Nordische Philosophie (und Mythologie) – Teil 3

Wie es in der Überschrift bereits angedeutet ist, soll es in diesem dritten Teil vor allem um die Philosophie der Nordmänner gehen, nachdem es in den vergangenen beiden Texten hauptsächlich um die Mythologie ging. Aber keine Sorge, dies wird keine trockene Abhandlung über philosophische Grundsätze. Ein solches Vorgehen würde auch nicht sonderlich zu den Menschen passen, die an die nordischen Götter geglaubt haben.

Zunächst einmal möchte ich auf das typische Denken dieser Menschen eingehen. Es mag zunächst banal erscheinen, denn inwiefern sollen diese Menschen denn anders gedacht haben als wir?

Wie ich bereits im zweiten Teil angedeutet habe, sahen die Menschen des Nordens beispielsweise zwischen Leben und Tod keine strikte Trennung. In ihrer Vorstellung entsprachen die Geburt und das Sterben einem Kreislauf. Genau dies mag ein kleiner aber sehr gewichtiger Unterschied sein, denn die Nordmannen waren umgeben von Zyklen und deswegen finden sich diese Kreisläufe auch immer wieder in ihrem Denken.

Dabei müssen es nicht einmal so abstrakte Zyklen sein wie die Wiedergeburt. Selbst so einfache Dinge wie die Jahreszeiten stellen bereits einen Zyklus dar. Wir hantieren zwar mit vier Begriffen, aber es ist dennoch nicht möglich einen speziellen, festgelegten Zeitpunkt auszumachen, ab wann man immer vom Sommer sprechen kann. Vielmehr gehen die Jahreszeiten fließend ineinander über.

Noch viel eindrücklicher sind die Mondphasen. Dazu muss man wissen, dass der Mond für die Nordmannen der vielleicht wichtigste Himmelskörper war, denn viele Feste richten sich nach dem Mondzyklus aus.

Im Unterschied zum modernen Menschen besaßen die Menschen des Nordens kaum Dualismen. Ich hatte das ebenfalls im zweiten Teil angesprochen und will es hier noch einmal etwas ausführlicher darstellen.

Unsere moderne Welt ist voller Gegensätze: Gut und Böse, Arm und Reich, Schön und Hässlich, Dick und Dünn, Weiß und Schwarz, Groß und Klein. Wir scheinen uns ständig zwischen zwei extremen Polen zu bewegen und diese Art des Denkens hat auch unsere moderne Welt beeinflusst. Es ist kein Zufall, dass der christliche Glaube Himmel und Hölle kennt, die die Entsprechungen der Dualismen von Gut und Böse sind. Es ist auch kein Zufall, dass die Maschine, auf der ich gerade diesen Text eintippe, auch nur die beiden Dualismen aus 0 und 1 kennt. Und es ist ebenfalls kein Zufall, dass wir viele Fragen immer pauschal mit einem Ja oder einem Nein beantworten wollen.

Wie gesagt scheint dieser Unterschied eher klein zu sein, aber in meinen Augen ist er entscheidend.

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Der wohl wichtigste Zyklus, den ich bereits angedeutet hatte, ist der des Lebens. Ähnlich wie wir es in vielen asiatischen Glaubensvorstellungen sehen können, begriffen die Nordmänner den Tod eines Lebewesens nicht als dessen endgültiges Ende.

Wie bereits im zweiten Teil beschrieben gab es für Tote grundsätzlich zwei Wege: Starb man in der Schlacht, so kam man nach Walhalla. Starb man außerhalb des Kampfes so kam man nach Helheim. Viele Menschen mögen jetzt wieder dualistisch denken und glauben, dass es in Walhalla besser sei als in Helheim, aber laut den Sagen stimmt dies nicht. In beiden Totenwelten wurden die Toten recht gut umsorgt.

Von Walhalla wissen die meisten Menschen, dass es sich dabei um eine große Halle handeln soll, in der es immerzu Speis und Trank gibt und die eingekehrten Krieger, die dann auch als Einherjer, was so viel wie ehrenvoll Gefallener bedeutet, bezeichnet werden, feiern dort letztlich ein großes Fest. Das Feiern eines Sieges war zu der damaligen Zeit ein durchaus übliches Ritual, weswegen es nicht verwunderlich ist, dass man selbst den Gefallenen einer siegreichen Schlacht diese Belohnung nicht verwehren möchte.

Bezüglich Helheims gibt es unterschiedliche Vorstellungen. In jedem Fall wird das Reich der Toten als ein kalter und eigentlich wenig einladender Ort beschrieben. Leider kann man nicht mehr mit großer Sicherheit nachvollziehen, ob diese Beschreibung in Verbindung mit dem christlichen Bild der Hölle steht. Zeitweise, vor allem zurzeit der Christianisierung des Nordens, war Helheim tatsächlich mit der christlichen Hölle gleichgesetzt. Aus dieser Zeit stammt auch die Überzeugung, die heute noch immer von einigen Menschen vertreten wird, dass die Unterwelt kein Ort der Wiederkehr sei.

Einigen Quellen zu Folge, aber auch diese seien mit Vorsicht zu genießen, denn auch hier kann man nicht sagen, wie weit der christliche Einfluss reicht, soll es in Helheim auch einen Bereich für Mörder und andere Schwerverbrecher gegeben haben, an dem sie dann bestraft werden.

Hält man sich allerdings an die überlieferten Sagen und Legenden, und bedenkt man, dass es zwischen den Nordmännern und den Menschen, die im heutigen Raum Indiens leben, gewisse Überschneidungen gibt – etwa der Glaube von einem Urwesen, aus dem die Welt geschaffen wird oder allein der Umstand, dass sie dem indoeuropäischen Sprachraum angehörten -, kann man durchaus davon ausgehen, dass sie an eine Form der Wiedergeburt geglaubt haben müssen.

Folgt man den Sagen, erkennt man eine gewisse Ähnlichkeit zum Glauben an eine Seelenwanderung wie sie auch in der Vorstellung der antiken Griechen existierte. Wenn ein Mensch stirbt, löst sich seine Seele gewissermaßen vom Körper und er wird zu einer Art reinen Energie. In der griechischen Vorstellung kam diese Seele in den Hades und wurde dort im Fluss der Unterwelt gereinigt, sodass sie alle Erinnerungen und Verbindungen an ihr vorheriges Leben wieder vergas.

