Mitglieder der SS teilten das Interesse an allem Okkulten.

Interessanterweise aber betrachteten sich die Mitglieder der SS nicht als Heiden oder Neu-Heiden. Sie sahen sich als wahre Christen an, auch wenn sie bestimmte heidnische Feste wie das Julfest begingen. Allein dieser Umstand zeigt, wie bizarr das Weltbild der Nationalsozialisten ausgesehen haben muss.

Allerdings darf man sich dieses wahre Christentum der SS-Mitglieder nicht so vorstellen, dass sie sich als Katholiken oder Protestanten sahen – der Papst oder der Vatikan etwa hatten für sie keinerlei Autorität. Vielmehr nahmen sie eine übergeordnete Stellung ein. Teilweise sahen sie sich sogar als die wahren Helfer und Handlanger Gottes.

Um diesen Umstand noch zu verdeutlichen, will ich hier noch vier Zitate von Adolf Hitler persönlich bringen, die sich in meiner Buchempfehlung Ásatrú befinden:

„Es wird solch ein Unsinn über Wotanskult und den Geist der Edda verbreitet […] Diese einfältigen Schwätzer haben keine Vorstellung davon, was ihr Gerde anrichtet.“

– Ásatrú: Die Rückkehr der Götter, S. 99

„Es erschiene mir unsagbar töricht, einen Wotanskult wiedererstehen zu lassen. Unsere alte Götter-Mythologie war überholt, war nicht mehr lebensfähig, als das Christentum kam. Es verschwindet immer nur, was reif ist unterzugehen!“

– Ásatrú: Die Rückkehr der Götter, S. 99

„Es ist das Charakteristische dieser Naturen, daß sie von altgermanischem Heidentum, von grauer Vorzeit, Steinäxten, Ger und Schild schwärmen, in Wirklichkeit aber die größten Feiglinge sind, die man sich vorstellen kann. Denn die gleichen Leute, die mit altdeutschen, vorsorglich nachgemachten Blechschwertern in den Lüften herumfuchteln, ein präpariertes Bärenfell mit Stierhörnern über dem bärtigen Haupte, predigen für die Gegenwart immer nur den Kampf mit den geistigen Waffen und fliehen vor jedem kommunistischen Gummiknüppel eiligst von dannen!“

– Ásatrú: Die Rückkehr der Götter, S. 99f

Und zu Himmlers speziellen Faible meinte Hitler:

„Welcher Unsinn! Jetzt sind wir endlich so weit, in eine Zeit zu kommen, die alle Mystik hinter sich gelassen hat, und nun fängt der wieder von vorne an. Da könnten wir auch gleich bei der Kirche bleiben. Die hat wenigstens Tradition. […] Warum stoßen wir die ganze Welt darauf, daß wir keine Vergangenheit haben? Nicht genug, daß die Römer schon große Bauten errichteten, als unsere Vorfahren noch in Lehmhütten hausten, fängt Himmler nun an, diese Lehmdörfer auszugraben und gerät in Begeisterung über jeden Tonscherben und jede Streitaxt, die er findet. Wir beweisen damit nur, daß wir noch mit Steinbeilen warfen, als sich Griechenland und Rom schon auf höchster Kulturstufe befanden. Wir hätten eigentlich allen Grund, über diese Vergangenheit stille zu sein.“

– Ásatrú: Die Rückkehr der Götter, S. 100

Ich denke, die Zitate zeigen sehr gut auf, was der Führer der Nationalsozialisten von dem Heidentum gehalten haben mag. Wer sich mehr mit dem Okkultismus und den Pseudo-Mystizismen der Nationalsozialisten beschäftigen möchte, dem sei Rüdiger Sünners Buch Schwarze Sonne empfohlen. Darin setzt sich Sünner sehr objektiv und wissenschaftlich mit dem okkulten Glauben des Dritten Reiches auseinander.

edda3
Snorri Sturlusons Edda (http://www.hig.se/images/18.41f3c0f115680c4aaf3e82c8/1475247706079/edda3.jpg)

Ein anderer wichtiger Punkt, den ich hier nochmal erwähnen möchte, ist, dass es keine eindeutige Version der Sagen und Legenden des Nordens gibt. Ich hatte ja bereits auf Snorri Sturlusons Prosa-Edda verwiesen und auf die ältere Lieder-Edda. Beide Werke sind einige Jahrhunderte nach der eigentlichen Existenz der Menschen entstanden, die an diese Dinge glaubt haben.

Ich kann dies nicht oft genug betonen, denn wenn man sich im Internet mit Themen aus der Kategorie der nordischen Mythologie beschäftigt, kann man bei manchen Anbietern der Informationen das Gefühl bekommen, dass es vollkommen klar wäre, was er da schreibt und dass es keine Alternative gäbe.

Man darf nicht vergessen, dass jede heilige Schrift, wenn man die beiden Eddas denn als solche betrachten will, immer interpretiert werden kann und muss. Anhand des radikalen Islam können wir derzeit sehr gut sehen, was passiert, wenn man uralte Texte wortwörtlich auslegt.

Mehr Ergänzungen hatte ich eigentlich auch nicht zu machen, deswegen bedanke ich mich nochmal für die Aufmerksamkeit!

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