In der nordischen Vorstellung geschah dies in Niflheim. Hier wurde die Seele aber nicht nur gereinigt, es kam auch zu einer Art Urteilsprozess. Dieser ging allerdings nicht von einem richtenden Gott aus, vielmehr nahm die Seele eine objektive, vogelperspektivenartige Stellung ein. Dies war ebenso wichtig wie die Reinigung, damit die Seele neu und völlig unbelastet wiederkehren konnte.

Anhand dieser Vorstellung sieht man auch wieder wunderbar den Mangel an dualistischem Denken, denn dieser Urteilsprozess diente eben nicht dazu, den Verstorbenen entweder in die Kategorie des Guten oder des Bösen zu stecken. Gedacht war dieser Prozess vermutlich eher als eine Art Weiterentwicklungsprozess, eine stille Reflexion über das eigene Sein. Wenn dieser Ablösungsprozess vom alten Leben abgeschlossen war, kehrte die Seele schließlich in Helheim ein, wo sie von Hel bewirtet wurde und auf ihre Wiedergeburt wartete.

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Walhalla (https://de.wikipedia.org/wiki/Walhall#/media/File:Walhall_by_Emil_Doepler.jpg)

Passend zum Zyklus des Lebens besaßen die Nordmänner, auch wieder ähnlich zu den Griechen, Schicksalgöttinnen. In der griechischen Mythologie nannten sich diese Moiren und es waren drei Frauen. In der nordischen Mythologie nennen sie sich Nornen und sind ebenfalls drei Frauen.

Der Sage nach spinnen sie den Faden eines jeden Lebens. Sie leben an einer der drei Quellen, die sich an der Wurzel von Yggdrasil befinden. Ihre Personen stehen jeweils für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Urd, was so viel wie Schicksal bedeutet und gleichzeitig der Name der Quelle ist, an der die Nornen leben, stellt die Vergangenheit dar. Verdandi, das Werdende, stellt die Gegenwart dar und Skuld, die Schuld, stellt die Zukunft dar.

Neben der Vorstellung, dass die Nornen den Faden des Lebens spinnen, gibt es auch die Vorstellung, dass sie Runen dazu einsetzen, das Schicksal eines jeden Menschen zu bestimmen. Von der Vorstellung des Fadens stammt übrigens auch der Ausspruch, dass das Leben am seidenen Faden hängt.

Obwohl es jetzt so wirken mag, als wäre das Schicksal, oft als Wyrd oder Wurd bezeichnet, feststehend und unabänderlich, stimmt dies nicht. Denn die Nordmänner begriffen das, was wir heute als Schicksal bezeichnen, eher als eine Art Reaktion des Kosmos oder der höheren Mächte auf jede Aktion eines Lebewesens.

Die Nornen mochten zwar eine Art Zukunft sehen können, aber diese musste deswegen nicht unbedingt eintreffen. Dies unterscheidet die nordische Mythologie sehr stark von allen anderen und bekannten Mythologien Europas. Denn sowohl in der griechischen, römischen als auch ägyptischen Mythologie, wenn man diese noch zu Europa zählen will, wird das Schicksal oder die Zukunft als unveränderlich betrachtet.

Angesichts der Tatsache, die ich bereits im zweiten Teil angesprochen habe, dass die Götter in der Vorstellung der Nordmannen keine allmächtigen und allwissenden Wesen waren, verwundert diese Vorstellung des Schicksals allerdings kaum.

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Nornen spinnen das Schicksal (https://de.wikipedia.org/wiki/Nornen#/media/File:Nornorna_spinner_ödets_trådar_vid_Yggdrasil.jpg)

Ein Gegensatz hierzu, für den ich auch keine wirkliche Erklärung habe, ist die Vorstellung von Ragnarok oder Ragnarök, dem Ende der Welt. Gegensätzlich ist diese Vorstellung vor allem deswegen, weil sie ein festgeschriebener und unabänderlichen Ablauf darstellt, was passieren wird, wenn das Weltenende kommt.

Ragnarök bedeutet, entgegen der weit verbreiteten Meinung, nicht Götterdämmerung, sondern viel mehr Schicksal der Götter. Diese Fehlübersetzung mag auf den Komponisten Richard Wagner zurückgehen, der eines seiner Stücke, das eben Ragnarök behandeln soll, als Götterdämmerung betitelt hat.

Ich möchte jetzt nicht haargenau schildern, was genau passiert. Wer sich dafür interessiert, findet hier eine kurze Beschreibung der Ereignisse. Was meiner Ansicht nach noch wichtig zu sein scheint, ist der Umstand, dass das Ende der Welt eben nicht das vollständige Ende ist. Laut der Sage wird es drei Jahre Kampf und einen ebenso langen Winter geben und dann wird die Welt gewissermaßen wieder auferstehen.

Einige Leute sehen in Ragnarök ebenfalls einen Zyklus, denn möglicherweise, so deren Interpretation, passiert dies in regelmäßigen Abständen immer wieder. Der einzige Mangel an dieser Theorie scheint zu sein, dass sie keinerlei Erklärung dafür liefern, wie der ursprüngliche Zustand vor Ragnarök wiederhergestellt wird, denn das Weltenende ist zugleich auch das Ende für einige Götter.

Und damit habe ich alles niedergeschrieben, was ich zum breiten Thema der nordischen Mythologie zu berichten weiß. Natürlich waren meine Ausführungen nicht erschöpfend, gerade bezüglich der einzelnen Götter und deren Funktionen. Allerdings kann man diese drei Artikel als eine Art Einführung in das Thema betrachten.

Aus diesem Grund möchte ich am Ende noch ein paar weiterführende Literaturhinweise geben. Wer sich mehr über die Götter informieren möchte, dem empfehle ich Ásatrù: Die Rückkehr der Götter. Gerichtet ist dieses Werk eigentlich an all jene Menschen, die den Glauben an die nordischen Götter erforschen wollen, aber selbst wenn man nicht an sie glauben möchte, kenne ich kein Buch, das ausführlicher über die einzelnen Götter informiert als dieses Werk.

Wer sich mit der eigentlichen Sage auseinandersetzen möchte, dem sei eine der kommentierten Fassungen der Edda empfohlen wie etwa diese. Ich würde davon abraten, eine unkommentierte Fassung zu lesen, weil man dann möglicherweise nicht alles verstehen wird. Man darf nicht vergessen, dass diese ganzen Legenden an die 1.000 Jahre alt sind. Und jeder, der schonmal versucht hat, eine Bibel zu lesen, wird wissen, dass das gar nicht so leicht ist ohne das nötige Hintergrundwissen.

Wer sich mehr mit den Runen und dem Orakeln beschäftigen will, dem seien diese beiden Bücher empfohlen: Wer es wissenschaftlicher mag, wird sicher in Krauses Runen: Geschichte – Gebrauch – Bedeutung etwas finden und wer es etwas Esoterischer mag, dem sei Runen: Zauberzeichen der Germanen empfohlen.

Dann bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit!

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Nordische Philosophie (und Mythologie) – Teil 3

Der Umgang mit dem Islam in China, Japan und Korea

Immer wieder hören wir in Europa von Anschlägen. Islamistischen Anschlägen. Man könnte fast meinen, dass es zu einer alltäglichen Begebenheit werden könnte. Umso wichtiger wäre es doch vielleicht einmal zu schauen, wie eigentlich andere Länder mit dem Islam umgehen. Und da ich eine Vorliebe für China und Japan habe, liegt es für mich sehr nahe, mich genau mit diesen Ländern zu beschäftigen. Als kleinen Zusatz, allerdings habe ich da nur Informationen aus Südkorea, möchte ich auch mal einen Blick dorthin werfen.

Der Anlass für diese Betrachtung war ein Artikel der Zeit Online. Dort wurde über eine neue, umstrittene Gesetzgebung der chinesischen Regierung in der Provinz Xinjiang berichtet. Xinjiang liegt im Westen, ist ungefähr dreimal so groß wie Deutschland, allerdings deutlich dünner besiedelt. Was diese Provinz aber auszeichnet, ist ihr vergleichsweise hoher Anteil an Islamisten. Xinjiang gilt schon seit längerer Zeit als eine „Unruheprovinz“ und wenn die kommunistische Führung eine Sache im bevölkerungsreichsten Land der Erde nicht gebrauchen kann, dann ist es Unruhe.

Ich möchte nur kurz auf den genannten Artikel eingehen.

Leider unterschlägt der Artikel nämlich einige Informationen, die dieses Vorgehen deutlich besser erklären, als die angeblich so wichtige strategische Position der Provinz. Und da man allgemein eher wenige Nachrichten und wenn dann die üblichen Verstöße gegen die westlichen Menschenrechte aus China mitbekommt, ist es umso wichtiger, etwas weiter auszuholen.

Vielen Menschen dürfte vielleicht gar nicht bekannt sein, dass es in der Volksrepublik schon seit einiger Zeit terroristische Attacken gibt.

Auffällig ist bei diesen, dass sie einen ähnlichen Charakter haben wie die Terrorangriffe im Nahen und Mittleren Osten: Man setzt verstärkt auf Bombenanschläge oder Selbstmordattentate.

So gab es beispielsweise schon 1993 einen Bombenanschlag in der chinesischen Stadt Ürümqi. Knappe zwanzig Jahre später gab es auch mehrere Messerstechereien – ebenfalls eine Art des Terrors, die sich verstärkt auch in Europa beobachten lässt – und schließlich sogar einen Selbstmordanschlag in Ürümqi. Allerdings begrenzen sich die terroristischen Aktionen nicht allein auf die sogenannte „Unruheprovinz“. 1997 etwa gab es einen Bombenanschlag auf einen Bus in Peking. In Guandong kamen 2009 zwei Menschen bei einem weiteren Terrorangriff ums Leben und mindestens 118 Menschen wurden verletzt. Und nur fünf Jahre später kamen 31 Menschen zu Tode und mehr als 140 wurden verletzt bei einem Angriff in Kunming.

Darüber hinaus gibt es auch immer wieder Aufstände in Xinjiang, speziell in Ürümqi. Diese Aufstände werden von den chinesischen Medien tatsächlich als Aufstände und Störaktionen bezeichnet, die westlichen Medien aber nennen diese teils gewalttätigen Ausschreitungen lediglich Proteste für die Freiheit.

Natürlich weiß die kommunistische Regierung in der Volksrepublik sehr genau, wie es in anderen Teilen der Welt aussieht, in denen es deutlich größere Gruppen von Islamisten gibt. Man weiß auch sehr genau um die sich häufenden Anschläge im europäischen Raum und die Führung in Peking stellt die Verbindung zwischen einer Zunahme des Terrors und der Einwanderung mehrheitlich muslimisch geprägter Menschen her.

Und genau dieser Umstand, also die Angst, dass der Terror noch weiter zunehmen könnte, wenn die islamischen Gemeinden erstarken, hat die Regierung zu dieser Gesetzgebung veranlasst.

Natürlich ist die Kritik berechtigt, dass diese Gesetze einen krassen Verstoß gegen die Religionsfreiheit darstellen. Allerdings, wenn meine persönliche Meinung erlaubt ist, halte ich diese Gesetze für die einzig vertretbaren Reaktionen, die ein Rechtsstaat dem Terror entgegensetzen kann. Denn was wären die Alternativen?

Man könnte alle Menschen, die sich zum Islam bekennen, ausweisen. Man könnte auch noch weitergehen und diese Menschen erschießen lassen. Allerdings sind das keine vertretbaren Lösungen.

Japan beispielsweise geht einen ähnlich krassen und für uns vielleicht befremdlich wirkenden Weg.

In Japan selbst gab es, soweit ich das recherchieren konnte, noch keinen Anschlag einer islamistischen Organisation. Sehr wohl aber gab es schon einige Japaner, die im Ausland aufgrund des islamischen Fanatismus ums Leben kamen.

Kazuya Ito wurde 2008 von einem Taliban in Afghanistan getötet. Ito war dort als Mitarbeiter einer Hilfsorganisation tätig. Shosei Koda wurde im Irak im Jahr 2004 von islamischen Terroristen enthauptet. 2016 wurden sieben Japaner in Bangladesh als Geiseln gehalten und schließlich umgebracht, weil sie keine Verse aus dem Koran zitieren konnten.

Was also tut die Regierung Japans gegen die wenigen Islamisten im eigenen Land?

Sie lässt alle Muslime überwachen.

Muslime werden offiziell als Gefahrenfaktor eingestuft und dementsprechend auch behandelt. So gibt es von 72.000 Muslimen detaillierte Informationen, deren Bankdaten werden überwacht und sogar einige Moscheen werden mit versteckten Kameras überwacht.

Darüber hinaus wird die Einreise für Personen mit einem islamischen Hintergrund erschwert, eine Ansiedlung solcher Personen ist so gut wie unmöglich. Japan hat sowieso schon eines der strengsten Asylgesetzgebungen der Welt, denn die Japaner sind Ausländern gegenüber zwar immer freundlich und höflich, aber sie haben dennoch auch immer eine gesunde Portion Skepsis.

In Südkorea wird mit den islamischen Gemeinden ähnlich umgegangen. Auch sie werden von der Regierung streng überwacht und auch der Großteil der Südkoreaner steht ihnen extrem skeptisch gegenüber.

Als westlicher Mensch mag man sich fragen, wieso die Regierungen sich so verhalten? Die Antwort ist ganz einfach: Gewährleistung der Sicherheit. Denn auch die japanische und die südkoreanische Regierung wissen, was in anderen Teilen der Welt passiert und genau gegen solche Zustände, wie wir sie derzeit in zunehmendem Maße in Europa erleben, will man vorgehen.

Dass man immer wieder von westlicher Seite aus versucht, diesen Staaten eine Form der Ausländerfeindlichkeit oder der Islamophobie vorzuwerfen, ist in meinen Augen lächerlich. Einerseits betrachten sich China und Japan keinesfalls als Einwanderungsländer und sie legen dementsprechend auch keinen großen Wert auf Migranten. Man darf nicht vergessen, dass Japan sowieso schon überbevölkert – Japan ist kleiner als Deutschland, beherbergt aber deutlich mehr Menschen – und China das bevölkerungsreichste Land der Welt ist. Wieso also sollten diese Länder ein Interesse an Migranten haben? Andererseits tun diese Staaten nur das, was die ursprünglichste Aufgabe eines Staates ist: den Schutz seiner Bürger zu gewährleisten. Es ist nicht die Aufgabe eines Staates, den Schutz jedes Menschen weltweit zu gewährleisten!

Ich danke für die Aufmerksamkeit!

Der Umgang mit dem Islam in China, Japan und Korea

Trumpokalypse!!!!111!!!RELOADED

Aus gegebenem Anlass muss ich noch ein paar Sachen hinzufügen, daher hier die Trumpokalypse RELOADED!!!!1!!

Es ist erschreckend, was sogenannte „Demokraten“ gerade in den USA veranstalten. Nur weil ein Mann gewählt wurde, der nicht in ihr Weltbild passt, sorgen sie für Chaos und Zerstörung. Man stelle sich solche Bilder vor, als Van der Bellen in Österreich die Wahl gewonnen hatte. Oder man stelle sich solche Proteste nach einer Bundeskanzler-Wahl vor. Mittlerweile fürchte ich mich eher vor solch radikalen Trump-Gegnern als vor dem künftigen Präsidenten selbst.

Ich würde sogar soweit gehen und diese Menschen als Heuchler bezeichnen, denn sie tragen die Demokratie wie eine Monstranz vor sich her, aber wenn eine demokratische Wahl ein anderes Ergebnis bringt, als man es erwartet hat, dann ist die Demokratie sofort schlecht oder ein Teil des Volkes habe die Demokratie nicht verdient oder noch nicht verstanden oder alle Wähler sind schlichtweg pauschal als dumm zu betrachten. Im Grunde verkommt die Demokratie bei solchen Menschen zu einem inhaltslosen Titel, mit dem man sich gern schmückt, weil er gut klingt und hoch angesehen wird, aber nur dann wenn es einem gerade passt.

Diese Einschätzung gilt übrigens nicht nur für die USA. Ähnliche Worte konnten wir ja auch nach den Wahlen in drei deutschen Bundesländern lesen.

Sicher kann man mit der Wahl unzufrieden sein, und man kann dieser Unzufriedenheit auch Ausdruck verleihen beispielsweise mit einem Blog, einem Lied, von mir aus einem Videospiel. Es gäbe so viele kreative und weniger destruktive Wege, Protest zum Ausdruck zu bringen. Aber definitiv nicht so!

So gibt es beispielsweise schon eine massive Welle von Morddrohungen gegen Trump. Wirklich zu interessieren, scheint das aber niemanden. Komisch, als deutsche Politiker bedroht wurden wegen ihrer Entscheidungen während der Immigrationskrise, gab es einen riesigen #Aufschrei und eine Kampagne des Mitleids. Aber, naja, es ist eben nur Trump und sein Tod läuft dann sicher auch nur unter Kollateralschaden. Oder ein anderes Beispiel aus Deutschland: die PEGIDA-Galgen. Was gab es doch für einen #Aufschrei, als irgendwelche Idioten Galgen für deutsche Politiker präsentierten. Komisch, wenn man sowas mit Trump macht, ist es gar nicht so schlimm. Kollateralschaden eben. Da wirken die zahllosen und teilweise wirklich hanebüchenen Trump-Hitler-Vergleiche fast noch witzig.

Aber so ist sie eben die Moral des modernen Westens: immer abhängig von den jeweiligen Akteuren und natürlich von den Handelnden.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Trumpokalypse!!!!111!!!RELOADED

*KK: „Inside“ mit Stefan Gödde

Eigentlich muss man zu dieser „Dokumentation“ nicht viel sagen. Ich meine, wenn die ganze Folge schon damit beginnt, dass man einen Einblick in „Putins Reich“ bekommen möchte, ist ja eigentlich schon klar, wo die Reise hingehen wird, oder?

Und wie sollte es auch anders sein, zeigen sie natürlich einen russischen Patrioten, der nach Waffen verrückt und dazu auch noch ein Oligarch ist. Und natürlich interviewen sie Menschen in der Ukraine und wundern sich darüber, dass sie für Putin sind. Und natürlich wird immer wieder betont, dass es unter Putin ja nur noch darum ginge, eine Neu-Sowjetunion zu erschaffen. Und natürlich hat Putin Fantasien von einer neuen Großmacht. Und natürlich ist sowieso alles Propaganda und alles, was man in „Putins Reich“ sieht, muss hinterfragt werden.

Ganz ehrlich, noch plumpere Propaganda geht doch nicht mehr, oder?

Sie hätten genauso gut nach Amerika reisen können, denn dort gibt es auch Patrioten, die auf Waffen abfahren. Und in Amerika gibt es auch Oligarchen, aber die werden da einfach Reiche, Oberschicht oder Millionäre genannt. Und was ist, wenn ein Präsident sagt, er möchte Amerika wieder groß machen? Ist das etwa nicht das Streben oder die Fantasie nach einer neuen Großmacht? Und ist ein Hollywood-Film, in dem ein heldenhafter, natürlich amerikanischer Soldat gegen eine Horde von übermächtigen Aliens oder gegen böse Ausländer oder Terroristen kämpft und siegt, letztlich nicht auch Propaganda für Amerika und für seine Armee?

Was ich damit sagen will: Kein Land dieser Erde, nicht einmal das Heilige Reich von Amerika, ist perfekt. Sie haben alle ihre Leichen im Keller, aber das wollen wir natürlich nicht wissen. Wir wollen nichts von der massenhafte Spionage amerikanischer Geheimdienste wissen und wir wollen nichts von geheimen Gefängnissen wissen, in denen Menschen gefoltert werden, übrigens von den gleichen Geheimdiensten, die die Welt ausspionieren. Und wir wollen nichts von ungerechtfertigten Angriffskriegen seitens der Amerikaner wissen.

Und vor allem wollen wir nicht sehen, dass Amerika allmählich im Endstadium ist: Die eine Hälfte der Nation sitzt im Knast, die andere Hälfte kämpft ums nackte Überleben mit Essensmarken und ein winzig kleiner Teil sieht sich dieses Spektakel aus sicherer Entfernung an, wie die römischen Kaiser seinerzeit im Kolosseum.

Wir wollen all dies nicht sehen, wir wollen die eigenen Probleme nicht bekämpfen, stattdessen stürzen wir auf uns jedes andere Problem in der Welt.

Ich bin schon gespannt, wie in der nächsten Woche die VR China dargestellt wird. Sicher ist da auch alles Propaganda und Lüge und es ist sicher auch „Xinpings Reich“, in dem sie dann unterwegs sind. Vielleicht müssen sie ja dorthin, weil das Team um Herrn Gödde keine Drehgenehmigung für „Obamas Reich“ bekommen hat…

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

*Kurzer Kommentar

*KK: „Inside“ mit Stefan Gödde

Am Abgrund?

Eine Sache möchte ich diesem Text voranstellen: Ja, in erster Linie bin ich Schriftsteller und das heißt, dass ich sehr gerne Szenarien und Welten entwerfe, dass ich sehr gern die Realität verlasse oder zumindest überdehne. Deswegen mag man mir vielleicht manchmal vorwerfen können, dass meine Fantasie etwas übertrieben ist, dass ich mir vielleicht zu viele Gedanken mache, aber seit einiger Zeit beschäftigt mich ein Thema: Krieg.

Ich glaube, seit der Kuba-Krise war die Welt nicht mehr so nah an einer globalen Katastrophe in Form eines Dritten Weltkrieges wie heute. Ständig liest man, dass es wieder neue NATO-Manöver an der russischen Grenze gibt. Man liest, dass irgendwelche amerikanischen Kriegsschiffe so nah an russische Kriegsschiffe heranfahren, dass die Gefahr einer Kollision besteht.

Ich will keine Panik verbreiten, keinesfalls! Möglicherweise irre ich mich auch und all diese Dinge sind Spielereien oder übertriebene Machtdemonstrationen.

Aber zugleich mehren sich auch die Berichte von militärischen Konvois, die natürlich auch durch Deutschland fahren. Sie transportieren schweres Gerät, Panzer, Artillerie und andere Fahrzeuge, die man für eine konventionelle Bodeninvasion gebrauchen kann. Und man muss sich fragen, wieso all dies geschieht?

Meine Antwort ist einfach und extrem provokant: Die Welt wird von Psychopathen regiert, die keine Vorstellung davon haben, wie viel Leid und wie viel Schmerz sie durch ihr eigenes, fehlerhaftes Handeln produzieren.

Ich habe nie selbst einen Krieg miterleben müssen – glücklicherweise muss man sagen – und doch habe ich mich lange genug mit diesem Phänomen beschäftigt, um wissen zu können, dass es kein traumatischeres, kein erschütternderes Erlebnis geben kann für eine menschliche Existenz als einen Krieg. Und wir reden hier ganz sicher nicht von einer kleineren, lokalen Konfliktsituationen.

Immer mehr verdichten sich die Gerüchte, dass es einen Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Russland geben soll. Seit jeher hegen die Amerikaner einen krankhaften Hass gegen die Russen. Lange Zeit wurde dies durch die diametrale Ideologie begründet, man tat so, als würde man die Russen nur hassen, weil sie Kommunisten seien, aber mittlerweile sind die modernen Russen nicht mehr die Kommunisten, die sich an Stalin und Lenin orientieren. Russland ist mittlerweile eine kapitalistische Macht geworden. Genau das lässt für mich nur einen Schluss zu: Die Menschen, die wirklich einen Krieg gegen Russland führen wollen, müssen psychisch krank sein.

Dabei hat die Geschichte gezeigt, dass es bislang keiner einzigen Macht gelungen ist, den russischen Bären zu bezwingen. Hitler kann davon ein Lied singen, Napoleon weiß genau zu berichten, dass seine Truppen den Russen ebenso wenig besiegen konnten.

Doch besonders verheerend ist all dies, weil Europa zum Schlachtfeld gemacht wird. Erneut muss man sagen. Denn schon der Erste und der Zweite Weltkrieg fanden zu einem großen Teil auf dem europäischen Kontinent statt. Ganz zurecht muss man sich die Frage stellen, ob Einstein mit seiner Vermutung richtig liegt, dass der Dritte Weltkrieg sicher noch mit modernen Waffen geführt werden wird, aber bei einem Vierten Weltkrieg werden die Menschen wieder mit Stöcken gegeneinander kämpfen.

Man muss kein Genie sein, um zu wissen, dass es einen nuklearen Krieg geben wird, denn warum sonst horten die Amerikaner und die Russen denn so viele Atomwaffen? Solch ein teueres Arsenal, das zumindest seitens der Amerikaner sogar noch modernisiert werden soll, hält man sich nicht zum Spaß. Im Grunde warten diese Irren – anders kann ich Menschen nicht bezeichnen, die wirklich glauben, man könnte einen Krieg mit nuklearen Mitteln führen – doch nur auf einen möglichen Einsatz ihrer kleinen Spielzeuge.

Doch ich möchte hier nicht als ein egoistischer Feigling verstanden werden. Mir geht es nicht darum, mein eigenes Leben retten zu wollen, sondern mir geht es um den Fortbestand der Menschheit. Ein nuklearer Krieg würde einen gewaltigen Einschnitt verursachen. Es wäre eine Katastrophe, von der sich die Menschheit nicht so schnell erholen würde und die Erholung vom Zweiten Weltkrieg hat schon lange genug gedauert.

Doch die Frage ist doch, was kann man tun?

Die Antwort ist schwer und in vielen Bereich unbefriedigend.

Man sagt uns zwar, dass wir in einer Demokratie leben, aber wie viel Einfluss haben wir denn wirklich auf Entscheidungen unserer Regierung? Hat die Menschen jemand gefragt, ob man amerikanische Atomwaffen auf deutschem Boden stationieren darf? Hat man das Volk gefragt, ob das deutsche Militär an irgendwelchen gefährlichen und hoch provokanten NATO-Übungen teilnehmen soll? Nein. All dies wird von den bereits besagten Irren, von diesen krankhaften Psychopathen, bestimmt.

Und natürlich können sie das tun. Sie werden nicht ihre Kinder in diesem Krieg verheizen müssen, sie werden in sicheren Gegenden sitzen und ihren teuren Wein trinken, während andere Menschen für sie und ihre alptraumhaften Vorstellungen sterben müssen. So war es schon immer im Krieg und so lange es Krieg geben wird, wird sich an dieser Situation nichts ändern.

Doch es gibt eine Möglichkeit: Die Menschen müssen sich vehement gegen den Krieg aussprechen und stellen. Und genau das will ich tun. Es kann nicht im Interesse der ‚einfachen‘ Menschen sein, sich in einem sinnlosen Konflikt, an dessen Ende es keinen Sieger geben kann, verballern zu lassen. Aber ich bin nicht so naiv, zu glauben, dass der weltweite Abbau von Militär zum Weltfrieden führen wird, nein, um dieses hohe Ziel zu erreichen, müssen die Menschen endlich umdenken.

Wir müssen begreifen, dass wir das Geld, das sinnloser Weise in Aufrüstung und die Entwicklung neuer Waffen gesteckt wird, an anderen Stellen viel dringender gebrauchen können. In der ‚Fachsprache‘ nennt man das Friedensdividende. Denn wenn es keinen Krieg und keine akute Bedrohung gibt, gegen die man sich rüsten müsste, könnte man viel mehr Geld in Bildung und Fürsorge stecken. Es mag sich pathetisch und sehr hoch gestochen anhören, aber man kann mit diesem freigewordenen Geld die Menschheit auf eine neue Stufe heben. Warum nicht einfach Bildung für alle Menschen? Wieso nicht einfach ein kostenloses, global organisiertes Gesundheitssystem? Die Erde könnte ein wahres Paradies, ein Hort der Humanität werden, doch stattdessen schießen wir uns gegenseitig ab wie dumme Schafe.

Deswegen denke ich immer häufiger, dass wir Menschen in zweierlei Weise an einem Abgrund stehen: Einerseits stagniert unsere soziale Entwicklung extrem. Wir haben seit über fünftausend Jahren Krieg geführt und es hat sich nichts geändert, außer die Effizienz der eingesetzten Waffen. Und andererseits haben wir mit der derzeitigen Situation die deutlich sichtbare Manifestation dieser Fehlentwicklung vor Augen.

Anders gesagt: Wir blicken bereits in den Abgrund und es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, bis wir den Halt verlieren und hinabstürzen.

Karl Marx schrieb, dass sich die Proletarier dieser Welt vereinen sollen, aber ich würde eher sagen, Menschen dieser Welt vereint euch und erkennt den wahren Feind. Es muss ein Kampf geführt werden. Aber dieser Kampf wird nicht zwischen Menschen stattfinden, die nicht einmal wissen, wieso sie eigentlich kämpfen. Es werden keine Menschen sein, die sich dank geschickter Medienpropaganda und Feindbild-Genese gegeneinander aufhetzen lassen. Es werden Menschen sein, die ihren einzigen Feind – den Irren, der Krieg führen will – erkannt haben und die ihn mit seinen eigenen, unmenschlichen Mitteln schlagen werden.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Am Abgrund?

*KK: Der Ausstieg des (noch) Vereinigten Königreichs

Es war wirklich mehr als überraschend, als man heute überall vernehmen konnte, dass es die Briten wirklich getan haben: Sie entschieden sich gegen einen Verbleib in der Europäischen Union. Schon Jahre vor diesem Referendum gab es im Vereinigten Königreich Debatten, Werbekampagnen und Versuche, die Bevölkerung in die eine oder in die andere Richtung zu lenken. Dementsprechend knapp fiel eben auch das endgültige Ergebnis aus und nun schaut alle Welt nur darauf, was nun aus der EU wird.

Doch was man bei all diesen Überlegungen und Analysen vielleicht vergisst, ist, wie sich diese Abstimmung auf Großbritannien selbst auswirken wird?

Auffällig ist etwa, dass sich Schottland und Nordirland für einen Verbleib entschieden, während Wales und England dagegen waren. Das ist insofern kritisch zu betrachten, weil die Schotten schon einmal ein Ersuchen um ihre Unabhängigkeit zur Abstimmung gestellt hatten. Und dieses Ergebnis, das ihnen jetzt vom verhassten England aufgedrückt wird, wird sicher nicht für mehr Einigkeit sorgen.

Die schwierige Situation in Nordirland, das ja schon seit vielen Jahren ein regelrechter Kampfschauplatz ist und eigentlich nur ein Relikt der kolonialen Bestrebungen der Krone ist, wird sich ebenso weiter zu spitzen, davon ist auszugehen.

Die Frage, die man sich jetzt stellen müsste, ist eigentlich, wie vereinigt ist denn das United Kingdom überhaupt noch? Und wird diese Entscheidung vielleicht nicht nur zur Abspaltung Großbritanniens von der Europäischen Union führen, sondern vielleicht auch die Erschaffung eines souveränen Schottlands befeuern oder die ‚Befreiung‘ Nordirlands aus englischer Knechtschaft?

Zur Europäischen Union bleibt eigentlich nur zu sagen, dass dieses Ergebnis, dieses massive Misstrauen der Briten, und zunehmend auch anderer Menschen in Europa, denn allein dieses Misstrauen in die europäischen Institutionen ist der Grund für den Aufstieg einer AfD, eines Front National oder einer FPÖ, sollten zu denken geben. Denn Fakt ist, die EU ist ein gewaltiger, bürokratischer Apparat, der wahrlich nicht sehr effizient ist. Vielleicht ist es gerade deswegen jetzt an der Zeit, die Idee der Europäischen Union endlich wieder in den Fokus zu stellen: Frieden und Einigkeit in Europa zu schaffen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

*Kurzer Kommentar

*KK: Der Ausstieg des (noch) Vereinigten Königreichs

Die Supermacht, die keine Supermacht zu sein scheint.

Wenn man sich heute die unterschiedlichsten Produkte aus dem Bereich der Technik ansieht, dann kann man recht schnell feststellen, dass die meisten Geräte ‚Made in China‘ sind. Wenn man sich den rasanten Aufstieg bestimmter chinesischer Smartphone-Hersteller, allen voran Huawei, anschaut, kann man noch mehr Respekt vor der chinesischen Wirtschaft bekommen. Wenn man weiß, dass die chinesische Hochkultur zu keiner Zeit seit über viertausend Jahre untergegangen ist, dann bekommt man einen Eindruck von der historischen Dimension dieses Landes. Und wenn man all dies weiß, dann kommt man nicht umhin, im heutigen China eine weitere Supermacht neben den USA und Russland zu sehen. Aber es stellt sich auch automatisch die Frage: Wieso gebärdet sich China so anders als die beiden anderen Supermächte?

Am Beginn der 2000er gab es für Wirtschaftsexperten genau zwei aufstrebende Mächte, beide Vertreter befanden sich in Asien: Indien und China. Gute sechzehn Jahre – ein kurzer Augenblick im Vergleich zur Geschichte Chinas – hat es also nun gedauert, bis aus dem ‚kleinen‘ und weltpolitisch eigentlich unbedeutenden Land eine neue Supermacht geworden ist.

Spricht man im Westen über China, dann neigt man oft dazu, die gravierenden kulturellen und historischen Unterschiede zwischen den europäisch-nordamerikanischen Nationen und der chinesischen Kultur vollkommen zu unterschätzen.

Das fängt schon mit dem einfachen Beispiel einer Klassifizierung einzelner Zeitalter an. Im europäischen Kontext sprechen wir etwa von einer Antike und einem Mittelalter, das von der Renaissance abgelöst wurde und schließlich in die Neuzeit und Moderne mündet. Für China mag dieses Schema kaum anwendbar sein, denn China hatte kein Zeitalter, das sich mit der Antike vergleichen ließe und China hat auch niemals eine Renaissance erlebt, denn in China gab es keinen starken christlichen Glauben, von dem es sich hätte befreien müssen, ganz im Gegenteil, prägt der Konfuzianismus nach wie vor in weiten Teilen die Normen und Werte und auch das gesellschaftliche Leben der Chinesen. Einzig in dem Punkt, dass China zu den ersten Hochkulturen der Menschen gehört, ist man sich aber einig – dazu zählen etwa auch die Ägypter.

Betrachtet man China, ist vielleicht zu empfehlen all die Dinge und Maßstäbe zu vergessen, die wir Europäer besitzen. Erst wenn man das tut, bemerkt man vor allem, wie stark diese Brille ist, durch die wir die Welt ständig betrachten.

Ein kleines, aber hoffentlich eindrucksvolles Beispiel: In China ist der Begriff des Mitleids kein übliches Konzept. Für uns Europäer ist Mitleid etwas ganz Normales – mit den Armen und Schwachen kann man Mitleid haben. In China ist dieses Konzept aufgrund der kulturellen Entwicklung nicht wirklich geläufig.

Auch die sprachlichen Unterschiede sind nicht zu verachten, vor allem wenn man davon ausgeht, dass Sprache die Grundlage für das Denken einer Kultur bildet. Auch hierzu ein kleines Beispiel: Im Chinesischen gibt es sehr wohl, entgegen vieler Behauptungen, eine richtige Grammatik. Die ist aber in vielerlei Hinsicht nicht mehr mit der deutschen Grammatik oder einer anderen europäischen Sprache zu vergleichen. Einerseits schreiben die Chinesen bekanntlich ihre Zeichen einfach hintereinander, während wir zwischen den einzelnen Worten immer einen Freiraum lassen. Das macht es für einen ungeübten Leser sehr schwierig, die einzelnen Worte zu erkennen, denn nicht jeder Begriff wird durch ein einzelnes Zeichen bestimmt. Der Mann besteht im Chinesischen etwa aus zwei Zeichen: Nan, was im Grunde für das Männliche steht, und Ren, was für sich genommen einfach so etwas wie Menschlich bedeutet. In vielen Übersetzungen wird Nan aber als Herr übersetzt, was eigentlich falsch ist, weil Nan nur für etwas Männliches steht. Ein Nan Hai beispielsweise ist dann der Junge und nicht mehr der Mann. Das Sandwich besteht im Chinesischen sogar aus drei Zeichen: San Ming Zhi. Betrachtet man die Zeichen einzeln, kann man denken, es hieße ‚drei Name nur‘, denn dies wären die wörtlichen Übersetzungen der drei Zeichen.

Ebenfalls interessant in der chinesischen Sprache ist der Umstand, dass sie keine echte Unterscheidung zwischen Einzahl und Mehrzahl kennt. Wenn man im Chinesischen von einem Nan Ren spricht, dann kann das ein Mann oder mehrere Männer sein. Erst der Kontext, in dem das Wort verwendet wird, sagt mir dann, ob wirklich ein einzelner Mann oder eine Gruppe Männer gemeint ist.

Das mögen banale Unterschiede sein, aber Chinesen sind beispielsweise deswegen von europäischer Philosophie fasziniert, weil wir beispielsweise in der Philosophie nach der einen Wahrheit suchen. Ein Chinese versteht diese Suche nicht wirklich, weil es für ihn nicht eine Wahrheit geben kann, für ihn gibt es nur die Wahrheit.

Der größte Kritikpunkt an der Betrachtung Chinas liegt aber darin, dass man immer wieder fordert, dass die Chinesen demokratischer werden müssten im europäisch-amerikanischen Sinne. Doch das Problem, was hierbei vollkommen verkannt wird, ist doch, dass es in China niemals eine historische Entwicklung hin zu einer Demokratie gegeben hat. Über viele hunderte Jahre hinweg war China ein Kaiserreich, eine Monarchie gewissermaßen und es gab keine Bestrebungen, die Regierungsgewalt dem Volk zu übergeben. Auch die Forderung danach, dass es in China mehr persönliche Freiheiten geben müsste, erscheint absurd angesichts der Tatsache, dass sich diese Forderung niemals historisch entwickeln konnte.

Ein Land für so etwas zu kritisieren, wäre fast so, als würde ich es einem sechsjährigen Kind zum Vorwurf machen, das es noch keinen Text von Goethe gelesen hat. Weder China noch das Kind haben diesen Punkt ihrer Entwicklung erreicht und was bei Ländern noch sehr viel ausgeprägter ist, ist doch, ob China überhaupt jemals diesen Punkt erreichen wird. Womöglich wird es irgendwann wieder einen Kaiser geben, weil die Chinesen das demokratische Modell für ineffizient halten.

Das weniger offensive Auftreten der Chinesen hat übrigens auch historische Tradition. Man muss wissen, dass China sich selten in seiner gesamten Geschichte wirklich aggressiv oder offensiv gebärdet hat. China hat die faszinierende Eigenschaft, dass es dazu in der Lage ist, die unterschiedlichsten Kulturen zu assimilieren. Deswegen dürfen wir uns nicht darüber täuschen lassen, dass die Chinesen Hochhäuser aus Glas bauen und amerikanische Produkte konsumieren. Die Chinesen haben es schon immer verstanden, die nützlichen Aspekte anderer Kulturen zu adaptieren, aber ihre eigene Tradition haben sie sich über viele Jahrhunderte hinweg erhalten.

Ein weiterer und ebenso wichtiger Aspekt scheint die gesellschaftliche Ausrichtung Chinas zu sein, denn obwohl dieses Land ungefähr 1,39 Milliarden Menschen zählt, liegt der gesellschaftliche Kern nach wie vor in der Familie. Auf uns mag es oft durch die Medienberichterstattung so wirken, als würden die Chinesen eher auf den Staat fixiert sein, aber das mag täuschen. Es ist also kein Zufall, dass Chinesen und viele andere asiatischen Auswanderer immer bei anderen asiatischen Auswanderern einkaufen. Manch ein Mensch mag dahinter vielleicht eine gewisse Fremdenfeindlichkeit sehen wollen, aber eigentlich ist das grundlegend falsch. Sicher sind die Chinesen gegenüber Fremden weitaus weniger aufgeschlossen, aber sie lehnen das Fremde keinesfalls ab.

Bei all diesen Daten mag man sich aber vielleicht auch fragen, wieso die chinesische Kultur dann zeitweise so unbedeutend war? Einfach ausgedrückt: Die Chinesen hatten mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, die sich aber mittlerweile in weiten Teilen wieder gelöst haben. Die Zeiten, in denen man China zu den Staaten der Dritten Welt gezählt hat, sind mittlerweile Vergangenheit. Aber China wird auch in Zukunft mit Problemen zu tun haben, die uns sehr vertraut vorkommen dürften: Überalterung der Gesellschaft – eine Nachwirkung der langjährigen Ein-Kind-Politik -, Umweltverschmutzung und -schutz, Armut und Arbeitslosigkeit, ethnische Konflikte – beispielsweise der fragwürdige Umgang Chinas mit Tibet – und nicht zuletzt die Forderung, dass das bislang hohe Wirtschaftswachstum auch weiterhin gehalten wird.

Zumindest hat China mit einigen Firmen beweisen können, dass es eben nicht nur ein Hersteller von billig verarbeiteten Produkten ist. Viele Jahre galten Waren, die in China hergestellt worden sind, als Schrott oder Plunder. Mittlerweile werden in diesem Land sogar Apple-Produkte gefertigt und die gelten als sehr hochwertig verarbeitet.

Mit zu diesem Ruf hat Huawei beigetragen, und nein, ich bekomme kein Geld für diese Werbung, aber nicht zuletzt war es gerade dieser Smartphone-Hersteller, der dazu geführt hat, dass ich mich mit China und seiner Wirtschaftskraft beschäftige, und es ist ja nicht nur Huawei. Es gibt eine ganze Zahl anderer Hersteller in diesem Bereich, die vielen Menschen vielleicht nichts sagen mögen, aber als echte Geheimtipps gelten können: Xiaomi, Oppo oder Meizu.

Die Angst der westlichen Wirtschaft vor diesen Produkten ist nicht ganz unbegründet, denn die Chinesen zeigen, dass man hochwertige und eigentlich teure Ware zu vergleichsweise erschwinglichen Preisen herstellen kann. Ohne Frage aber muss man ganz klar sagen, geht dieser Preiskampf immer häufiger auf Kosten der Bevölkerung, denn die Arbeiter bekommen einerseits extrem wenig Lohn und andererseits sind die Sicherheitsstandards in manchen Herstellungsbetrieben vielleicht vergleichbar mit jenen Standards, als damals die Industrialisierung in England seinen Höhepunkt erreicht hatte.

Und auch wenn die Regierung viel dafür tut, dass die Chinesen nicht sehen, wie die Menschen in Europa oder Nordamerika leben, so bleibt es den Chinesen dennoch nicht verborgen, dass es dort draußen eine vollkommen andere, in vielen Teilen schönere Welt gibt. Dies wiederum führt auch dazu, dass es immer mehr Chinesen gibt, die nach genau diesem Lebensstandard, diesen, aus ihren Augen gesehen, Luxus streben.

Langfristig betrachtet wird China also nicht bis in alle Ewigkeit die billige Werkbank für westliche Unternehmen bleiben können. Es sollte auch recht offensichtlich sein, dass China niemals den Lebensstandard wird erreichen können, den wir Europäer besitzen. Nicht unbedingt, weil sie arbeitstechnisch nicht dazu in der Lage wären, die viel größere Hürde scheint doch eher die Natur darzustellen, denn schon jetzt verbrauchen die Europäer und Nordamerikaner viel zu viele Ressourcen und diese beiden Kontinente kommen zusammen annähernd an die Bevölkerung heran, die China besitzt, das heißt, der Verbrauch würde sich verdoppeln und wenn Indien irgendwann soweit ist, wird der Verbrauch noch einmal rapide ansteigen.

Umso wichtiger erscheint es mir, etwas über diese fremde Supermacht zu wissen. Denn eine Sache ist doch irgendwie merkwürdig: Denn obwohl die Menschen im Westen sich gern als weltoffen geben, wissen sie doch eigentlich so wenig über die anderen Völker dieser Erde. Sicher machen es uns gerade die Asiaten durch ihre Zeichensprache nicht sehr einfach, aber man darf nicht vergessen, dass die Chinesen durchaus mit den lateinischen Buchstaben vertraut sind. Mehr noch: In chinesischen Schulen ist es ganz normal, dass man etwa im Geschichtsunterricht auch etwas über den Westen lernt. An deutschen Schulen ist das Wissen über chinesische Geschichte kaum bis gar nicht vorhanden. Man weiß vielleicht, mit viel Glück, dass es da diesen Mao Tse Tung gab und man kennt vielleicht auch den Begriff der Kulturrevolution, vielleicht ist der Begriff der Opiumkriege auch irgendwann mal gefallen, aber was genau es damit auf sich hat, weiß kaum jemand hierzulande. Dies erscheint vor allem angesichts einer globalisierten Welt, auf der die Völker zusammengerückt sind, sehr fragwürdig, oder?

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Die Supermacht, die keine Supermacht zu sein scheint.